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ADS-Bücher: Kritisch
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Ritalin: Ein folgen-
schwerer Irrtum

Aus der Sicht unserer
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Das Verschwinden der Mädchen von der
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Gibt es ein Bisschen ADS?

Exklusiv: Die HÜTHER-Studie

Das Anlage-Umwelt-
Problem

Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!

Alternativen bei ADS

Fragiles X-Syndrom

Alternative Behandlung
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Familie und ADS

Alternative Sichtweisen bei ADS

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1

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Böse Witze


Liebe Gäste,
immer wieder werden wir von besorgten Eltern gefragt, wie man sich bei der Suche nach Hilfe für das auffällige Kind, vor allem bei einem Verdacht auf "ADHS", verhalten solle. Deshalb hier unsere
10 Goldenen Regeln als Orientierungshilfe:

Hilfe für Ihr "ADHS-Kind"?
10 Goldene Regeln für Ihr Vorgehen bei "AD(H)S-Verdacht"

1. Wenn Ihr Kind ungwöhnliche, besorgniserregende Verhaltens- und/oder Entwicklungsprobleme zeigt, wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt, ein Frühförderzentrum (FFZ), ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) oder eine Erziehungsberatungsstelle (EB). In diesen Einrichtungen achtet man auf möglichst alle Faktoren im Leben Ihres Kindes, also nicht nur auf seine körperliche Seite, sondern auch auf seine Seele, seine Familie, seine Umwelt, seine Persönlichkeit. Während Sie für das FFZ und das SPZ die Überweisung eines Kinderarztes zur Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse brauchen, können Sie in die (kostenfreie) EB ohne ärztliche Überweisung gehen. Auch in der EB ist die Mitwirkung eines Arztes sichergestellt.

2. Vermeiden Sie im Allgemeinen Ärzte, Psychologen oder andere "Fachleute" , die derzeit als "ADHS-Spezialisten" gelten. Vermeiden Sie im Allgemeinen auch "ADHS-Spezialkliniken". Solche Fachleute und Kliniken sehen oft nicht mehr die gesamte Bandbreite normaler über leichter bis schwerer beeinträchtigter Kinder, sondern nur noch einen eher extremen Ausschnitt davon ("Tunnelblick"), weshalb sie vielleicht schneller bereit sind, Ihr Kind als "pathologisch" einzuschätzen und vorschnell medikamentös zu behandeln. Außerdem neigen sie zu einer oft allzu biologistischen (also nur die körperliche Seite betonenden) Sichtweise, die die psychosozialen Einflüsse vernachlässigt.

3. Vermeiden Sie angebliche Fachleute, die Ihnen zu "alternativen" Heilmethoden wie Nahrungsergänzungsstoffen (z.B. Algen), Allergietests, Kräutern, Biofeedback, Computertomographien, Hypnose, Zahnsanierungen (Amalgam), etc. bei "ADHS" raten. Meist handelt es sich um unwissenschaftlichen Nepp, der Sie sehr viel Geld kosten kann. Lassen Sie sich auch keine übertriebene oder ideologisch begründete Panik (wie z.B. von Scientology) vor Medikamenten bzw. Stimulanzien (z.B. Ritalin) einreden.

4. Fragen Sie den untersuchenden Arzt oder Psychologen, wie seine allgemeine Einstellung zur Stimulanzienbehandlung von Kindern ist. Entscheiden Sie sich für einen Arzt oder Psychologen, der Stimulanzien bei Kindern zwar nicht grundsätzlich ablehnt, sie aber als letztes und andere Behandlungen nur unterstützendes Mittel betrachtet, das erst (und dann zeitlich begrenzt) zum Einsatz kommen soll, wenn sich psychotherapeutische oder psychoedukativ-entwicklungsfördernde Maßnahmen allein als nicht ausreichend gezeigt haben.

5. Fragen Sie den Arzt oder Psychologen, wie er die sog. multimodale Behandlung bei ADHS praktiziert, insbesonders, mit welchen anderen Fachkräften (Lehrer, Erzieherinnen, EB-Stelle etc.) er als Team kindbezogen gewöhnlich zusammenarbeitet und welchen Stellenwert er dabei Stimulanzien einräumt. Wenn er den eindeutigen Schwerpunkt nicht auf psychotherapeutisch-psychoedukative bzw. entwicklungsfördernde Maßnahmen setzt, sondern auf Stimulanzien, wechseln Sie den Arzt oder Psychologen.

6. Wenn der Arzt oder Psychologe als ersten und alleinigen Schritt Stimulantien empfiehlt, lehnen Sie dieses Vorgehen ab und fragen stattdessen nach psychotherapeutischen bzw. psychoedukativen oder entwicklungsfördernden Maßnahmen. Wenn er Ihnen dabei nicht viel anzubieten hat, nicht mit anderen diesbezüglichen Fachleuten kooperiert oder sogar von diesem Vorgehen abrät und allein auf Psychostimulanzien setzt, wechseln Sie den Arzt oder Psychologen.

7. Verlangen Sie bei der Anwendung psychotherapeutischer bzw. psychoedukativer Maßnahmen, dass nicht nur Ihr Kind, sondern auch Sie als Vater und Mutter und ggbf. auch die Geschwister Ihres Kindes in die Maßnahmen eng einbezogen werden (familientherapeutisch-systemisches Gesamtkonzept der multimodalen Therapie bei ADHS). Effektive multimodale Therapie bei ADHS baut auf einer Familientherapie auf, also auf einer die Ressourcen der gesamten Familie einbeziehenden Therapie. Wenn Ihr Arzt oder Psychologe dies nicht unterstützt, wechseln Sie ihn.

8. Sprechen Sie mit oder über Ihr Kind nie in dem Sinne, es "habe ADHS". Das würde so klingen, als leide es an einer Krankheit. Zum Einen ist wissenschaftlich nicht belegt, dass es ADHS als medizinische Krankheit überhaupt gibt. Zum Anderen vermeiden Sie damit eine schädigende Stigmatisierung, die das Selbstwertgefühl und die soziale Integration Ihres Kindes unnötig gefährdet. Ihr Kind hat stattdessen Entwicklungs- und/oder Verhaltensschwierigkeiten. Sprechen Sie von seinen Verhaltensschwierigkeiten stets in positiv-kritischer, aufbauend-wohlwollender Bewertung.

9. Wenn Ihr Kind dennoch begründetermaßen und vorübergehend Stimulanzien (wie Ritalin) nehmen muss, glauben und sagen Sie nie, dies sei Medizin gegen irgendeine dauerhafte oder unheilbare körperliche oder hirnbetreffende Krankheit "ADHS". Dies ist wissenschaftlich nicht belegt. Erklären Sie stattdessen, dass das Medikament nur vorübergehend dabei helfen kann, in der Psychotherapie oder sonstigen Fördermaßnahme raschere Fortschritte zu machen, und dass man das Medikament sofort nicht mehr brauche, wenn die Fortschritte anhalten. Ihr Kind soll das Medikament nur als vorübergehende Unterstützung auf dem Wege zu einer Verbesserung, die das Medikament überflüssig machen wird, begreifen. Ihr Kind soll mit Ihnen gemeinsam das Ziel verfolgen, selbstverantwortlich ohne das Medikament leben zu lernen. Es macht für Ihr Kind psychologisch einen erheblichen Unterschied, ob es glauben muss, so krank zu sein, dass es (lebenslänglich) ein starkes Medikament einnehmen muss, oder dass es ein Medikament nur vorübergehend zur Unterstützung einer Fördermaßnahme/Psychotherapie etc. nehmen muss.

10. Setzen Sie einvernehmlich mit Ihrem Arzt/Psychologen und Ihrem Kind das therapiebegleitende Stimulans während der Psychotherapie bzw. Fördermassnahme immer wieder probeweise und situationsbezogen ab, um auszuprobieren, ob man darauf -zumindest in bestimmten Situationen- bereits verzichten kann. Die Qualität Ihres Arztes zeigt sich u.a. in seiner Bereitschaft, dies zu unterstützen. Ziel der multimodalen systemischen Therapie muss das dauerhafte Wieder-Absetzen der Medikamente sein. Belohnen Sie Ihr Kind regelmäßig und deutlich, wenn sein Verhalten ohne Medikament positiv ist (auch bei anfangs nur kurzen Episoden).

© Café Holunder
14.5.2003

Gewissensfrage 10
Wie sehen Sie es?
Psychopharmaka dürfen Kindern nur bei begleitender Psychotherapie gegeben werden.
Ich stimme zu 102 72,86 %
Ich stimme nicht zu 31 22,14 %
Ich bin nicht sicher 7 5,00 %
Gesamtbeteiligung: 140  
Sie können alle bisherigen Gewissensfragen finden, wenn Sie im Café Holunder herumstöbern. Viel Spaß

Hans-Reinhard Schmidt
Familientherapie bei "ADHS"

Eine bereits klassische Erkenntnis der Familientherapie besagt, dass das Problem eines Familienmitgliedes erst im Kontext seiner Familie und Familiengeschichte verständlich und behandelbar wird. Sein Problem steht für etwas in seiner Familie, es ist Symptom eines übergeordneten Familienproblems. Über den Kausalzusammenhang zwischen diesem seinem Problem mit dem übergeordeten Familienproblem mag man grundsätzlich und im Einzelfall unterschiedlicher Auffassung sein. Über ihre Koinzidenz und wechselseitige Beeinflussung besteht allerdings kaum ernsthafter Zweifel.

Wenig Zweifel besteht auch an der Erkenntnis, dass psychologische Familienprobleme Hauptursache oder zumindest Hauptrisikofaktor für kindliche Verhaltensprobleme darstellen. Viele kindliche Verhaltensprobleme entstehen oder erscheinen nicht (zumindest nicht in erheblicher Ausprägung), wenn familiäre Hintergrundprobleme fehlen. Sie verschwinden (oder reduzieren zumindest ihre Intensität), wenn die Familienprobleme beigelegt werden können. Selbst eher körperlich begründbare Verhaltensprobleme können bei Fehlen chronischer oder massiverer familiärer Hintergrundprobleme weniger intensiv bis völlig unauffällig sein bzw. besser kompensiert werden oder keine sekundären Probleme entwicklen. Eine bekannte und vorbildliche, fast klassische Studie, die diese allgemeinen Zusammenhänge gut belegt, stammt von Esser u. Schmidt (s.u.).

Carlson EA, Jacobvitz D, Sroufe LA. haben bereits gezeigt, dass in erster Linie Familienfaktoren darüber entscheiden, ob ein Kind "ADHS" entwickelt oder nicht. Zwei neue Studien haben nun auch den engen Zusammenhang zwischen kindlichem "ADHS" und mütterlicher seelischer Gesundheit sowie Eltern-Kind-Konflikten belegt:

Lesesne CA, Visser SN, White CP fanden einen engen Zusammenhang zwischen mütterlicher seelischer Gesundheit und dem Vorhandensein von "ADHS" bei ihren Schulkindern. Zwischen mütterlicher Gesundheit und dem sich daraus ergebenden Verhalten ihrer Kinder bestehe eine enge Verbindung. Sie betonen denn auch die Notwendigkeit einer familienbezogenen Therapie. Auch Burt SA, Krueger RF, McGue M, Iacono W. finden, dass chronische Eltern-Kind-Konflikte ein grundlegender Risikofaktor bei der Entwicklung kindlicher Verhaltensstörungen (darunter auch "ADHS") darstellen. Sie stellen interessanter Weise fest, dass die zwischen verschiedenen kindlichen Verhaltensstörungen (ADHS, ODD, CD) gefundenen Komorbiditäten nichts anderes als die gemeinsame Basis familiärer Hintergrundkonflikte widerspiegeln.

Die bisher von Medizinern konzipierte sog. multimodale Therapie bei "ADHS" erscheint in diesem Zusammenhang als Stückwerk. Der Familienaspekt fehlt völlig. L.H. Diller, aber auch Th. Armstrong betonen zwar, wie wichtig ein familienorientiert-systemisches Verständnis und Therapieren bei "ADHS" ist, in der klinischen Praxis dominiert aber überall ein eingeengtes, biologistisch auf das "kranke" Kind zentriertes (oft rein medikamentöses) Vorgehen. Der Mythos von der lebenlänglichen Krankheit "ADHS" spiegelt denn auch womöglich nur die Ineffizienz dieses biologistischen Sparprogramms wider, das die Psyche, die Familie und die Familiengeschichte des Kindes völlig ausblendet. Der Verdacht, das gängige medizinische "ADHS"-Konzept erwachse aus genau diesem Abwehrmechanismus, bietet sich zwanglos an.

Eine wirklich multimodale Therapie bei "ADHS" muss deshalb in einer systemischen Familientherapie bestehen, in deren Rahmen sich kindbezogene Maßnahmen (auch eine Medikation) sinnvoll einbauen lassen müssen. Teamarbeit von Familie, Familientherapeut, Arzt, Kindertherapeut, Erzieherin bzw. Lehrer ist notwendige Voraussetzung. Besonders die Väter müssen in jedem Fall -auch bei geschiedenen Eltern- mit einbezogen werden. Die konfliktarme und konstruktive Zusammenarbeit der Eltern stellt den Hauptfakor eines hilfreichen Familiensystems dar. Aber auch Geschwister finden ihre Rolle im Kontext der familiären Veränderungen, die helfen können.

Eine allein auf das "ADHS-Kind" zentrierte Problemsicht und Therapie ist jedenfalls in keinem Fall ausreichend. Die meisten Eltern, die darüber klagen, dass sie schon "alles" versucht hätten und nichts geholfen habe (außer am Schluss Ritalin), waren nur aufs Kind zentriert. Sich selbst haben sie unfreiwillig ausgespart, mit Erzieherinnen und Lehrern lagen sie im Konflikt, und die Hilfseinrichtungen, mit denen sie es bisher zu tun hatten, haben sie darin unfreiwillig bestärkt.

Hilfesuchende Eltern sollten also immer ein familienorientiertes Therapiekonzept bei "ADHS" zu finden versuchen. Nachfrage fördert auch in diesem Falle das Angebot. Am ehesten finden sie dies derzeit in Erziehungs- und Familienberatungsstellen, aber auch in immer mehr SPZs und FFZs. Die meisten Ärzte oder Psychotherapeuten in Einzelpraxen können sich ein solches teamorientiertes und familienbezogenes Vorgehen aus Kostengründen derzeit leider gar nicht leisten, obwohl sie es fachlich sicher bevorzugen würden.

Literatur:
G. Esser, M.H. Schmidt
: Epidemiologie und Verlauf kinderpsychiatrischer Störungen im Schulalter - Ergebnisse einer Längsschnittstudie. Nervenheilkunde 1987, 6, 27-35.

ENDLICH!

Hier ist er, der lang ersehnte und jahrzehntelang entwickelte EAHADSKTFSE (= "Erster Allgemeiner Hanebüchener ADS-Kurztest für sog. Erwachsene", die konsequente Weiterentwicklung eines existierenden Fragebogens). Leisten auch Sie sich endlich ein ADS, wie viele Andere vor Ihnen, testen Sie sich selbst (denn keiner kann das so gut wie Sie!) und gehören Sie endlich zum verschworenen ADS-Klan.

Bei diesem Test kann gar nichts schief laufen, denn weil Sie endlich Ihr ADS haben wollen ("man gönnt sich ja sonst nix"), verschafft er es Ihnen auch. Sie müssen beim Antworten nur darauf achten, dass Sie auch immer brav das ankreuzen, was für ADS spricht (aber eigentlich spricht ALLES dafür). Drucken Sie anschließend Ihr Testergebnis aus und bringen Sie es Ihrem ADS-Arzt. Sie helfen ihm damit, seine "Zehn-Minuten-pro-Patient-Routine" störungsfrei beizubehalten, und Sie selber sind schnell wieder draußen, natürlich mit Rezept! Und darum geht es schließlich, gelle?

Und nun aber los!

1. Diesen Fragebogen fülle ich ohne fremde Hilfe aus (wenn Ihnen also ein guter Bekannter hilft, müssen Sie antworten: stimmt):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

2. Vieles schiebe ich störend lange vor mir her (z.B. Einkaufswagen, Behindertenrollstühle, Rasenmäher):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

3. Häufig trommele ich mit den Ohren und klopfe mit den Füßen (sind Sie etwa der Osterhase oder Drummer in einer beat-band?):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

4. Obwohl ich weiss genau, was zu tun ist (als Erstes mal Deutsch lernen!), finde ich oft meinen "Startknopf" nicht und kann meine Handlungen nicht in Gang setzen. (Erst neulich stand ich z.B. wieder auf dem Fernsehturm, hab es aber nicht geschafft, runter zu springen):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

5. In meinem Kopf ist es häufig wie bei einem Fernseher, bei dem mehrere Programme gleichzeitig laufen (wenn Sie nicht wissen, was gemeint ist: es handelt sich um einen Mann, der 5 oder 12 Fernsehapparate gleichzeitig laufen hat, also z.B. einen Regisseur im TV-Studio):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

6. Statt (als Lkw-Fernfahrer am Steuer) einzuschlafen, werde ich oft von Gedanken überflutet:
stimmt - teilweise - stimmt nicht

7. Ich habe in der Schule schon viel verloren oder vergessen (verloren z.B. das Vertrauen in Erwachsene; vergessen z.B. die Prügel meines Sportlehrers):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

8. Ich war einmal 6 Jahre alt:
stimmt - teilweise - stimmt nicht

9. In der Schule war ich ein Zappelphilipp oder Wildfang (Mädchen). (Wenn Sie heute männlich sind, müssen Sie damals trotzdem ein Mädchen gewesen sein):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

10. Selten erreiche ich die Ziele, die ich mir gesteckt habe (aber beim Stadtmarathon kürzlich in Oberpleis wurde ich immerhin Dritter der einbeinigen Senioren!):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

11. Auch beim Sex muss ich oft an ganz andere Sachen denken (z.B. könnte ich den Kerl totschlagen, der immer mit meiner Frau schläft):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

12. Schon als Kind spürte ich, dass ich irgendwie anders bin als die andern (aber das lag wohl auch daran, dass meine Oma mein Vater war und ich immer diese scheußlichen rosa Unterhosen tragen musste):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

13. Oft fange ich etwas begeistert an, und lasse es später dann liegen (als ich neulich z.B. heisshungrig ein knallhartes Steak essen wollte):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

14. In Gesprächen springe ich häufig von einem zum anderen Thema (Achtung: wenn Sie ein Rheinländer sind, der sowieso immer vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt, aufpassen!):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

15. Es tönt seltsam, aber leider kaute ich Nägel (in der Nachkriegszeit hatten wir leider nichts anderes zu essen, und es tönte wirklich seltsam, dieses Schleifen der Zähne auf den stählernen Nägeln):
stimmt - teilweise - stimmt nicht

Ulli
22.5.2003

Schnarchen macht "ADS"
Dass auch Schnarchen "ADS" macht (als eine von mindestens 50 verschiedenen Ursachen), wird schon länger vermutet (s.a. hier). Jedermann kann sich ja leicht vorstellen, dass schlechter Schlaf die mentale Leistungsfähigkeit schmälert. Dazu muss man nicht mal selber schnarchen, es genügt, neben einem Schnarcher zu schlafen. Und wer schnarcht (oder bei einem solchen schläft), schläft schlechter. Und dass sowas dann im chronischen Falle "ADHS"-typische Symptome machen kann, ist leicht nachvollziehbar (wobei jedermann weiss, dass es "ADHS" als Krankheit sowieso nicht gibt, weshalb unsere Überschrift denn auch nicht behauptet, dass durch Schnarchen eine Krankheit namens ADHS verursacht wird).

"Schnarchende Kinder leiden häufiger unter Lern- und Verhaltensstörungen als Gleichaltrige, von denen aus dem Schlafzimmer kein Pieps zu hören ist. Bei Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests der US-Kinderärztin Louise O‘Brien von der University of Louisville mit Fünf- bis Siebenjährigen, die die Nacht im Schlaflabor verbracht hatten, schnitten die Lautschläfer deutlich schlechter ab als Mitglieder einer Vergleichsgruppe, bei denen es ruhig geblieben war. "Das Schnarchen allein", glaubt die Forscherin, "ist bei Kindern mit einer erhöhten Anfälligkeit für kognitive Störungen verbunden - ohne dass ein anderes Leiden verscblimmernd hinzukommen müsste." Als Ursache für die schlechteren Leistungen tagsüber vermutet die US-Ärztin Sauerstoffdefizite im Gehirn. Dass Kinder mit gelegentlichen Atemaussetzern, der so genannten Schlaf-Apnoe, häufig Lern- und Verhaltensschwierigkeiten zeigen, haben bereits frühere Untersuchungen belegt. Nach der Entfernung von Polypen oder Mandeln bessert sich ihr Zustand häufig. Für Schnarcher ohne die charakteristischen Atemaussetzer gibt es solche Hoffnung bislang nicht. O‘Brien: "Wir wissen nicht, ob man ihnen mit irgendeiner Therapie helfen kann."

(zit. DER SPIEGEL 22/2003).

Ob Frau O´Brien noch nichts von Ritalin gehört hat? Das hilft nämlich (fast) immer!

Wünsche gut zu ruhen.
Preiser
26.5.2003


Haben Sie Lust,
ganz unverbindlich und anonym bei einem kleinen psychologischen Experiment mit zu machen? Es geht dabei um den Zusammenhang von AD(H)S mit anderen psychologischen Persönlichkeitseigenschaften. Worum genau, sagen wir Ihnen allerdings erst, wenn das Experiment in 4 Wochen ausläuft, weil Sie möglichst unvoreingenommen mitmachen müssen, ohne genaue Kenntnis des Ziels, das Sie sonst unmerklich bei Ihren Antworten beeinflussen könnte.

Also machen Sie bitte ganz unverbindlich mit. Sie müssen nur 15 Fragen (ehrlich) beantworten. Dabei bleiben Sie vollkommen anonym! Der wissenschaftliche Hintergrund interessiert Sie sicherlich auch!

Hier ist der Fragebogen.

Und hier die bisherigen Ergebnisse

© Café Holunder 6/2003

Alle mir bekannten mit dieser Diagnose jedoch leiden unter etwas ganz Anderem....

Hallo,
da der Sohn einer guten Freundin, ein Kind das mir nahe steht, jetzt pünktlich zur baldigen Einschulung Ritalin bekommen soll, habe ich mich ein bischen auf dieser Seite umgesehen.

Hätte es als ich ein Kind war ADS gegeben- es wäre bei mir diagnostiziert worden. Auf sieben verschiedenen Schulen schaffte ich es dann doch bis zu einem (sehr guten) Abitur. Und mit Ende Zwanzig fing ich an, mir soziale Kompetenz
erarbeiten. Als Kind konnte ich nie stillsitzen, rannte immer alles und jeden um, tat ständig Anderen ungewollt weh, wurde aber auch aggressiv, wenn ich wegen meines ständigen Fehlverhaltens sozial einfach keinen Fuß auf den Boden
bekam. Da ich aus einem Akademikerhaushalt stammte kam ich aber nicht in die Sonderschule, sondern wechselte von Privatschule zu Privatschule.

Niemals glaube ich, dass ich Opfer irgendeiner hirnorganischen Störung war oder bin. Vielmehr hat mich eine stark gestörte familiäre Sitution in Verbindung mit einigen Umzügen aufgerieben. An den Neurosen laboriere ich noch heute. Wäre meine Herkunft eine andere gewesen, man hätte nicht gezögert mich als "verhaltensgestört" einzustufen; eine Vokabel die von meinen Eltern häufiger einmal auf Kinder aus wenig priviligierten Verhältnissen angewandt wurde. Sicherlich wird eine gewisse Prädisposition bei mir vorgelegen haben, anders Veranlagte hätten vielleicht anders reagiert. Aber ein etwas harmonischeres
Umfeld, geprägt von gegenseitigem Respekt und ein wenig mehr Sicherheit und Geborgenheit, hätten sicher das Schlimmste verhüten können.

Ich verfüge über keinerlei Fachkenntnisse, erkenne mich aber so stark wieder in den Kindern mit der Diagnose ADS und weiss, mein damaliges Elend vor Augen, dass diese Kinder nicht aus sich selbst heraus krank sind sondern die Umstände unter denen sie leben müssen sie krank gemacht haben. Vielleicht gibt es auch wirklich ein paar Kinder mit so etwas wie ADS, alle
mir bekannten mit dieser Diagnose jedoch leiden unter etwas ganz Anderem....

Ironischerweise erlebte ich dann als junge Erwachsene unter dem Einfluss eines Amphetamindervats das mindestes so bekannt ist wie Ritalin:Ectasy zum ersten Mal unbeschwerte gelingende soziale Interaktion. Tatsächlich konnte ich die neu gewonnene soziale Sicherheit auch dann aufrechterhalten wenn ich nicht unter dem Einfluss der Droge stand, ganz so wie man es sich auch für Ritalin u.A. bei den ADS-Kindern erhofft. Die Rechnung liess allerdings nicht allzu lange auf sich warten. Nach einiger Zeit löste sich die vermeintliche Freiheit in einer Amphetaminpsychose auf, deren Verarbeitung mich viele Jahre beschäftigt hat. Meine Skepsis gegenüber der heilenden Wirkung von Amphetamin und Konsorten kennt daher keine Grenzen.

Viele Grüße
Marie
13.6.2003

GEWISSENSFRAGE 11
Wie sehen Sie es?
Ein Psychopharmakum, das "wirkt", beweist, das das problematische Verhalten durch eine Störung des chemischen Gleichgewichts verursacht wurde.
Ich stimme zu 19 20,88 %
Ich weiss es nicht 19 20,88 %
Ich stimme nicht zu 53 58,24 %
Gesamtbeteiligung: 91  

Diese auch wissenschaftlich schwierige These hat verständlicherweise jeder 5. Teilnehmer nicht beantworten können. Die Mehrheit konnte ihr aber nicht zustimmen, und diese Ansicht vertreten wir hier ja bekanntermaßen auch. Auch wenn ein sog. "chemisches Ungleichgewicht" vorgelegen haben mag, beweist dies eben nicht eine Verursachung. Das Ungleichgewicht kann nicht die Ursache, sondern die Folge anderer (Umwelt-)Faktoren sein. Auch Umweltfaktoren verursachen chemische Ungleichgewichte.

Café Holunder 6/2003

Aha!!!

Im stern konnte man dieser heissen Sommerlochtage die kühne These des bekannten Psychiaters G. Teschke lesen: Hitler war ein Zappelphilipp!
Nachdem aber nur ungläubiges Kopfschütteln und genervte Langeweile die Reaktion darauf waren, veröffentlichen wir hier erstmals und zur Unterstützung der These ein bisher unbekanntes Jugendbild Hitlers, das eindeutig beweist: Teschke hat Recht!


Ulli
22.6.2003

 


Das ruhelose Kind

Der renommierte Frankfurter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Dozent an der Universität Frankfurt Dr. Frank Dammasch, leitender Mitarbeiter am Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Hessen, berichtet in einem sehr interessanten Beitrag in der aktuellen Zeitschrift "Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie" über seine psychoanalytische Therapie eines "typischen" ADHS-Kindes. Unter dem Titel: "Er weiss nicht, wo er anfängt und wo er aufhört" stellt er seine psychotherapeutische Erfahrung mit dem 7jährigen Tom zur Diskussion, der auch ihn fast zum Verzweifeln gebracht hätte. Er fasst seine Fachmeinung schließlich wie folgt zusammen:

"Zusammenfassende Thesen

1. Die Diagnose ADS/ADHS wird zu leichtfertig gegeben. Die verbreitete falsche Verteilung und Annahme des Diagnoseetiketts ADS verweist zum einen auf eine Abwehr der Eltern, die Genese der Störungen ihres Kindes in einem beziehungsdynamischen Kontext zu sehen, zum anderen verweist es auf den Wunsch nach kollektiver organmedizinischer Beruhigung bei einem individuell beunruhigenden Kind. Auf der Seite der Medizin scheint die Verortung der kindlichen Hyperaktivität im genetischen Erbe des Patienten einer biologistischen Komplexitätsreduktion zu entsprechen, die es auf professioneller Ebene ermöglicht, die kinderpsychiatrische und psychotherapeutische Unterversorgung der Kinder pharmakologisch zu verdecken.

2. Wie wir insbesondere bei Rita sehen konnten, basieren Symptome der Hyperaktivität häufig auf manischen Abwehrversuchen früher Verlust-oder Trennungserfahrungen. Die körperliche Bewegung hat hier einerseits die Funktion, das Weiterleben durch die körperliche Aktivierung der Vitalitätsaffekte zu sichern, und andererseits wird in der permanenten Vorwärtsbewegung die Angst vor der regressiven Wiederholung des traumatischen Verlusterlebnisses im Zaum gehalten

3. Die ADHS-Diagnose mit Medikation wird in der großen Mehrzahl auf Jungen angewendet. Hierbei könnte die Bedrohung durch die nach außen gerichtete typisch männliche Verbindung von Motorik und Aggression als zentral störendes Element erlebt werden, das eine pharmakologische Ruhigstellung erfordert. Die latente Gleichsetzung der Stimulation von Penis und Körper zur Abwehr der als weiblich empfundenen Passivität scheint hierbei eine Rolle zu spielen. Während das gewaltsame Eindringen in andere Räume bei Jungen mit Hyperaktivitätsstörungen besonders ausgeprägt scheint, lenken Mädchen ihre Aggressivität in weniger sozial auffälliger Weise häufiger direkt gegen den eigenen Körper.

4. Der aktuelle Disput, ob bei ADHS eine physiologische oder eine psychologische Genese angenommen werden muss, entkräftet sich durch die neurobiologische Hypothese, dass ähnlich der Entwicklung des psychischen Apparates die neuronalen Strukturen des Gehirns sich auch nachgeburtlich aufbauen im interaktiven Wechselspiel von physiologischem Erbe und Umwelterfabrung. Baut sich zum Beginn des Lebens die Organisationsstruktur des Gehirns gebrauchsabhängig auf, so werden die neuronalen Bewegungen auch im späteren Leben durch Beziehungserfahrungen beeinflusst. Dies bedeutet, dass letztlich auch eine langfristig verändernde Psychotherapie Einfluss auf die Struktur der chemischen Prozessabläufe im Gehirn haben wird. Der Mensch ist gleichzeitig ein biologisches und soziales Wesen

5. Die Gabe von Ritalin kann im gut diagnostizierten Einzelfall die von den Eltern empfundene Spirale des hilflosen Ausgeliefertseins an das unerträgliche Ausagieren ihres Kindes, die reaktiven Bestrafungen und das darauf folgende Schuldgefühl unterbrechen helfen. Dies kann wieder Hoffnung entstehen lassen, dass positive Veränderungen möglich sind. In einer Psychotherapie geht es darum, die phasenweise notwendige Beruhigungsfunktion des Ritalin durch den Aufbau der Mentalisierungsflihigkeiten des Ichs wieder zu ersetzen. Insbesondere sollte der Therapeut auf den sekundären Krankheitsgewinn und den Einbau der Medikation in die Abwehr von Patient und Eltern achten. Die psychotherapeutischen Veränderungsmöglichkeiten hängen bei diesem Störungsbild insbesondere von der Fähigkeit der Eltern zur Mitarbeit ab.

6. Die Genese der Störungen des ruhelosen Kindes sehe ich in einem frühen spezifischen Defizit beim mütterlichen Containment bei fehlenden Kompensationsfähigkeiten durch den Vater. Im beschriebenen Fall hat die unberechenbare diffuse emotionale Abwesenheit der Mutter ein Beziehungsmuster im Patienten gebildet, das durch die Notwendigkeit der permanenten Stimulation von Selbst und Objekt gekennzeichnet ist. Nur das stimulierte Objekt ist ein anwesendes Objekt. Die Stimulation des Körpers selbst wird quasi zum primären Mutterersatz. Der stimulierte phallische Körper hilft dabei, depressive Ängste und die Angst vor dem Fallen im unbegrenzten Raum abzuwehren."
(zit. Dammasch, Analyt. Kinder- u. Jgdl.-Psych. 118, 2/2003, S. 181-182).

Meine kurzgefasste Meinung: Sehr nachdenkenswert und wieder mal von einer ganz anderen als der langweiligen und viel zu engstirnigen schulmedizinisch-biologistischen Sichtweise!

Preiser
30.6.2003

 

So sehen es die Kinderpsychotherapeuten:

Die Wahrheit über Michel aus Lönneberga

Der Heilpädagoge und Kindertherapeut Henning Köhler hat in einem sehr gut besuchten Vortrag die Fachansicht der Kindertherapeuten zum Modethema ADHS sehr gut und allgemeinverständlich zum Ausdruck gebracht. In seinem Buch "War Michel aus Lönneberga aufmerksamkeitsgestört?" hat er diese Position ja bereits sehr ausführlich und überzeugend ausgeführt.

Mein Urteil: Unbedingt empfehlenswert!

Claudia
12.7.2003

GEWISSENSFRAGE 12
Wie ist Ihre Meinung?
AD(H)S ist eine körperliche Erkrankung?
Ja 22 20,00 %
Unsicher 15 13,64 %
Nein 73 66,36 %
Gesamtbeteiligung: 110

Café Holunder
20.7.2003

Sensationell:
Indianer-Gen entdeckt!

Ein "gewisser Michael Garnatz" schreibt auf seiner chronisch Absatz- und Bermuda-Dreieck-geschädigten (aber ansonsten nicht uninteressanten, wenngleich mittelalterich-prangersüchtigen - H.-R. Schmidt geniesst dort den Status eines Aussätzigen - ) website "hypies" (sic!) Folgendes:

""Auf den Café-Holunder-Seiten (www.ads-kritik.de) des Psychologen H.R. Schmidt geht es ähnlich zur Sache:
   "Und wieso die Defizite der ADSler damals und heute für einen Jäger hilfreich sein sollen, ist vollends unerfindlich, ja geradezu hanebüchen. Dass es für einen Jäger vorteilhaft sein soll, ungeduldig, unkonzentriert, impulsiv und von verzerrter Zeitvorstellung zu sein, wird auch dann nicht einleuchtender, wenn Hartmann diese Defizite positiv umformuliert bzw. beschönigt."

Man möchte ohne weiter Umschweife antworten, dass ein im Reservat seiner eingeborenen Lebensweise beraubter  Indianer in betrunkenem Zustand den besten Hinweis darauf gibt, dass Indianer tatsächlich ausgesondert werden müssen, damit sie mit ihrer unkontrollierten Alkoholsucht den weißen Mann nicht beim Jagen stören"".

Soweit Herr Michael von den "Durchgeknallten" (=meine Übersetzung von "hypies"). Wenn man seine Argumentation ernst nimmt, gibt es offenbar ein Indianer-Gen (entsprechend dem auch von ihm propagierten "ADHS"-Gen). Bei seiner rührenden, aber sehr dünnen Verteidigung des eitlen Tausendsassas Thom Hartmann übersieht er leider, dass Hartmann an eine genetische Verursachung von ADHS glaubt (auch in seinem nächsten Büchlein, das Herr Michael nebst Gattin ja gerade bienenfleissig und vollkommen uneigennützig übersetzt). Dass Indianer im Reservat aber an ihrer genetischen Ausstattung leiden würden, und nicht an ihrer umweltbedingten Entwurzelung und kulturellen Traumatisierung, das lässt nur den hochinteressanten Schluss zu: Es gibt ein Indianer-Gen.

Wussten Sie das? Ich nicht. Glauben Sie das? Ich auch nicht.

Ulli
24.7.03

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