Willkommen im CAFÉ HOLUNDER
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ADS-Bücher: Kritisch
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Ritalin: Ein folgen-
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Aus der Sicht unserer
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Das Verschwinden der Mädchen von der
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Gibt es ein Bisschen ADS?

Exklusiv: Die HÜTHER-Studie

Das Anlage-Umwelt-
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Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!

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Fragiles X-Syndrom

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Familie und ADS

Alternative Sichtweisen bei ADS

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1

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ADS-KRITIK
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Liebe Gäste,
wieder steht ein aktuelles Thema an:

§ 35 a
Ein Paragraf und sein Missbrauch

Zur Lage
Überall im Lande klagen die Jugendhilfeträger über die explodierenden Kosten in Verbindung mit dem § 35 a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). In den
Medien wird über Sozialmissbrauch im Zusammenhang mit diesem Paragrafen geschimpft. Ausgerechnet besonders gut und sehr gut verdienende Eltern bedienen sich mit seiner Hilfe beim Steuerzahler, um ihre angeblich verzogenen Kinder auf teure Privatschulen wie z.B. die HEBO-Schule in Bonn-Bad Godesberg (s.u.) schicken zu können, wird behauptet.

§ 35 a des KJHG verschafft Kindern und Jugendlichen, die "seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht" sind, einen individuellen Leistungsanspruch beim Jugendhilfeträger. Früher waren solche Leistungen der sog. Eingliederungshilfen dem § 39 des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) und damit dem überörtlichen Sozialhilfeträger zugeordnet gewesen. Das KJHG hat diese frühere Aufteilung, derzufolge "Verhaltensstörungen" und "Dissozialität" dem Zuständigkeitsbereich der Jugendhilfe, "seelische Behinderung" aber dem Sozialhilfeträger zugeordnet waren, beenden und eine jahrelange, unfruchtbare Abgrenzungsdiskussion beenden wollen. Eingliederungshilfen im Sinne dieses Paragrafen können stationär oder ambulant erfolgen. Sie können von einer Heimunterbringung bis zur außerschulischen Lese-Rechtschreibförderung reichen und in ambulanter Form auch in Erziehungs- und Familienberatungsstellen angeboten werden.

Diese lobenswerte Zielsetzung schaffte inzwischen allerdings neue Schwierigkeiten. Die gummiartige Formulierung einer "drohenden seelischen Behinderung" bietet sich zur Plünderung öffentlicher Kassen förmlich an. Vor allem die fehlende Eigenbeteiligung gut verdienender Eltern rückt die Eingliederungshilfe in ein zunehmend schiefes Licht. Eltern mit mehreren 100 000.- Euro Jahreseinkommen muss der Steuerzahler z.B. monatlich zusätzlich 2000.- Euro für ein Internat für Ihren schwierigen Sohnemann finanzieren. Meist reicht eine knappe ärztliche Bescheinigung, in der das Drohen einer "seelischen Behinderung" bestätigt wird. Eine Eigenbeteiligung sieht § 35 a nicht vor. Bundesweit sind die Kosten für Eingliederungshilfen so auf derzeit über 400 Millionen Euro angestiegen, Tendenz steigend. Aber auch andere Verschlimmbesserungen in diesem Teil des KJHG sind bemerkenswert: Berücksichtigt man, daß bei der Zuordnung der Eingliederungshilfe für "seelisch behinderte" Kinder und Jugendliche zur Jugendhilfe auf das bis dahin in § 39 BSHG enthaltene Kriterium der wesentlichen Behinderung verzichtet worden ist, so wird der Kreis der Anspruchsberechtigten erheblich erweitert: Auch Kinder und Jugendliche, die also nicht wesentlich behindert sind oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, haben daher einen Rechtsanspruch auf Eingliederungshilfe. Darüber hinaus verzichtet § 35 a KJHG auf die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit ("nicht nur vorübergehend") einer Behinderung, wie sie § 39 BSHG enthält. Daher besteht auch bei nur vorübergehenden bzw. vorübergehend drohenden "seelischen Behinderungen" ein Anspruch auf Eingliederungshilfe. Damit wird der Übergang zur Praxis der Erziehungsberatung sowohl hinsichtlich der Diagnostik wie auch in bezug auf Beratung und Therapie fließend und eine Zuordnung zu der einen oder anderen Rechtsgrundlage sehr willkürlich. In der Praxis wird dabei auch oft nicht entsprechend berücksichtigt, dass im Einzelfall eine (oft unmögliche) Abgrenzung vorzunehmen ist:

Krankheit, Behinderung und/oder erzieherischer Bedarf?
Die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft gilt dann im Sinne einer "seelischen Behinderung" als beeinträchtigt, wenn ihr die in §
3 DVO genannten seelischen Störungen zugrundeliegen:

1. körperlich nicht begründbare Psychosen,
2. seelische Störungen als Folge von Krankheiten oder Verletzungen des Gehirns, von Anfallsleiden oder von anderen Krankheiten oder körperlichen Beeinträchtigungen,
3. Suchtkrankheiten
4. Neurosen und Persönlichkeitsstörungen.

Diese Einteilung beruht aber auf einem veralteten psychiatrischen Diagnoseschema, das überdies nicht an Problemlagen von Kindern und Jugendlichen orientiert war. Deshalb ist von Kinderpsychiatern die Orientierung an neueren Klassifikationssystemen (lCD - 10; DSM IV) gefordert worden. Aber auch solche scheinbaren Modernisierungen lösen nicht das grundlegende Problem, daß nun eine Klassifikation der betroffenen Kinder und Jugendlichen nach drei unterschiedlichen Begriffssystemen erforderlich wird:

Eine "seelische Behinderung" ist zum Einen begrifflich gebunden an das Vorliegen einer seelischen Störung im Sinne einer Krankheit. Werden die Verhaltensauffälligkeiten, die zur Vorstellung eines Kindes oder Jugendlichen geführt haben, also als Krankheit diagnostiziert, so ergeben sich zunächst nur Ansprüche auf Krankenbehandlung nach § 27 SGB V, nicht auf Leistungen der Jugendhilfe. Führt die seelische Erkrankung aber zugleich oder konsekutiv zur Beeinträchtigung bei der Eingliederung in die Gesellschaft, so ist sozialrechtlich von einer Behinderung zu sprechen und es entsteht damit ein Anspruch auf Eingliederungshilfe. Viele der Auffälligkeiten und neurotischen Bilder, die Kinder oder Jugendliche präsentieren, wie z.B. Einnässen, Schlafstörungen, Schulleistungsprobleme, Ängste, Aggressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe können aber auch ein Anzeichen dafür sein, daß eine dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist, also ein erzieherischer Bedarf nach § 27 Abs. 2 KJHG und damit lediglich ein Anspruch auf Hilfe zur Erziehung besteht. Zwischen diesen unterschiedlichen Anspruchsgrundlagen sind klare Abgrenzungen in der Praxis aber meistens gar nicht möglich.

"ADHS" und 35 a
Besonders die Diagnose "ADS" bzw. "ADHS" entwickelt sich immer mehr zu einem Fass ohne Boden, in das alle möglichen und unmöglichen Probleme und Störungen von Kindern und Jugendlichen geschüttet werden. In den Jugendämtern sind regionale und überregionale Ärzte zunehmend namentlich bekannt, bei denen sich Eltern gezielt die ADHS-Diagnose holen, nicht selten auf der Basis eines Privathonorars und nach oberflächlichster Diagnostik. Private Nachhilfe-Einrichtungen und Schulen sowie ADHS-Elternverbände und -Selbsthilfegruppen schicken anfragende Eltern an solche Ärzte, um auf der Grundlage ihrer Diagnose vom Jugendamt (sprich Steuerzahler) eine schulische Nachilfe, eine außerschulische Lese-Rechtschreib- oder Rechnenförderung (die die zuständige Schule gemäß ministeriellem Erlass eigentlich in der Regel innerschulisch vorhalten müsste, dies aber oft nicht genügend tut), eine "ADHS"-Freizeitmaßnahme ("Jäger-Lager" etc.), einen "ADHS"-Elternkurs, eine "ADHS"-Eltern-Kind-Kur bis hin zu einer sehr teuren Spezialbeschulung bezahlt zu bekommen.

Jugendämter gehen deshalb immer mehr dazu über, eigene Gutachter zu beauftragen, um der Flut von Gefälligkeitsgutachten bzw. unqualifierten Stellungnahmen aller möglichen ADHS-Fachleute Herr zu werden. Vor allem die Abgrenzung von Krankheit, Behinderung und erzieherischem Bedarf muss aus der Sicht der Jugendämter in einem Gutachten genauer abgewogen werden. So ist es z.B. durchaus möglich, ADHS als medizinische Krankheit zu betrachten, bei der im Einzelfall noch keine Integrationsprobleme aufscheinen, so dass Jugendhilfe gar nicht in der Pflicht ist (sondern die Krankenkasse). Wenn aber psychosoziale Integrationsprobleme drohen oder bereits ausgeprägt vorhanden sind, ist es auch möglich, das Vorliegen einer medizinischen Krankheit zu verneinen und bei Vorhandensein einer gestörten Familiendynamik einen primären erzieherischen Bedarf festzustellen, dem im Rahmen einer Psychotherapie z.B. in einer Erziehungsberatungsstelle kostenlos entsprochen werden kann. Man kann den Standpunkt fachlich begründen, dass das angebliche Vorliegen einer ADHS allein keine seelische Behinderung (oder das Drohen einer solchen) bedeutet, sondern erst in Kombination mit familiären Milieufaktoren, deren psychotherapeutische Bearbeitung dann aber Priorität haben sollte. Wir kennen aber nicht wenige Familien, die solche Entscheidungen bzw. Empfehlungen heftigst ablehnen und lieber zum Verwaltungsgericht gehen, als ihre familiären Probleme wirklich ernsthaft familientherapeutisch anzugehen. Trotz in vielen Fällen jahrelanger vergeblicher "Odysseen" von einer Behandlung zur anderen haben sie bisher meist keine Gelegenheit gefunden oder nützen können, ihre eigene Verwicklung in die Probleme ihres Kindes familientherapeutisch zu verstehen.
Dann soll es eben nicht selten § 35 a bringen.

H.-R. Schmidt
24.2.2004

Aktualisierung:
Am 8.
7.2005 hat der Deutsche Bundesrat wesentliche Neuerungen zum § 35a SGB VIII beschlossen, denen vorher bereits der Bundestag zugestimmt hatte (im Rahmen von KICK: Kinder- u. Jugendhilfe-Erweiterungsgesetz). Danach wird von Eltern ab sofort eine Kostenbeteiligung verlangt, mit der sie sich an Privatbeschulungen und damit verbundenen Internats- und Heimunterbringungen ihrem Einkommen entsprechend werden beteiligen müssen. Gutachtliche Stellungnahmen bei (drohender) seelischer Behinderung dürfen nur noch von einem begrenzten Kreis von Fachleuten erstellt werden (Kinder- u. Jugendpsychiater, Kinder- u. Jugendlichenpsychotherapeut, Psychologischer Psychotherapeut oder Arzt mit langer einschlägiger fachlicher Erfahrung) und müssen sich an die Diagnoseregeln des ICD 10 halten.

H.-R. Schmidt
1.9.2005

 
GEWISSENSFRAGE 19
Wie sehen Sie es?
AD(H)S ist die Abkürzung für
eine Hirnfunktionsstörung 38 25,33 %
ein Sammelsurium verschiedenster anderer Diagnosen 61 40,67 %
eine spezielle Verhaltensstörung ohne organische Ursache 11 7,33 %
ein Deckmantel für unerkannte seelische Probleme 17 11,33 %
etwas, das hier nicht aufgeführt ist. 23 15,33 %
Gesamtbeteiligung: 150

Nur noch jeder Vierte hält das Kürzel ADHS für eine Hirnfunktionsstörung, während 41 % darin ein Sammelsurium verschiedenster anderer Diagnosen sehen. Immerhin 15 % sehen in ADHS etwas, das hier nicht aufgeführt ist. Was wohl? Leider wurde danach ncht gefragt.

© Café Holunder 2/200

 

Mit den Augen des Kindes

Erstes Beispiel:
Eine Mutter beklagt sich heftig über ihren 9jährigen Sohn: Er mache seine Hausaufgaben nicht regelmäßig, obwohl sie täglich neben ihm sitze und in Absprache mit der Lehrerin alles kontrolliere. Sohnemann müsse in der Schule täglich aufschreiben, was an Hausaufgaben anfalle, und die Lehrerin kontrolliere dies ihrerseits. Und trotzdem schaffe es der Sohn immer wieder, keine oder falsche Hausaufgaben zu machen, trotz Ritalin morgens und mittags. Sie sei völlig ratlos.
Zweites Beispiel:
Wieder beklagt eine Mutter ("...mit den Nerven völlig fertig") das Verhalten ihres Sohnes, der Wutanfälle bekomme, keine Freunde finde, nicht mit ihr rede, nicht nach Hause komme, lüge und stehle. Auch sie sei völlig ratlos und erhoffe sich im Internet Medikamenten-Tipps.

In "ADHS"-Internetforen finden wir unzählige derartige Beispiele, denen eines gemeinsam ist: Die Mütter fragen nur danach, ob und wie sie die Probleme mittels Psychopharmaka in den Griff bekommen könnten. Sie fragen, ob ihr Kind vielleicht unter- (selten über-) dosiert sei oder das Medikament durch ein anderes ersetzt werden sollte. Sie sind nämlich überzeugt davon, dass ihr "ADHS-Kind" medizinisch krank ist und vordringlich medikamentös behandelt werden muss. Wenn das Verhalten ihres Kindes nicht wunschgemäß ist, kann es aus ihrer Sicht nur am Medikament und seiner Anwendung liegen. Deshalb fragen sie natürlich erst gar nicht, wie sie das Verhalten ihres Kindes vielleicht verstehen könnten, um dann für Abhilfe sorgen zu können.

Sie fragen nicht, ob das Verhalten ihres Kindes vielleicht etwas zu tun haben könnte mit ihrem Erziehungsstil, mit ihrem Familienklima, mit ihrer Ehekrise oder ihren wirtschaftlichen Problemen, mit ihrer Scheidung, mit ihren eigenen psychischen Störungen... Sie fragen einfach immer nur nach einem Medikament. Und ansonsten sind Sie vollkommen ratlos!

Und diese Einstellung wird von den anderen Forenteilnehmern, denen es genau so geht, dann ausgiebig gefördert. Niemand käme auf die Idee, nach solchen Familienfaktoren und wie sie sich subjektiv aus der Sicht eines Kindes darstellen, zu fragen. Alle ergehen sich in ziemlich leichtfertigen und pseudokompetenten medikamentösen Ratschlägen und verallgemeinern ihre eigenen völlig subjektiven sog. "ADHS"-Probleme. Bestenfalls schimpft man auf Lehrer oder Erzieherinnen. Aber vor der eigenen Haustür darf absolut nicht gekehrt werden.

Was man so schmerzlich vermisst ist der ernsthafte Versuch, die Sicht des Kindes ein- und ernst zu nehmen. Was bewegt den Sohn wirklich, die Mutter und die Lehrerin bei den Hausaufgaben zu unterlaufen? Was bewegt den Sohn wirklich, mit Wutanfällen und Weglaufen zu reagieren? Es ist einfach unzulässig und verantwortungslos, solche Einfühlungsversuche mit der Ausrede zu unterlassen, das Kind sei einfach nur krank und brauche bloß ein passendes Medikament. Die derzeitige "ADHS"-Szene macht sich schuldig an unseren Kindern, weil sie es unterstützt, dass sich Eltern gar nicht mehr in ihre Kinder einfühlen, sich selbst dabei nicht hinterfragen und in ihrem eigenen Verhalten die Sicht des Kindes nicht angemessen wirksam werden lassen.

MfG Dörte
28.2.2004

 

Null Bock ist hausgemacht
HIRNFORSCHUNG:
Kinder brauchen Vorbilder, sagt der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther

Unser Kommentar: Auch viele (nicht alle) Schwierigkeiten unserer Kinder, die sich gegenwärtig unter der Diagnose "ADHS" wiederfinden, haben in inner- und außerfamiliären (frühen bzw. langanhaltenden) Beziehungsproblemen ihre tiefere psychologische Ursache. Wann nimmt die offizielle ADHS-Funktionärsszene (aber nicht nur die) diese ziemlich alte Erkenntnis endlich ernst? Solange dies nicht geschieht, wird unseren Kindern weiterhin massiv Unrecht getan, wenn man sie leichtfertig für medizinisch krank und deshalb für medikamentös behandlungsbedürftig erklärt.

Preiser
4.3.2004

 
GEWISSENSFRAGE 20
Was ist Ihre Meinung?
ADHS ist eine von der Pharmaindustrie erfundene Krankheit
Ja 111 52,86 %
Vielleicht 6 2,86 %
Nein 93 44,29 %
Gesamtbeteiligung: 210    

Die Mehrheit der Teilnehmer ist der Meinung, ADHS sei eine erfundene, also aus verschiedenen Interessen hauptsächlich der Pharmaindustrie heraus ausgedachte und nicht wirklich existente Krankheit. J. Blech hat offensichtlich eine ganze Menge Fürsprecher!

© Café Holunder 3/2004

 

AD(H)S ist überholt
oder: Die Wiedergeburt von MCD

Wenn man die AD(H)S-Geschichte einige Jahre zurück verfolgt, stößt man unweigerlich auf das Vorgängerkonzept MCD (Minimale zerebrale Dysfunktion), seine seinerzeitige massenhafte Propagierung und kritiklose Alltags-Übernahme, und seinen sang- und klanglosen Untergang als Folge der Untersuchungen von M.H. Schmidt u. Esser (s.u.). Diese Forscher haben sich nicht allein auf Studien mit Inanspruchnahme-Populationen (also klinische Fälle), sondern vor allem auf Stichproben aus der Normalbevölkerung konzentriert, um den fehlenden Syndromcharakter und die fehlende Validität der Diagnose bzw. Störung überzeugend zu begründen. Dies hatte zur Folge, dass diejenigen Kliniker, die bisher schon immer an diesem Konzept gezweifelt hatten, sich bestätigt fühlen konnten und endgültigen Abschied davon nahmen. Eine andere Gruppe von Forschern und Klinikern aber sann seither sozusagen auf "Rache" bzw. auf die Wiedergeburt ihrer Überzeugung von einer einheitlichen körperlich begründbaren Krankheit bzw. Störung bestimmter kindlicher Verhaltens- und Entwicklungsprobleme. Wenn man den folgenden bereits klassischen Artikel von M.H. Schmidt noch einmal in aller Ruhe studiert (es lohnt sich wirklich!) und jedesmal für das Kürzel MCD das Kürzel AD(H)S (bzw. für den Begriff minimale zerebrale Dysfunktion die Umschreibung Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) einsetzt, wird sehr deutlich, dass das AD(H)S-Konstrukt u.a. den Versuch einer Wiedergeburt des MCD-Konstrukts -sozusagen durch die genetische Hintertür- darstellt. Während M.H. Schmidt noch warnend auf die häufige und falsche Gleichsetzung von MCD und HKS (Hyperkinetisches Syndrom) hinwies, wirft man heute AD(H)S und HKS wahllos in einen Topf.

Es wird hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern und man wird mit der gleichen Methodik, wie sie Schmidt und Esser bei MCD angewendet haben, auch bei AD(H)S begründen können: AD(H)S ist überholt. Die Parallelen springen ja förmlich ins Auge. Fragt sich nur, was danach kommt!

Hier nun der unverändert sehr lesenswerte Beitrag

H.-R. Schmidt
12.3.2004

 

Hans-Reinhard Schmidt
Ist AD(H)S eine Neurose?

Der Begriff Neurose stammt aus dem Jahr 1776 und wurde damals von dem schottischen Arzt W. Cullen geprägt. Ursprünglich galten Neurosen als sog. funktionelle Nervenkrankheiten ohne organischen Befund. Von Anfang an war dabei fraglich, mit welcher Berechtigung man von Krankheit sprechen kann, wenn keinerlei organisch lokalisierbare oder sonstwie körperlich festzumachende Schäden zu finden sind. Von Anfang an war aber auch klar, dass es sich bei diesen Störungen dennoch um Krankheiten handeln könnte, denn das Nicht-Finden einer organischen Ursache beweist ja nicht á priori ihr Nicht-Vorhandensein. Die Wissenschaft kann ja einfach noch nicht in der Lage sein, solche vorhandenen organischen Ursachen zu entdecken. Auf jeden Fall war aber auch von Anfang an deutlich, dass die betroffenen Menschen leiden und ihnen die Zubilligung einer Krankheit eine psychosoziale Entlastung im Sinne einer Freisprechung von persönlicher Schuld oder Verantwortung bringen sollte. Das kennen wir auch heute bei AD(H)S sehr gut.

So galt vor nun bereits 100 Jahren die Neurasthenie oder allgemeine Nervenschwäche nicht nur als weit verbreitete Krankheit, sondern auch als allgemeiner Ausdruck der modernen, unruhigen Zeit, der kulturellen Überreizung des geistig überbeanspruchten Nervensystems. Die damals populäre Wochenschrift "Gartenlaube" veröffenlichte jährlich bis zu vier Beiträge zu diesem Thema. Soziale und kulturelle Reformen, wie die Abschaffung der Sonntagsarbeit, das Recht auf einen Kuraufenthalt oder die Verkürzung der Schulunterrichtszeit wurden im Zusammenhang mit der Neurasthenie diskutiert. Die Neurasthenie war dabei eine typische Mittelschichtkrankheit. Während sich die "Gartenlaube" des Themas intensiv annahm, veröffentlichte der damalige "Simplizissimus" stattdessen lediglich vielfältige Angebote von allen möglichen Heilmitteln gegen die besagte Krankheit. Die Analyse dieser Anzeigen zeigt, welch vielfältige Störungen bereits damals unter den Begriff "Neurasthenie" zusammengefasst wurden. So wurde z.B. der "vorzeitige Orgasmus" des Mannes als "Männer-Nervenschwäche" diagnostiziert, als Schwäche des männlichen Sexualorgans, gegen das alle möglichen Medikamente helfen sollten. Auch diese Denkweise erinnert deutlich an unsere heutige "AD(H)S".

Nachdem sich aber bis heute bei Neurosen keine ursächlichen körperlichen Störungen finden ließen, bleibt es das Verdienst von S. Freud und seiner Psychoanalyse, ein damals wie bis in unsere Gegenwart neues und revolutionäres Konzept der Neurose im Sinne einer erworbenen (gelernten) Verhaltensstörung entwickelt zu haben, das sich nicht mehr unter den bisherigen biologischen Krankheitsbegriff subsumieren ließ. Seither geht man davon aus, dass eine Neurose durch die entwicklungsabhängig misslungene Verarbeitung starker (plötzlicher oder chronischer) Affekte entsteht (wobei der Umkehrschluss nicht zulässig ist).

Das gegenwärtige AD(H)S-Konstrukt wiederholt aus meiner Sicht die Geschichte der Neurose. Angefangen bei der Vorstellung einer biologischen Krankheit, über das Konzept einer Störung der Selbstbeherrschung (Barkley) reduzieren sich Diagnostik und Syndromatik derzeit immer mehr auf eine reine Verhaltensdiagnostik und -beschreibung bei Ausschluss körperlicher Ursachen. Wenn AD(H)S also praktisch eine Verhaltensstörung ist, was unterscheidet sie dann von der klassischen Neurose?

Interessanterweise gibt es hierzu -soweit mir bekannt- noch keinerlei Forschung. Dabei liegen die Parallelen deutlich auf der Hand. Nach wie gilt es zwar als strenges AD(H)S-Dogma, dass die Störung nicht durch Erfahrungen oder Umwelteinflüsse verursacht sei (sie sei sogar ursächlich "erziehungsunabhängig!"), ein überzeugender wissenschaftlicher Beleg hierfür steht aber völlig aus. Wenn man sich auf den kleinen Anteil von Kindern mit Hirnreifestörungen und funktionellen Entwicklungsstörungen beschränkt, die es unter den heute mit "AD(H)S" titulierten Kindern zweifelsohne gibt und die eher unter den früheren Terminus MCD gefallen wären (s.o.), mag die These der Erziehungsunabhängigkeit sogar teilweise zutreffen; für die überwiegende Mehrheit der so titulierten Kinder trifft sie aber keinesfalls zu, wie jeder Kliniker fast täglich beobachten kann.

Wir haben hier einmal eine kleine, nicht repräsentative und eher spielerische Umfrage gemacht, bei der die Teilnehmer einige Fragen zu ihrer neurotischen Tendenz (á la Eysenck) beantworteten. Ausserdem gaben sie an, ob sie mit AD(H)S diagnostiziert waren (bzw. ob sie zumindest davon überzeugt waren, dass die Diagnose auf sie zuträfe) oder nicht. Das Ergebnis war eindeutig (Teilnehmer am 23.6.2003: 43/33): Teilnehmer mit AD(H)S erzielten klar erkennbar höhere Neurosewerte als Teilnehmer ohne AD(H)S. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei AD(H)S und Neurosetendenz um identische Phänomene handelt.

Intro-/Extraversion, Neurose und ADHS:
Wenn man die beiden klassischen und empirisch sehr gut erforschten, voneinander unabhängigen Persönlichkeitsdimensionen "Intro-/Extraversion" und "Neurotizismus" (Eysenck) heranzieht, fällt auf, dass die AD(H)S-Symptomatik sehr gut auf Menschen zutrifft, die gleichzeitig extravertiert und neurotisch sind (das "Träumerle" wäre demzufolge ein introvertierter und neurotischer Mensch). Der Grad der Störung wird hier jeweils durch die Neurosetendenz bestimmt; Intro-/Extraversion beschreiben für sich betrachtet lediglich unterschiedlicheTemperamente/Interessen/Wahrnehmungsstrukturen.

Wenn hier ein(e) Student(in) mitliest: Wie wäre es mit einer Diplomarbeit zu diesem Themenkreis? Letztes Jahr hat es schon mal jemand versucht, bekam aber nicht genug erwachsene AD(H)Sler zusammen, was sich wahrscheinklich inzwischen geändert haben könnte...

Meine These: Der AD(H)Sler ist der moderne Neurotiker.

(Siehe auch den sehr guten Beitrag im Deutschen Ärzteblatt)

H.-R. Schmidt
22.3.2004

 

Neues vom Zappelphilipp: Brille auf, Brille ab

Wer Gegensätze liebt und aushält, sollte sich beide Bücher zur kindlichen Hyperaktivität auf seinen Nachtschrank legen und abwechselnd darin lesen. Das große ADHS-Handbuch hat der englische Experte Russel A. Barkley vorgelegt. Es gehört unter das Kopfkissen all jener, die schon immer davon überzeugt waren – oder sich gern davon überzeugen lassen – dass ADHS eine klar umschriebene, eindeutig diagnostizierbare, genetisch bedingte, und deshalb nur medikamentös behandelbare Erkrankung darstellt.

„Es geht heute nicht mehr darum Schuldige zu finden – ADHS ist primär genetisch bedingt und kann medikamentös beeinflusst werden!“, verkündet bereits ein Hinweis auf dem Titelbild. „Na also“, denkt sich der geneigte Leser „endlich bringt einer Klarheit in diese verworrene ADHS- und Ritalindebatte“, blättert noch ein wenig in dem sehr übersichtlich aufgebauten und verständlich geschriebenen Leitfaden herum, freut sich über klare Handlungsanweisungen und Fallbeispiele – und schläft zufrieden ein.
Als Kernproblem der Zappelkinder nennt Barkley einen behandlungsbedürftigen Mangel an Selbstbeherrschung. Aber obwohl dieser eklatante Mangel an Selbstbeherrschung nach Barkley primär genetisch bedingt sein soll und daher durch Erziehungsmaßnahmen eigentlich nicht zu ändern ist, erteilt er dennoch seitenweise Ratschläge, was Eltern und Lehrer tun sollten, um dieses Defizit zu überwinden. Wenn all das nichts hilft, wäre da noch die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Diese beschreibt Barkley erstaunlich kurz und knapp, aber didaktisch wohl bedacht genau dort, wo man sie sich am besten merken kann, am Schluss.


Für den nächsten Abend bietet sich das Kontrastprogramm "Kinder mit gestörter Aufmerksamkeit" dreier Professoren an. Der Sozialmediziner Hartmut Amft und die beiden Heilpädagogen Manfred Gerspach und Dieter Mattner wollen „das Thema und Problem als genuin pädagogisches wieder in den Mittelpunkt stellen“. Sie bemängeln: „ADS wird heute immer noch völlig undifferenziert als Krankheit bezeichnet, die es medikamentös zu behandeln gilt“. Ihr Buch ist höchstens halb so dick, aber doppelt so schwer zu verdauen wie die leichte Kost des Vorabends, denn hier wird dem Leser keine Brille aufgesetzt, sondern eine abgenommen. Dieter Mattner macht in seinem Beitrag über die Biologisierung abweichenden kindlichen Verhaltens deutlich, auf welche Weise ein Krankheitsbild wie ADHS von Medizinern geschaffen und – nicht zuletzt durch soche Handbücher wie das von Barkley – im öffentlichen Bewusstsein verankert werden kann. Hartmut Amft zeigt, dass es durchaus möglich ist, das Zappelphilippsyndrom aus medizinischer Sicht zu betrachten, ohne ein klar umschriebenes und nur medizinisch behandelbares Krankheitsbild daraus zu machen. Dieses Kapitel ist gewissermaßen die Antithese zu Barkleys Handbuch. Es endet daher auch nicht mit dem Hinweis auf medikamentöse Behandlungen, sondern mit der sehr berechtigten Frage, ob Hyperaktivität bei Kindern unter Umständen nichts weiter ist, als das Symptom einer kranken Gesellschaft. Was Eltern und Lehrer für solche problemanzeigenden Kinder tun können, fasst Manfred Gerspach in seinem Beitrag mit einem Satz zusammen: Die Kinder verstehen lernen, und die Welt verändern, in die diese Kinder hineinwachsen und in der sie sich zurechtfinden müssen.

Und spätestens jetzt wird auch deutlich, worin sich diese beiden Bücher über ein und dasselbe Thema so grundsätzlich unterschieden: Das erste ist mit kaltem Sachverstand für ratsuchende Eltern, das zweite mit besorgter Nachdenklichkeit über die gesellschaftlichen Verhältnisse geschrieben, die gestörte Kinder und ratsuchende Eltern hervorbringen.
Rasch einschlafen wird man nach dieser Lektüre wohl nicht können, aber bisweilen ist es ja auch ganz heilsam, wenn man auf Gedanken stößt, die zum Weiterdenken zwingen.

Gerald Hüther
(Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen. Sachbücher: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Vandenhoeck & Ruprecht 2001, Zusammen mit Helmut Bonney Neues vom Zappelphilipp. ADS: verstehen, vorbeugen, behandeln. Walter-Verlag 2002).

Russel A. Barkley: Das große ADHS-Handbuch für Eltern. Verantwortung übernehmen für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität. Huber, Bern 2002
Hartmut Amft, Manfred Gerspach, Dieter Mattner: Kinder mit gestörter Aufmerksamkeit. ADS als Herausforderung für Pädagogik und Therapie. Kohlhammer, Stuttgart 2002

aus: winfuture

 

Liebe Gäste, wir freuen uns sehr, Ihnen Barry Turner vorzustellen. Die deutsche Übersetzung seines englischen Beitrages steuert er selbst bei:

Barry Turner
BA MPhil., Department of Biological Sciences, University of Lincoln, UK

Beweisaufnahme: ADHS
oder:
Gibt es den Nikolaus?
Einige Fachleute bestreiten, dass es ADHS gibt. Ihnen wird vorgeworfen, verantwortungslos zu sein, wenn sie es zulassen, dass diese Krankheit zu wenig erkannt wird, und sogar verursachen, dass die Leidtragenden zur Selbstmedikation mit illegalen Drogen und Alkohol greifen. Wenn es nicht um die Tatsache ginge, dass das explosionsartige Diagnostizieren von ADHD und die Behandlung mit Stimulantien wie Ritalin  ( Methylphenidate ) die größte medizinische Katastrophe seit Thalidomid darstellt, wären diese Aussagen lächerlich.

Glauben die Hersteller solcher Aussagen wirklich, dass die Millionen, die Exstasy (MDMA) und andere illegale Substanzen nehmen, die dem Ritalin ( Methylphenidate) sehr ähnlich sind, - in Tausenden von Nachtlokalen jedes Wochenende - sich selbst mit Medikamenten behandeln, wobei und weil sie eigentlich nicht richtig untersucht worden sind ? Wie kann ein medizinischer Wissenschaftler sagen, dass eine „Krankheit" zu wenig erkannt wird, auf Grund welcher Daten ?

Es gibt absolut keinen Grund, warum jene, die gegen den Mythos sind, ADHS sei eine Krankheit, diese Position rechtfertigen müssen. Die Sache ist klar. Den Beweis antreten müssen jene, die die Position beibehalten, dass ADHS eine Krankheit ist. Dieser Beweis jedoch muss auf Daten beruhen, die unter experimentellen Bedingungen gesammelt werden, so dass sie von objektiven Wiederholungsstudien bestätigt werden können.

Ein Nachweis beruht auf drei Elementen: Dem offensichtlichen (autoptic) Beweis, der zusammenhängt mit materiellen oder physikalischen Anhaltspunkten wie chemischen Rückständen oder Fingerabdrücken. Dem direkten Beweis, der durch
einen Zeugen oder Experten vorgelegt wird, und dem Indizienbeweis, die schwächste Beweisart von allen.

Der Autoptic-Beweis wird von den Sinnen wahrgenommen und wird gewöhnlich „wirklicher" Beweis genannt. Bei Krankheiten ist dieser Beweis immer vorhanden. Bei Karzinomen erbringen Biopsien den Nachweis von Zellmutationen, bei
kardio-vaskulären Krankheiten können nekrotische Muskelgewebe, arterielle Beläge oder verkalkte Arterien beobachtet werden.  Bei ansteckenden Krankheiten können die Pathogene, welche die Infektionen verursachen, gesammelt und identifiziert
werden. Der Nachweis ist dort für alle medizinischen Profis zu sehen. Nicht so bei ADHS.

Ein direkter Beweis ist das, was ein Augenzeuge oder ein Experte an eigenen, direkten Beobachtungen beschreibt. Was sagen die Experten ?

ADHS könnte (vielleicht?) genetisch sein.... niemand hat dieses als logisch und notwendig nachgewiesen, indem er identifiziert hat, welches Chromosom dieses mangelhafte Gen hat, und warum der Defekt dort ist. Sind blaue Augen, übrigens genetisch festgelegt, deshalb eine Krankheit ?

ADHS beruht vielleicht (wieder) auf biochemischen Ungleichgewicht.... Nicht ein einziges Beweisstück existiert, das darauf hinweist. Tatsächlich: Wo biochemische Ungleichgewichte vorgeschlagen werden, gibt es wieder einen beachtlichen Mangel an empirischem Beweis, um die Theorie zu unterstützen (empirisch bedeutet, dass es wiederholt, geprüft, gemessen, verifiziert werden kann ).

ADHS ist vielleicht (und wieder) erblich: Genau wie die unberechtigte Behauptung einer „Genetik", ist dies bestenfalls unabsichtlich und im schlimmsten Fall absichtliche Irreführung. Kriminelles Verhalten sei auch Vererbung, kriminelle Väter haben öfter kriminelle Söhne ( und Töchter ).  Das Verhalten wird gelernt und ebenso wie musikalische Eltern musikalische Kinder  und sportlich begeisterte Eltern sportliche Sprösslinge hervorbringen, ist dies kein Beweis für Genetik oder erbliche Ursachen. Es sollte bekannt sein, dass chinesische Kinder dazu neigen, chinesisch zu sprechen, wenn sie in China aufwachsen. Jene, die von westlichen Eltern adoptiert wurden und nach Amerika geholt worden sind, haben zum Beispiel noch nicht spontan angefangen, chinesisch zu sprechen, weil dies für sie erblich oder genetisch bedingt wäre. Sprache wie Verhalten werden gelernt.

Was ist mit der schwächsten Art des Beweises, dem Indizienbeweis ? Ah, endlich haben die ADHS-Verfechter etwas. Kinder benehmen sich schlecht und treiben sich herum, sie sind trotzig und sind schnell gelangweilt. Naja, sie haben es immer so gemacht. Die Umstände dieses „anomalen" Verhaltens suggerieren diesen ADHS-Beobachtern, dass etwas falsch ist, das Kind muss „krank" sein. Es sollte zu ihnen gebracht werden, damit dem Kind geholfen werde; sie sind es, die ADHS-Beobachter, die an „Beobachtungsungenauigkeit und Verzerrungskrankheit" leiden.

Was ist mit dem berühmten Vorschlag, dass diese Kinder „andere" oder kleinere Gehirne haben ? Gut, die Studien, die mit dieser Theorie ankamen, sehen gut aus, bis man sie fünf Minuten gelesen hat. Nach fünf Minuten wird der Leser merken, dass die Forschungskohorte in der Tat durcheinander ist, einige Kinder bekommen Medikamente, einige nicht. Einige der „normalen" Kinder sind mehrere Jahre älter als jene mit den kleineren Gehirnen. Die Statistiken laden zur gut bekannten wissenschaftlichen und bewährten Diskssion „Korrelationen sind keine Begründungen" ein. Dies ist die Art von Wissenschaft, die folgert, dass
Orangen verschieden sind von Avocados, weil Orangen weniger grün als Avocados sind. Diese „Wissenschaftler" sollten einfach einmal kosten, um sich aufklären zu lassen.

Die Sprache der ADHS-Lobby ist ein wunderbares Zeichen dafür, wie genau die Wissenschaft ist, die hier am Werke ist. „ADHD  ist vielleicht...." , „ADHS ist wahrscheinlich...." , „Studien zeigen...." , „Wissenschaftler glauben..."  Nicht  e i n Beweisstück existiert, um diese Gegebenheiten kategorisch in irgendeine Klassifikation von Krankheiten einordnen zu können.

Die drei Beweisarten, die oben erwähnt werden, sind wissenschaftlich klare Beweise. Sie sind das Material, mit Hilfe dessen dafür oder dagegen, sozusagen schuldig oder nicht schuldig entschieden wird. Es gibt aber noch eine Beweisart, die ausgelassen worden ist:

Ein Hörensagen-Beweis ist es, wenn aus zweiter oder dritter Hand berichtet wird. Sein Wert wird insofern schwerwiegend eingeschränkt, als er  nicht mit den normalen Methoden geprüft werden kann, die bei den anderen erwähnten Beweisen angewendet werden. Die Person, die berichtet, kennt die Tatsachen nicht, sondern nur die Beobachtungen, die ihr berichtet wurden. Einfach wie eine Connors-Einschätzskala für ADHS. Der kleine Johnny ist überaktiv, sagt der Lehrer. Geben Sie ihm Ritalin, sagt der Arzt. Der kleine Jimmy kann sich nicht auf seine Schularbeit konzentrieren, sagt der Lehrer. Geben Sie ihm Adderal, sagt der Arzt. Die kleine Sally benimmt sich schlecht in der Klasse, sagt der Lehrer. Geben Sie ihr Concerta, sagt der Arzt. Wie viele Ärzte verordnen ihren Patienten Insulin, weil ihr Nachbar berichtet, dass er gesehen habe, wie viel Wasser sie tränken, und hörten, dass ihre Füße oft prickeln ?

Wenn die ADHS-Verfechter vor Gericht angeklagt würden, weil sie der Welt diese Geißel aufgedrückt haben, würden sie bestimmt fordern, dass die Anklage eindeutige Beweise beibringen muss, bevor man sie verurteilt.  Und dann wäre eines sicher: sie würden heftig über Rechtsmissbrauch klagen, wenn man sie nur wegen Indizien- und Hörensagenbeweisen verurteilen würde. Welche Ironie, das im Fall eigener Betroffenheit eine zu dünne Beweislage genügen würde, sie frei zu sprechen, während sie gleichzeitig auch nur auf Grund von Hörensagen und Indizienbeweisen Kindern und sogar Kleinkindern süchtigmachende und gefährliche Medikamente geben.

Wir, die wir hier gegen diesen unerhörten Missbrauch medizinischer Wissenschaft opponieren, müssen unsere Position nicht rechtfertigen. Wir müssen keine Beweise liefern, dass ADHS nicht existiert, genau so wenig, wie wir einen Beweis liefern müssten, dass der Nikolaus nicht existiert. Die Verfechter müssen diese Fragen beantworten:

   §  Was ist die Ätiologie von ADHS ?
   §  Wo ist der harte Beweis (objektiv, wissenschaftlich und empirisch bestätigt)?
   §  Wenn es eine Krankheit ist, warum sucht eigentlich niemand eine Heilmethode ?

Aus Mangel an überzeugenden Antworten auf diese Fragen ist ADHS nur ein Glaubenssystem, wie der Glauben an Feen oder Nikolaus, keine Krankheit oder irgendeine andere Art von medizinischer Veranlagung.
 

The author is a Lecturer in Legal Studies in Forensic Science in the Department of Biological Sciences, University of Lincoln, United Kingdom, Criminal Litigator and Mental Health Law Consultant

Barry Turner
Barry Turner

© Café Holunder
29.3.2004

 

Fernsehen macht Kleinkinder unruhig
"...Die Autoren der
Studie, Dimitri Christakis vom Kinderkrankenhaus Seattle und Kollegen, verglichen das Verhalten siebenjähriger Schulkinder mit den Angaben ihrer Mütter über den Fernsehkonsum in Vorschuljahren. Dabei kam heraus, dass Kinder mit dem häufigsten TV-Konsum unter jenen zehn Prozent der Schulanfänger wiederzufinden waren, die die meisten Probleme mit Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe hatten. Einige von ihnen litten auch unter dem so genannten Zappelphilipp-Syndrom (ADHD)..."


Hubert Geue
6.4.2004

 

Mutterliebe und ADHS
Niedriges Geburtsgewicht z.B. bei Frühgeborenen steht bekanntlich im Zusammenhang mit späteren ADHS-Symptomen. Tully LA, Arseneault L, Caspi A, Moffitt TE, Morgan J. vom Institut für Psychiatrie des King´s College, London, fanden nun bei ihrer
Untersuchung von über 2200 Zwillingen einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen "mütterlicher Wärme" und diesem Einfluss des Geburtsgewichts auf spätere ADHS-Symptome. Die Hälfte der Kinder hatte weniger als 2500g Geburtsgewicht gehabt. Eltern und Lehrer stuften ADHS-Symptome der Kinder ein. Mütterliche Wärme wurde anhand von Videoaufzeichnungen ihrer Beschreibungen der Kinder bewertet. Außerdem wurde der IQ der Kinder gemessen. Der Einfluss des niedrigen Geburtsgewichts auf spätere ADHS war bei denjenigen Kindern, deren Mütter im Merkmal "mütterliche Wärme" hoch abschnitten, bedeutsam geringer als im umgekehrten Fall.

Für den IQ ergab sich kein solcher Zusammenhang. Aber was ADHS anbelangt, legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass mütterliche Wärme den Einfluss eines geringen Geburtsgewichts auf eine spätere ADHS bedeutsam mildert, und dass anhaltende mütterliche Wärme die Verhaltensprobleme unter den immer häufigeren Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht verhindern kann.

Mutterliebe entscheidet also darüber, ob von Geburt an körperlich entwicklungsschwierige Kinder später ADHS entwickeln. Wieder mal ein deutlicher Beleg für die Erziehungsabhängigkeit von ADHS.

H.-W.
7.4.2004

 

Antidepressiva erhöhen das Selbstmordrisiko bei Kindern - Pharmaindustrie verheimlicht Studien
Wie die Pharmaindustrie und mit ihr die FDA der USA geschäftsschädigende Forschungsergebnisse verheimlicht, obwohl die Selbstmordgefahr für medikamentös behandelte Kinder um das Zweifache ansteigt, zeigen die aktuellen aufschlussreichen Vorgänge um Antidepressiva in den USA und Großbritannien, die Lawrence Diller beschreibt:

Lawrence Diller, M.D.
Ärzte im Dunkeln gelassen

Wegen der steigenden Selbstmordtendenz durch die Einnahme von Antidepressiva wie Prozac gab die Food and Drug Administration (FDA), USA, diese Woche eine offizielle Warnung heraus. Die Hersteller von Prozac und fast allen anderen Antidepressiva, die in unserem Land eingenommen werden (Paxil, Zoloft, Wellbutrin, Effexor, Celexa, Lexipro), müssen im Beipackzettel einen diesbezüglichen neuen Warnhinweis einfügen. Dieser Vorgang ist der vorläufige Höhepunkt zehnjähriger Bemühungen, Licht in die möglichen Gefahren dieser Medikamente zu bringen.

Der neue Warnhinweis macht Ärzte und Patienten darauf aufmerksam, dass in den ersten Tagen und Wochen einer Behandlung Nebenwirkungen wie Erregung, Panik, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit und schwere Ruhelosigkeit vorkommen können, die allesamt zu einem steigenden Selbstmordrisiko beitragen. Ähnliche Befürchtungen bezüglich Prozac sind bereits vor über 10 Jahren mit einem Ansturm sogenannter "Expertenaussagen" industriell bezahlter Forscher und finanziell großzügig gekaufter Betroffener und ihrer Familien in US-Gerichten niedergeschlagen worden.

Wenn es nicht Ausländer, vor allem britische Ärzte gegeben hätte, die den Nutzen medikamentöser Behandlungen von Depressionen bei Kindern skeptischer bewerteten, hätten wir das Wissen über Antidepressiva heute wahrscheinlich noch gar nicht. Die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency, Englands FDA, gab letzten Sommer zunächst eine Warnung vor Paxil und Effexor heraus. Im Oktober wurden dann alle als SSRIs bekannte Antidepressiva, mit Ausnahme von Prozac, verboten, nachdem USA-Studien gezeigt hatten, dass sie bei der Behandlung kindlicher Depressionen nicht wirkten, dass sie aber mit 200prozentig erhöhter Wahrscheinlichkeit, verglichen mit Placebos, zum Selbstmord führten.

Die britische Entscheidung veranlasste die FDA, im Februar eine Anhörung durchzuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten nur 3 von 7 zum SSRI-Gebrauch bei kindlicher Depression durchgeführte und veröffentlichte Studien eine im Vergleich zu Placebos positive Wirkung gezeigt. Bei der Anhörung erfuhren Ärzte und Patienten, dass die FDA weitere 8 Studien verborgen gehalten hatte, die ebenfalls keinerlei positive Wirkung gezeigt hatten und nie veröffentlicht worden waren. Die Pharmafirmen hatten diese Studien gemäß der "pädiatrischen Regel" veranlasst, der zu Folge sich ihre Patente für diese Medikamente um 6 Monate verlängern. Die Firmen waren allerdings gesetzlich nicht verpflichtet, diese Studien zu veröffentlichen, und deshalb blieben sie im Dunkeln, bis uns die Entscheidung der britischen Regierung auf sie aufmerksam machte.

Bei der Anhörung plädierten sogar Forscher und Hochschulpsychiater, die sonst als Verfechter einer medikamentösen Behandlung von Kindern wohlbekannt sind, für Transparenz bei Forschungsergebnissen. Wie können Ärzte sensible Entscheidungen treffen, wenn die meisten Studien dem öffentlichen Urteil entzogen sind? Die Pharmafirmen entgegneten, die Studien seien ihr persönlicher Privatbesitz und eine Veröffentlichung würde ihrem Produkt und ihren Aktionären schaden.

Das ökonomische Interesse der Firmen schließt obendrein jede systematische Kontrolle der medikamentösen Langzeitwirkung aus, sobald ein Medikament von der FDA erst einmal zugelassen ist. Die meisten Studien, die von der FDA als Beleg verlangt werden, umfassen lediglich wenige Monate. Einmal zugelassen können diese Medikamente für immer verwendet werden, für welchen Zweck auch immer ein Doktor sie für geeignet hält. Die Pharmafirmen haben wenig Anlass zu überprüfen, ob ihre Medikamente noch Jahre später wirken. Und es kann jahrelange bestimmungsgemäße Anwendung dauern, bevor Nebenwirkungen entdeckt werden, die mit dem Medikament einhergehen.

Anscheinend haben nur Rechtsanwälte ein persönliches Interesse an der Langzeitwirkung von Medikamenten. Das gegenwärtige Verbrauchs-Kontrollsystem ist sowohl für die Gesellschaft, die die gesetzlichen Kosten auffängt, als auch für die geschädigten Patienten teuer, bis einmal genügend öffentliches Interesse oder ökonomischer Druck dazu führen, dass Hersteller ein Medikament ändern oder vom Markt nehmen. Fast 80 % der Teilnehmer an einer Umfrage auf meiner website erklärten sich bereit, mindestens 1 % Zuzahlung auf ihre Medikamente zu zahlen, um damit unabhängige, systematische pharmazeutische Langzeitstudien zu finanzieren.

Die Entscheidung der FDA, eine Warnung vor Antidepressiva herauszugeben, ist eine Rechtfertigung, obgleich viel zu späte "bittere Pille" für diejenigen Familien, die ein Kind durch Selbstmord verloren haben, weil es mit etwas behandelt wurde, das nicht besser gewesen sein mag als ein Placebo. Wie viele weitere Kinder müssen noch an fragwürdigen Medikamenten sterben, bis unsere Regierung die nötigen Schritte unternimmt, um die "kranke" Regulierung unserer pharmazeutischen Industrie zu heilen?

(Washington Post vom 24.3.2004)

Übersetzung: H.-R.Schmidt
17.4.2004

Siehe auch zu diesem Thema:
Alec´s Geschichte
Zeitzeugen 15
ADS & Co: Braucht mein Kind Medikamente?
Ritalin: Ein folgenschwerer Irrtum?
Ritalin: Die verkannte Gefahr


 

Frag´ Dr. van den Haag!
Frau Prof. Dr. mult. Luise Wonne-Proppen aus W. fragt heute: "Herr Doktor, hilfe,
aber woran erkenne ich ein fake ?"

Dr. van den Haag antwortet:
Liebe Frau Prof. Dr. mult. Luise Wonne-Proppen aus W.:
Es gibt ja bekanntlich Zeitgenossen, die nicht wirklich ehrliche Botschaften in Internetforen verbreiten. Sie tun nur so. Und wenn man drauf reinfällt, ist man selberin schuld. Also ist es sehr wischtisch, ein Auge (oder drei) für fakes (sprüsch: fe-ix bzw. fäix bzw. fäääks. Ach, sprich es wie du willst!) zu haben. Für Kurz- oder Weitsichtige deshalb hier einige meiner existenziellen Tipps:

Ein fake liegt sicher vor,

1. wenn ein Posting mit schlauen Sprüchen oder sog. Lebensweisheiten untermauert wird. Wenn jemand z.B. regelmäßig anmerkt: "Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist", muss es sich unzweifelhaft um ein
fake handeln. Welcher Mensch sonst würde dem Leser sowas raten? Man könnte den Hals doch besser mal waschen! Oder wenn jemand anmerkt: "Zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf", muss es sich auf jeden Fall um ein fake handeln, denn diesen Satz zitiert schließlich der verhasste Prof. Hüther in jedem seiner Vorträge;

2. wenn jemand behauptet, es sei längst widerlegt, dass Ritalin Parkinson macht. Dass es Parkinson macht, ist natürlich noch nicht bewiesen, aber widerlegt ist es erst recht nicht. Es muss sich einfach um ein fake handeln, denn niemand sonst würde sowas behaupten;

3. wenn jemand auf die Frage, ob Methylphenidat (z.B. Ritalin) bei gleicher Dosierung wie Kokain wirkt, gar nichts antwortet. Diese Nicht-Antwort ist mit Sicherheit ein fake;

4. wenn jemand seine Postings immer betont sachlich und höflich beginnt ("...ich teile mit meiner vollen Zustimmung Ihre interessante Ansicht, dass...") und dann, je länger das Posting geht, umso mehr die Selbstbeherrschung verliert ("...solltest du erst mal Lesen lernen, was man ja wohl noch erwarten darf..."). Denn ein echter Poster hätte schließlich dank Ritalin seine Selbstbeherrschung voll im Griff; also: Fake!

5. wenn jemand auf ein Posting von einer Herta Wurst öffentlich damit droht, seine Wurstmaschine aus dem Keller zu holen. Es muss sich um ein fake handeln, denn andererseits wäre es selbstverständlich wegen seelischer Grausamkeit gelöscht worden. (Wer hat heute außer Metzgern außerdem solch Maschine im Keller? Fällt das nicht unter das Waffengesetz? Oder handelt es sich um die Verfilmung des Schockers "Herta 3: Die Wurst schlägt zurück"?);

6. wenn jemand behauptet, es sei bewiesen, dass ADHS eine biologische Krankheit ist. Kein vernünftiger Mensch (mit Ausnahme der arg darniederliegenden Pharmaindustrie und einiger weniger, aber umso bekannterererer Fachleute, die davon leben) würde das behaupten. Also: Fake!

7. wenn jemand das Angebot eines Posters, einen Presseartikel über ADHS zu schreiben, für ein fake erklärt. Wahrscheinlich handelt es sich zwar wirklich bei Ersterem um ein fake (denn welcher Journalist, der noch alle Sinne beieinander hat, geht da dran), aber bei Letzterem liegt gleichzeitig auch ein fake vor (sog. paradoxes Doppelfake), weil hier ein Fiesling aus Angst, es könnte sich um einen seriösen Journalisten handeln, einen guten Presseartikel über ADHS verhindern will;

8. wenn jemand behauptet, ADHS würde sich deshalb verbreiten, weil sich ein einflussreicher Psychiater dafür einsetzt. Das muss einfach ein fake sein, denn biologische Krankheiten führen sich ja nicht ein, nur weil ein Psychiater dies so wünscht. Solche Krankheiten sollten eigentlich wissenschaftlich objektiver begründet sein.

9. wenn jemand behauptet, in England seien SSRIs für Kinder (Antidepressiva) verboten worden, und in den USA müsste in den Beipackzetteln ein Warnhinweis auf erhöhte Selbstmordneigung eingefügt werden. Das muss ein fake sein, denn genauso argumentiert Scientology.

10. wenn jemand behauptet, ich hätte mich die letzten Wochen mit Teneriffaarbeit aufgehalten. Das muss ein fake sein, denn Handarbeit liegt mir eigentlich gar nicht.

Ulli
21.4.2004

 

Die Hälfte aller Kinder, die "Ritalin" nehmen müssen, haben gar keine ADHS!
Nur jedes 3. Kind mit ADHS braucht Medikamente. Mindestens einmal jährlich sollte ein Auslassversuch gemacht werden / Medikament dient nicht der Leistungssteigerung


HAMBURG (ugr). Wird bei Kindern die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität (ADHS) gestellt, ist in etwa 30 Prozent der Fälle eine Therapie mit Methylphenidat notwendig. Diese Meinung hat Professor Manfred Döpfner von der Klinik für Kinderpsychiatrie der Uni Köln bei einer internationalen ADHS-Konferenz in Hamburg vertreten.

Aus Amerika wissen wir, daß es bei einem Besorgnis erregend hohen Anteil von Kindern, die Methylphenidat einnehmen, keine Hinweise auf ADHS gibt. Dieser Anteil liegt einer Studie zufolge bei 50 Prozent." Für Deutschland gebe es keine vergleichbaren Zahlen. Doch Döpfner vermutet, daß auch hierzulande Kinder ohne ausreichende Diagnostik die gängigen Präparate Ritalin® oder
Medikinet® verabreicht bekommen.

Aus:
Ärzte Zeitung (Diesen Hinweis verdanken wir Hubert Geue).

Wir möchten der Überschrift die Frage hinzufügen:
Und vor allem: Wer kümmert sich um sowas?

Sie erinnern sich vielleicht, was mir Prof. Döpfner zu diesem Thema bereits
2001 mitteilte:

Lieber Herr Schmidt,
Kompliment, Sie lesen genau. Nach unseren Studien benötigt 1/3 der Kinder, bei denen wir mit VT beginnen, zusätzlich Stimulanzien. Im weiteren Verlauf der Studie zeigte sich, dass noch einige Kinder später zusätzlich auf Stimulanzien eingestellt werden mussten, so dass 1/3 aller Kinder mit der Diagnose die Untergrenze darstellt und ein Spektrum von 1/3 bis 1/2 sicher eine gute Schätzung ist.

Mit freundlichen Grüßen!
Manfred Döpfner
Prof. Dr. sc. hum. Manfred Döpfner, Dipl.-Psych.
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des Kindes und Jugendalters der Universität zu Köln
Robert-Koch Str- 10, 50931 Köln


Aus diesen Angaben hatte ich damals auf 40 Prozent medikamentös behandelte "ADHS"-diagnostizierte Kinder getippt. In Hamburg teilte Döpfner demgegenüber mit, dass nur 30 Prozent das Medikament brauchen, dass also 70 Prozent der "ADHS"-diagnostizierten Kinder gar kein Ritalin brauchen, wenn sie vernünftig psychotherapeutisch behandelt werden. Und dass jedes zweite Kind, das mit "Ritalin" behandelt wird, gar keine "ADHS" hat.

Aus der Praxis meiner Erziehungsberatungsstelle schätze ich, dass nur 5 % der (meistens ziemlich willkürlich) "ADHS"-diagnostizierten Kinder bei umfassender (das psychosoziale Umfeld einbeziehender) systemischer Familientherapie zeitweilig medikamentöse Unterstützung brauchen. Döpfner sieht sicher einen insgesamt schwerer gestörten Patienten-Ausschnitt im Vergleich zu uns.

Das sind in der Tat erstaunliche Verhältnisse! Wieso hat immer noch niemand in Deutschland (wie in USA) die Gültigkeit der Diagnose "ADHS" wissenschaftlich im Alltag überprüft? Wie sieht es mit regelmäßigen Auslassversuchen aus? Dieser Begriff taucht in sog. Selbsthilfegruppen und -foren im Verhältnis zu anderen Themen praktisch überhaupt nicht auf. Warum werden Auslassversuche offiziell nicht empfohlen? Wenn man liest, was deutsche Kinderärzte in sog. Leitlinien vertreten, bestätigt sich unsere besorgniserregende klinische Erfahrung, dass eine Medikation angeblich zwingend sei, wenn "ADHS" (wie auch immer) diagnostiziert wurde oder wenn nur ein sog. "Leidensdruck" von Patienten vorliegt (was heißt das?). So allgemein, unklar und unspezifisch diese Leitlinien formuliert sind, so beliebig und unkontrolliert erscheint auch insgesamt die oft unbegründete und unkontrollierte, dennoch oft jahrelange Behandlung der Kinder mit fragwürdigen Psychopharmaka.

H.-R. Schmidt
28.4.2004

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