Willkommen im CAFÉ HOLUNDER
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ADS-Bücher: Kritisch
betrachtet

Ritalin: Ein folgen-
schwerer Irrtum

Aus der Sicht unserer
Kinder

Das Verschwinden der Mädchen von der
Bildfläche

Gibt es ein Bisschen ADS?

Exklusiv: Die HÜTHER-Studie

Das Anlage-Umwelt-
Problem

Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!

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Fragiles X-Syndrom

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Familie und ADS

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Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1

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Liebe Gäste!

willkommen in 2005! Und gleich mitten hinein in eine leider scheinbar unendliche Geschichte:

Besorgniserregende neue Forschungsergebnisse:
Ritalin verändert das Gehirn

Moll, Hüther u.a. machten den Anfang und fanden heraus, dass Methylphenidat im Tierversuch dauerhafte Hirnveränderungen bzw. -schädigungen erzeugt. Ihr Befund wurde später mehrmals repliziert. Dies und die daraus abgeleiteten Warnungen Hüthers vor möglicherweise frühzeitigem Parkinsonismus bei fälschlich mit Methylphenidat behandelten Kleinkindern lösten vor 4 Jahren einen starken Sturm in der Öffentlichkeit aus. Hüthers Veröffentlichungen im Café Holunder machten damals auch die Internet-ADHS-Welt sehr aufgeregt. Auch später haben wir uns immer wieder warnend mit den Wirkungen von Ritalin auseinandergesetzt und darauf hingewiesen, dass es nach wie vor keine kontrollierten Langzeituntersuchungen beim Menschen gibt, dennoch ca. 10 000 000 Kinder weltweit tagtäglich diese Psychopharmaka einnehmen, oft viele Jahre lang.

Die Zeiten, in denen solche Forschungsergebnisse öffentlich verbreitet und diskutiert wurden, sind aber offenbar vorbei. Derzeit wird lieber verdrängt, verleugnet, totgeschwiegen. Anders kann man es sich nicht erklären, warum "neue" (sie sind immerhin schon über ein Jahr alt) Forschungsstudien aus USA in unserer Öffentlichkeit praktisch nicht zur Kenntnis genommen werden. Diese verhehrende Vogel-Strauß-Politik wird voll und ganz auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen und ist deshalb ganz besonders verantwortungslos.

Die Befunde der neuen kritischen Tierstudien (mit Ratten) kommen aus renommierten USA-Hochschulinstituten, nämlich aus der Finch University of Health Sciences, Chicago; aus der Harvard Medical School and McLean Hospital, Belmont sowie aus der University of Texas, Dallas. In 4 Studien (Literaturangaben s.u.) konnten die Forschungsteams bei Übertragung der Befunde auf den Menschen die Vermutungen begründen, dass

  • Ritalin bei Kindern zu Depressionen und Stressanfälligkeit im Erwachsenenalter führt

  • Ritalin bei Kindern hirnmolekulare Veränderungen im Striatum bewirkt

  • Ritalin bei Kindern neuronale Veränderungen im Erwachsenenalter im Sinne einer erhöhten Suchtneigung verursacht

  • Ritalin bei Kindern zu bleibenden und dramatischen dopaminergen Hirnveränderungen im Erwachsenenalter führt.

Wie gesagt: Tierversuche vorerst. Die Forscher warnen deshalb erneut, dass die Folgen einer Ritalinbehandlung für das in Entwicklung befindliche kindliche Gehirn nach wie vor nicht direkt erforscht sind. Alles in allem verdichten sich die Forschungshinweise immer mehr, dass Amphetamine und ihre Derivate beim Menschen langfristig hirnverändernd bzw. -schädigend sind. Es soll keiner später sagen, er sei nicht gewarnt worden.

Literatur:

Carlezon WA Jr, Mague SD, Andersen SL: Enduring behavioral effects of early exposure to methylphenidate in rats. Biol Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1330-7.
Carlezon WA Jr, Konradi C.: Understanding the neurobiological consequences of early exposure to psychotropic drugs: linking behavior with molecules. Neuropharmacology. 2004;47 Suppl 1:47-60
Bolanos CA, Barrot M, Berton O, Wallace-Black D, Nestler EJ.: Methylphenidate treatment during pre- and periadolescence alters behavioral responses to emotional stimuli at adulthood. Biol Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1317-29.
Brandon CL, Marinelli M, White FJ.: Adolescent exposure to methylphenidate alters the activity of rat midbrain dopamine neurons. Biol Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1338-44
Brandon CL, Steiner H.: Repeated methylphenidate treatment in adolescent rats alters gene regulation in the striatum. Eur J Neurosci. 2003 Sep;18(6):1584-92.

H.-R. Schmidt
7.1.2005

 

Wie wirkt Ritalin?

Es gibt ein großes Geheimnis um die Wirkung von Ritalin. Immer wieder hört man den Spruch: „Wie Ritalin auf das Gehirn von ADS-lern wirkt, das wissen wir nicht.“

Weiß man es nicht oder will man es nicht wissen?

Ich habe mal zusammengetragen, was die Forschung schon weiß. Dabei habe ich insbesondere die Forschungen von Krause, Volkow und Hüther berücksichtigt:

Ritalin ist ein Psychostimulans, das auf das zentrale Nervensystem wirkt. Das zentrale Nervensystem besteht im Wesentlichen aus dem Gehirn. Es wirkt also nicht spezifisch auf einen Punkt des Gehirns gerichtet, sondern eher wie eine ungezielte „Dusche“. Ritalin aktiviert und verändert im Wesentlichen das sogenannte dopaminerge System, also die Wirkung des bei ADS besonders wichtigen Neurotransmitters Dopamin.

Ritalin setzt wie auch andere Psychostimulantien und auch Drogen im relativ „primitiven“ Stammhirn/Mittelhirn an (ventrales Tegmentum), wo die dopamin-produzierenden Nerven in besonderer Dichtheit vorhanden sind. Von dort aus gehen die „Strahlen der Dopamin-Dusche“ in drei Richtungen. Man nennt dies auch den Projektionsbaum, vergleichbar einem Baum, der seine Äste und Zweige in verschiedene Richtungen ausstreckt.

Erstens in Richtung des beim Menschen besonders hoch entwickelten Stirnhirns (des Präfrontalen Cortex), der für die Handlungsplanung, Motivation, emotionale Reaktionen und auch für die kritische Prüfung von impulsiven Handlungen zuständig ist.
Zweitens in Richtung des Limbischen Gehirnsystems, insbesondere zum Nucleus Accumbens, das für Gefühle, insbesondere für Belohnungsgefühle zuständig ist. Hier entstehen auch die angenehmen Gefühle nach einer Drogeneinnahme.
Drittens in Richtung des Hypothalamus und der Hypophyse, von wo aus das Hormonsystem des Körpers gesteuert wird. Über die HPA-Achse (Hypothalamus – Hypophyse – Nebennieren) werden auch Stress-Hormone bei Belastungen ausgeschüttet (Cortisol, Adrenalin).

Seine Wirkung entfaltet Ritalin wie auch z. B. Kokain durch eine Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin in die Präsynapse durch die Ausschaltung der Dopamin(rück-)transporter DAT (so Krause et al.). Dadurch wird plötzlich mehr Dopamin in den synaptischen Spalt ausgeschüttet, es erfolgt also zuerst eine Entleerung der abgebenden Nervenzelle von Dopamin. Man könnte sich das vorstellen wie bei einer Klospülung: Ritalin löst den hemmenden Stöpsel und der Inhalt des Spülkastens entleert sich. Ritalin entfaltet dann seine Wirkung, indem es die Sensibilität der nachgeschalteten Nervenzellen verändert. Dies alles geschieht ausschließlich durch die Pille – nicht wie normalerweise durch das Wahrnehmen eines äußeren oder inneren Reizes.

Dies findet aber nur dann statt, wenn Ritalin wie auch Kokain sehr plötzlich und in großer Menge im Gehirn ankommen. Wenn man Ritalin z.B. in großer Menge spritzen oder „sniffen“ würde wie Kokain (wovon abzuraten ist), dann würde sich ein „Kick“ oder „High“ einstellen.

Wenn Ritalin aber als Medikation bei ADS verwendet wird, dann fallen zwei Voraussetzungen weg, nämlich die der hohen Dosierung und der raschen Einnahme. Ritalin wird in kleinen Mengen geschluckt (oral eingenommen) und braucht lange Zeit, bis es über den Magen und den Darm über die Blutbahn zur Wirkung im Gehirn kommt. Es wird langsam in das Gehirn „eingeschlichen“ und erzeugt von daher keinen „Kick“ oder ein „High“. (so Vokow et al.)
Ritalin erzeugt nun durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin in die Nervenzelle einen Anstieg des Dopamins im synaptischen Spalt um das etwa 5-10fache. Das ist verhältnismäßig gering im Vergleich zu einem Dopamin-Anstieg von bis zum 1000-fachen, der durch starke Reize (emotionale Aufregungen) vom Mittelhirn selber erzeugt werden kann.
Dieser relativ geringe Dopamin-Anstieg setzt nun in der abgebenden Zelle (der Präsynapse) die sogenannten präsynaptischen Autorezeptoren in Tätigkeit (so Hüther). Diese reagieren auf den von der Pille bewirkten Dopaminanstieg, indem sie jede weitere Dopamin-Freisetzung auf Grund von äußeren oder inneren Reizen stoppen. Dadurch wird der ADS-Betroffene nicht mehr von äußeren oder inneren Reizen abgelenkt und kann sich in Ruhe auf eine Sache konzentrieren und seine Arbeit verrichten. Ein Schüler wird somit nicht mehr von den Bewegungen, dem Schwätzen der Mitschüler oder vom Geklappere ihrer Federmäppchen und dem Gescharre ihre Schuhe, aber auch nicht von seinen eigenen inneren Gedanken und Gefühlen („Tagträumereien“) gestört und kann sich besser auf den Lehrer oder auf den Hefteintrag konzentrieren.
So werden also durch die Wirkung von Ritalin sowohl die Außenreize als auch die störenden inneren Gedanken und Gefühle des Betroffenen gedämpft oder abgeschaltet.
Ritalin wirkt aber nun in gleicher Weise auf die Gehirne von Normalpersonen wie auch von ADS-Personen.

Weshalb wirkt es aber bei ADS-lern so besonders gut?
Das hängt damit zusammen, dass bei ADS-lern das limbische System sozusagen permanent am „Überkochen“ ist. Hier wird im Übermaß Dopamin produziert und ausgeschüttet und bewirkt einen überstarken Antrieb – und dieser Antrieb kann durch das bei ADS-lern vorliegende unteraktive und strukturschwache Frontalhirn nicht kontrolliert werden. Deshalb wirkt Ritalin auch bei ADS-lern in denjenigen Situationen am besten, wo ihr überstarkes Dopamin-System besonders hoch aktiviert ist – zum Beispiel in einem überfüllten und lauten Klassenzimmer. Ritalin bewirkt, dass diese Stör-Impulse nicht mehr zur nächsten Zelle weitergeleitet werden, sie werden einfach „abgeschaltet“ (so Hüther).

Das bringt einen Vorteil, aber auch einen Nachteil mit sich:
Der Vorteil ist die bessere Konzentration auf eine Sache für die Zeit von 3-4 Stunden. Danach muss allerdings die nächste Pille „eingeworfen“ werden, weil sonst der alte Zustand wieder eintritt.
Der Nachteil ist, dass mit Ritalin behandelte Kinder oftmals etwas starr, „zombiehaft“ erscheinen. Ihre ursprüngliche Originalität im Lösen von Problemen, ihr Einfallsreichtum und ihre Kreativität sind nicht mehr vorhanden.
Die Erforschung von Langzeitwirkungen von Ritalin auf den Menschen steht noch aus bzw. wird nicht in Angriff genommen – aber eine Reihe von Tierversuchen geben Anlass zu der Vermutung, dass Schädigungen des Nervensystems nicht ausgeschlossen werden können. Unter anderem könnte eine Entwicklung hin zu Depressionen oder Anhedonie stattfinden.

Kassandra
8.1.2005

 

Mahlzeit!
Nahrungsergänzung und ADHS

Ein heisses Eisen ist nach wie vor das Thema "Nahrungsergänzung" und ADHS. Einerseits berichten Fachleute und Eltern immer wieder von positiven Erfahrungen. Andererseits schimpft die Ritalin-ADHS-Lobby heftig über unseriöse Geschäftemacherei und fehlende Forschungsergebnisse. Jede Behauptung, es ginge auch ohne Ritalin, wird sehr polemisch zurückgewiesen, der Urheber als Scientologe und Quacksalber beschimpft.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben aber bisher bereits 8 biochemische Ursachen für "ADHS" gefunden:

  • Allergien gegen Nahrungsmittel und Zusatzstoffe
  • Blei- und andere umweltbedingte Vergiftungen
  • proteinarme und kohlenhydratreiche Diäten
  • Mineralstoffstörungen
  • Mangel an essentiellen Fettsäuren und Phosphorlipiden
  • Mangel an Aminosäuren
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Vitamin B-Mangel

In einer Studie fanden kürzlich USA-Forscher, dass ausgesuchte Nahrungsmittelergänzungen, die die Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle stärken, bei ADHS-diagnostizierten Kindern sogar genauso wirksam waren wie Ritalin in der Kontrollgruppe. Man sollte das Thema also sachlich und vorurteilsfrei betrachten. Es geht nämlich meistens auch ohne Ritalin.

Preiser
10.1.2005

 

Künstliche Lebensmittel-Farbstoffe machen Kinder hyperaktiv

Schab und Trinh gehen von der Annahme aus, dass die Zunahme von "ADHS" bei Kindern auf einen allgemeinen und weit verbreiteten Risikofaktor hindeuten könnte. Künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln könnten solch ein allgemeiner Risikofaktor sein, vermuten sie. Ihre Meta-Analyse vorliegender doppelblinder und Placebo-kontrollierter Studien zum Einfluss künstlicher Farbstoffe in Lebensmitteln auf hyperaktives Verhalten bei Kindern zeigte tatsächlich einen signifikanten Zusammenhang. Studien, die die Empfindlichkeit der Versuchspersonen für solche Zusätze unterschieden, zeigten die deutlichsten Effekte. Das heißt also, dass solche Lebensmittelzusätze nicht bei allen Kindern gleich wirken, sondern bei dafür empfindlichen Kindern besonders stark, bei anderen weniger. Woher diese unterschiedliche Empfindlichkeit rühre, müsse weitere Forschung ergründen.

Die Autoren gehen davon aus, dass ihre Analyse die neuropsychologische Schädlichkeit weit verbreiteter Chemikalien deutlich belegt, entgegen allgemeiner Voreingenommenheit gegen dieses Thema.

H.-R. Schmidt
21.1.2005

 

Sensationelle Entdeckung:

Der böse Wolf war ein ADSler!
Alle Rotkäppchen entsetzt!

Alte Volksmärchen enthalten oft bisher unerkannte wissenschaftliche Wahrheiten, die es zu entdecken gilt. Über die Kinderärztin Spallek, die kürzlich in einer Report-Mainz-Sendung als unrühmliches Beispiel für ADHS-Schnelldiagnosen und Frühmedikamentation vorgestellt wurde, schreibt nun eine Mutter in einem Forum:

"Sie sagt auch, sie sieht es den Kindern oft schon an ob sie ADS haben. Sie sagt, man sieht es z. B. an den Augen. Viele ADS Kinder hätten so kleine Augen. Das Lid geht bis zur Pupille. Mit Medis hätten die Kinder auf einmal ganz große Augen. Und in irgendeimen Thread hab ich mal gelesen, dass die Mütter schon an den Augen sehen, ob die Kinder ihre Medis in der Schule genommen hätten, oder nicht".

Damit haben wir endlich den biologischen Beweis dafür, dass der Wolf im Märchen vom Rotkäppchen unter ADHS litt und Ritalin schluckte. Denn hier fragt Rotkäppchen den als Großmutter verkleideten Wolf:
"Ei Großmutter, warum hast du so große Augen?"
Die überlieferte Antwort des Wolfes ist natürlich eine pure Ausrede. In Wirklichkeit hätte er eigentlich antworten müssen:
"Weil ich Ritalin geschluckt habe!"
Aber er wollte das liebe Rotkäppchen ja nicht unnötig erschrecken. Und wir wissen es ja sowieso!

Ulli
22.1.2005

 

"ADHS" und Hochbegabung (2)

Was man nach wie vor in einschlägigen Internetforen über angebliche Zusammenhänge zwischen "ADHS" und Hochbegabung liest, ist erstaunlich. Es hat sich bei Laien der Aberglaube verbreitet, Hochbegabung sei komorbid zu "ADHS", als seien viele "ADHSler" gleichzeitig hochbegabt, als seien sie besonders intelligente, "andere", kreative und verkannte Genies. Es gibt ja sogar ein eigenes Forum, in dem solche Mythen fleißig kolportiert werden. Einer schreibt dabei vom anderen ab, wobei alles wieder mal so unspezifisch ist, dass sich wie in einem guten Horoskop fast jeder spontan wiedererkennt und gleich selber diagnostizieren kann. Wir haben hier zu diesem Thema bereits berichtet.

Aber auch ganz unabhängig von "ADHS" grassiert sogar in Fachkreisen immer noch die allgemeine Überzeugung, Hochbegabung sei ein genereller psychosozialer Risikofaktor. Dabei liegt seit fast 5 Jahren eine bahnbrechende Untersuchung von D. H. Rost vor, die Fachwelt und Laien längst eines Besseren belehren müsste. In einer der bisher größten längsschnittlichen Studien über hochbegabte und hochleistende Jugendliche mit großen Stichproben und Kontrollgruppen, wie es für Studien solcher Art bisher unüblich war, erstellen die Autoren ein umfassendes und verallgemeinbares Bild von Hochbegabung (Marburger Hochbegabten-Projekt). Nicht wenige der in der Literatur zu findenden bisherigen Annahmen werden hier als unzulässige Verallgemeinerungen und platte Vorurteile entlarvt.

So erwiesen sich hochbegabte oder leistungsbeste Schüler als psychisch besonders belastbar und psychosozial verantwortungsbewusst. Sie waren in ihrer Peer-Gruppe und in der Schulklasse gut integriert und allgemein psychisch unauffällig. Im Gegenteil, sie schnitten bei Persönlichkeitseigenschaften oft sogar positiver ab als durchschnittlich begabte Schüler. Nirgendwo in dieser vorbildlichen empirischen Studie fand sich eine Bestätigung für die These, dass Hochbegabung ein psychosozialer Risikofaktor sei. Vielmehr erwies sich Hochbegabung als psychosozial begünstigender Faktor. Hohe Intelligenz erleichtert das Leben. Mir ist auch keine einzige Studie bekannt, die gezeigt hätte, dass in einer unausgelesenen Stichprobe von "ADHSlern" mehr als die in der Normalbevölkerung zu erwartendenen 1-2 Prozent Hochbegabte vorkamen.

Wenn einzelne Hochbegabte aber psychosozial auffällig werden oder scheitern, hat dies mit ihrer besonderen Intelligenz und Begabung nicht viel zu tun, es liegt auch nicht an einer sogenannten Krankheit "ADHS", sondern an ganz individuellen, familiären psychischen Belastungen, die Hochbegabte genau so stören, wie alle anderen, weniger intelligenten Kinder auch.

D.H. Rost (Hrsg.): Hochbegabte und hochleistende Jugendliche. Waxmann 2000.

H.-R. Schmidt
4.2.2005

 

 

Kanada verbietet Psychostimulanz
14 tote Kinder in USA!

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, hat es in USA 14 tote Kinder im Zusammenhang mit dem Stimulanz Adderall gegeben. Das Medikament, mit dem auch "ADHS" behandelt wird, wurde deshalb in Kanada (nicht in den USA!) vorerst verboten. Die USA-Zulassungsbehörde FDA, über deren skandalöses und nachlässiges Verhalten es letzte Woche bereits im SPIEGEL einen interessanten Beitrag zu lesen gab, muss sich gegen Vorwürfe wehren, sie hätte die kanadische Behörde beeinflussen wollen, ihr Prüfungsergebnis nicht zu veröffentlichen. Auch sieben Kinder, die mit Ritalin behandelt wurden, seien im gleichen Beobachtungszeitraum gestorben. Wie ein FDA-Sprecher hierzu ausführte, sei bei diesen Fällen aber unklar, ob Ritalin wirklich die Todesursache war.

Erschreckende Zustände! Ob die ADHS-Gemeinde das wieder einfach ignorieren oder schönreden wird?

Werner
13.2.2005

 

Bindungsstörungen und "ADHS"

Jacobvitz u.a. überprüften die Annahme, dass frühe familiäre Bindungsstörungen zwischen Vater, Mutter und Kind spätere Störungen wie Angst, Depression oder "ADHS" vorhersagen helfen. Sie untersuchten dieselben Familien mit Kindern zunächst im Alter von 24 Monaten und später im Alter von 7 Jahren und fanden signifikante Zusammenhänge zwischen frühen innerfamiliären Beziehungsstörungen und den besagten späteren Störungen, wobei Jungens häufiger mit "ADHS", Mädchen häufiger mit "Depression" diagnostiziert wurden.

Auch diese Studie belegt also wieder eindrucksvoll, dass "ADHS" keinesfalls unabhängig von familiären Beziehungsstörungen betrachtet werden darf, wie es die Schulmedizin leider immer noch tut, indem sie "ADHS" als erziehungsunabhängige körperliche Störung betrachtet. Die Studie liefert ein weiteres deutliches Indiz für die Erkenntnis, dass familiäre Beziehungsstörungen die eigentliche Ursache für die spätere Auffälligkeit namens "ADHS" bzw. "Depression" ausmachen. Andere Studien, die in dieselbe Richtung deuten, wurden hier ja schon wiederholt vorgestellt. Es ist aus meiner Sicht schon seit langem und unabhängig von "ADHS" offenkundig, dass Jungens auf innerfamiliäre Beziehungsstörungen eher mit externalisierenden, Mädchen eher mit internalisierenden Verhaltensstörungen reagieren. Die sogenannten "Träumerle" oder "Hypos" sind also in Wahrheit überwiegend reaktiv-depressive Mädchen. Und die Jungens reagieren schon immer mit Opposition, Aggression und Leistungsverweigerung.

Mit einer angeblich organisch bedingten Krankheit "ADHS" hat alles also überhaupt nichts zu tun. Man braucht das als Konstrukt nicht. Im Gegenteil: es lenkt nur zum Schaden unserer Kinder ab von den wirklichen Ursachen: den familiären Beziehungsstörungen. Seelisches Leid wird hinter angeblich körperlicher Krankheit versteckt, es wird medizinalisiert und damit einer körperorientierten Pseudotherapie ("Ritalin") zugeführt.


Den Kinder wird damit eindeutig und in großem Umfang weltweit geschadet.

Jacobvitz D, Hazen N, Curran M, Hitchens K.:
Observations of early triadic family interactions: boundary disturbances in the family predict symptoms of depression, anxiety, and attention-deficit/hyperactivity disorder in middle childhood.
Dev Psychopathol. 2004 Summer;16(3):577-92

G. Schumann
22.2.2005

 

Wussten Sie schon, dass

es "Ritalin" schon gab, bevor "ADHS" dazu erfunden wurde? Es begann alles damit, dass der Pharma-Chemiker L. Panizzon im Jahre 1944 rein zufällig Methylphenidat entdeckte, wovon seine Frau Rita naschte und die belebende Wirkung lobte, weswegen der Stoff dann auch "Ritalin" getauft wurde. Man hatte also nicht ein Medikament für eine bereits existierende Krankheit gesucht, sondern zufällig einen Wirkstoff gefunden, von dem man noch gar nicht recht wusste, wofür er zu gebrauchen sein könnte.

K. Conners und L. Eisenberg gaben dann später einfach mal so Dexedrine, einen verwandten Wirkstoff, an zwei Schulklassen mit farbigen Unterschichtkindern in Baltimore, USA. Und siehe da: das ansonsten nervige und rüpelhafte Verhalten der Schüler "normalisierte" sich auffallend. Es war ein Mittel gefunden, das Verhalten der Kinder an Ghetto-Schulen chemisch zu beeinflussen. Man bemerke: Es lagen nicht irgendwelche medizinischen Diagnosen bei den Kindern zugrunde. Es waren einfach verhaltensschwierige Ghetto-Kids, deren Sozialverhalten chemisch angepasst werden sollte, anstatt an ihren chronisch traumatisierenden psychosozialen Verhältnissen etwas zu verbessern.

So gut und unschön! Denn immer noch hatte man keine richtige "Krankheit" gefunden, gegen die das Mittelchen helfen sollte. Denn dass man lediglich verhaltensschwierige, womöglich noch psychosozial geschädigte Kinder so einfach mal nur medikamentös ruhigstellte, wollte natürlich niemand akzeptieren. Das war und ist ein Kunstfehler, ein Tabubruch, eine moderne Art der Kindesmisshandlung. Also musste man endlich eine richtige medizinische Krankheit finden, denn anders ließ sich das Mittelchen nicht erfolgreich vermarkten. Zunächst verfiel man auf den Trick zu behaupten, dass Kinder eben krank seien, wenn das Mittel bei ihnen wirkte, wenn nicht, waren sie einfach gesund. Man nannte die Krankheit zunächst "funktionelle Verhaltensstörung", was die FDA aber bald untersagte, weil es zu unspezifisch war. Prompt wurde das Leiden umbenannt in "minimale zerebrale Dysfunktion (MCD)", was sich aber wissenschaftlich auch als Luftbuchung erwies. Daraufhin geisterte das Syndrom "hyperkinetische Störung" durch Kindergärten und Schulen, bis der amerikanische Psychiatrieverband 1987 endlich das Kürzel "ADHS" erfand. Und auf diesem Milliarden-Psychopharmakamarkt leben wir jetzt gerade, bis sich endlich zeigen wird, dass auch dies eine Luftbuchung ist. Aber mit welchen psychophysischen Langzeitfolgen für die inzwischen "therapierten" Kinder?

Nachzulesen und zu vertiefen ist dies alles im SPIEGEL-Dauerbestseller "Die Krankheitserfinder: Wie wir zu Patienten gemacht werden" von Jörg Blech, Fischer-Verlag, erweiterte Auflage 2005, € 8.90.
Unbedingte Pflichtlektüre für kritische Köpfe, sagt

MfG Dörte
25.2.2005

 

Alarmierend: Macht "Ritalin" Krebs?

Eine neue Studie der University of Texas (M.D. Anderson Center in Houston und Medical Branch at Galveston) an 12 Kindern, die mit Methylphenidat behandelt wurden, hat ein Aufsehen erregendes Ergebnis erbracht:
Bei allen Kindern wurde schon nach kurzer Zeit der Einnahme von MPH (z. B. Ritalin, Concerta) eine Veränderung in den Chromosomen festgestellt. Dies erbrachten Bluttests, die auch zur Feststellung eines Krebsrisikos eingesetzt werden. Die Forscher sprechen in allen diesen Fällen von einem dreifach höheren Risiko, an Krebs zu erkranken.
Sie betonen aber auch, dass die Untersuchungen nur bei 12 Kindern durchgeführt wurden und noch der Ausweitung bedürfen, um wirklich zuverlässig zu sein.
Ich denke, wir sollten den mutigen Forscherinnen und Forschern der University of Texas danken, dass sie es gewagt haben, eine Studie zu gefährlichen Nebenwirkungen von MPH zu machen. Die Forscher bekunden ihr Erstaunen darüber, dass bislang so wenige solcher Studien über Nebenwirkungen durchgeführt wurden, obwohl man bereits 1996 bei Mäusen Leberkrebs nach Einnahme von MPH festgestellt hatte (LEBERkrebs nicht Nierenkrebs - dies an Anmerkung für Herrn Dr. Winkler).

Die weltweite millionenfache Verschreibung von MPH an Kinder hätte solche Untersuchungen dringend erfordert - aber sie fanden aus irgendwelchen Gründen nicht statt.

Ich meine: Wer jetzt nicht sofort damit aufhört, seinem Kind MPH zu verabreichen, der handelt zumindest grob fahrlässig.


Newswise
ScienceDirekt

Kassandra
27.2.2005

 

Internationale Konferenz über aktive Kinder:
ADS - ein Konstrukt?
Vorträge, open space und workshops
24.-26. Juni 2005 in Salzburg

Referenten Prof. Dr. Gerald Hüther Dr. Jirnia Prekop Dr. Martina Leibovici-Mühlberger Dr. Ute Becker Heribert Döring-Meijer Axel Doderer Dr. Dietrich Schultz Bernd Mumbach Günter Schricker

Wir laden ein, das Thema ADS aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten:
Ist ADS ein Konstrukt, das dazu dient, unsere Kinder in Schubladen schieben zu können, um die Hilflosigkeit zu überdecken? Wie können Behandler/Betroffene mit der Diagnose umgehen, ohne die Kinder zu stigmatisieren?

  • Kongressprogramm/Anmeldung bei: CARPE DIEM - Verein zur Förderung von Bildung und Kultur, Sportplatzstr. 28, AT-5700 Zell am See, TeL: -[43- (0)6542/55286-0 · Fax: -55286-6 e-mail.
  • carpediem.zell@aon.at http://www.carpe-diem.at
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