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ADHS:
Eine der größten Kontroversen in der Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie

so stellt es, liebe Gäste im Café Holunder, der renommierte Prof. Dr. med. Peter Riedesser, Lehrstuhlinhaber für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und Direktor der Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fest.
In seinem Beitrag im hier bereits empfohlenen neuen Buch
"ADHS - Frühförderung statt Medikalisierung" von Leuzinger-Bohleber u.a. schafft er das kleine Kunststück, auf ganzen 7 Buchseiten, noch dazu überwiegend in Tabellenform, all das an ADHS-Kritik zusammenzufassen, was Sie hier im Café Holunder verstreut sehr ähnlich seit Jahren finden können. Er stellt das Pro und Kontra für ADHS kritisch gegenüber. Sie müssen das im Original lesen, weil es, meisterhaft komprimiert, kaum etwas am Pro bestehen lässt. Und dies ohne jede Unwissenschaftlichkeit oder Polemik.

Ich möchte hier nur ein einziges, aber grundlegendes Beispiel seiner Pro und Kontras zitieren :

"Pro:

  • Es gibt ein deutlich abgrenzbares Krankheitsbild (nosologische Entität) ADHS

Kontra:

  • Diagnosekriterien sind vage formuliert. Formulierungen wie "oft", exzessiv" etc. lassen weiten Spielraum für den Rater/Diagnostiker. Dies ist einer der Gründe für die extremen Unterschiede der Prävalenzraten.
  • Die Diagnose kommt durch Aufsummieren von Verhaltensbeobachtungen zustande. Der Cutpoint wird von Konsensuskonferenzen willkürlich festgelegt.
  • Wenn das Kind sechs von neun "ärgerlichen", aber nicht unbedingt krankhaften in DSM IV dargestellten Verhaltensweisen zeigt, soll das ein Beweis dafür sein, dass sein Gehirn defekt ist ("his/her brain ist defective").
  • Wird eine Störung des Kindes oder ein Unbehagen des Raters/der Bezugsperson gemessen? Was ist "normal", zum Beispiel beim Temperament?
  • Es herrschen diagnostische Willkür und Konfusion: Keine deutliche Unterscheidbarkeit von Phänomen, Symptom, Syndrom und Morbus.
  • Kultureller, schulischer und familiärer Kontext werden bei der Diagnostik nicht berücksichtigt.
  • Dem ADHS-Konstrukt liegt kein entwicklungspsychologisches Konzept zugrunde: Aufmerksamkeit, Motorik, Selbstregulation und Beziehungsregulation entwickeln sich im Kontext der Beziehung mit den frühen parental figures.
  • Die durch Medikamente erzielte Verhaltensänderung wird zur Validierung der Diagnose benutzt ("ex juvantibus"). Jedoch: Stimulanzien wirken bei allen Störungen. bei denen die Aufmerksamkeit beeinträchtigt ist, auch bei müden Gesunden."

(Zitat aus: P. Riedesser: Einige Argumente zur ADHS-Kontroverse in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In: Marianne Leuzinger-Bohleber/Yvonne Brandl/Gerald Hüther (Hrsg.): ADHS – Frühprävention statt Medikalisierung. Theorie, Forschung, Kontroversen. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2006, S. 111 ff..)

Verunsicherte Eltern und schlecht informierte bzw. fahrlässige Fachleute sollten immer häufiger innehalten (was in einer Schnellfeuergesellschaft offenbar immer schwerer fällt) und sich diese und die anderen Argumente von Prof. Riedesser in aller Ruhe durch den intelligenten Kopf (und den nicht minder intelligenten Bauch) gehen lassen, bevor sie sich fachlich oder in ihrer Eltern-Kind-Beziehung in die medikamentöse und psychosoziale Sackgasse "ADHS" locken lassen. Besonders den augenscheinlich "müden Gesunden" unter den derzeitigen sog. ADHS-Fachleuten sei ein fachwissenschaftliches Aufmerksamkeitstraining im Sinne von Riedesser empfohlen, wenn sie nicht gar ein Psychostimulanz benötigen, um bezüglich "ADHS" aufzuwachen.

Weiter in diesem aufklärenden Sinne, Ihr
Hans-Reinhard Schmidt
5.10.2006

 

Meine Buchempfehlung:
Man hat lieber kranke, als unglückliche Kinder
Matthias Wenke: ADHS: Diagnose statt Verständnis?

So schmal das vorliegende Buch auf den ersten Blick erscheinen mag, so überraschend ist, welch weit ausholende und tiefgehende phänomenologische Analyse und Kritik Matthias Wenke hier in den gegenwärtigen Diskurs um "ADHS" einbringt. Während die beiden ersten Kapitel für den phänomenologisch ungeübten Leser etwas schwierige Kost darstellen, kommt der Autor danach sehr deutlich zur Sache. Die derzeit weit verbreitete Biologisierung kindlichen Verhaltens wird als antidialogisch und antipädagogisch entlarvt. Gesellschaftlicher Wandel wird gegenwärtig biologistisch als angebliche medizinische Störung und Krankheit in unseren Kindern verortet. Die scheinbar psychiatrische Diagnose "ADHS" und ihre pseudowissenschaftliche Verbrämung sollen Eltern, Lehrer, Ärzte, Psychologen, Erzieherinnen etc. dabei unterstützen, bedrohliches kindliches Verhalten verdrängen zu können, die je ganz eigene dialogische Verantwortlichkeit zu leugnen. Man hat sozusagen lieber kranke als unglückliche Kinder. Das "Etwas ADHS" wird als ein Kunstprodukt herausgearbeitet, als ein kulturelles Konstrukt, das Klarheit vorgaukelt, die es nicht gibt, das im Gegenteil sogar viele Zusammenhänge verschleiert, nämlich den Sinn des Verhaltens der betroffenen Kinder und ihre Lebensgeschichten. Dieser sozusagen alltägliche Biologismus, demzufolge Lehrer, Eltern und Ärzte immer rascher bereit sind, auffälliges kindliches Verhalten auf ein "biochemisches Ungleichgewicht" zurückzuführen, anstatt über ihre eigene Beteiligung daran nachzudenken, bedarf denn auch nach Ansicht des Autors einer dringenden und kritischen Reflexion. Es wird nicht mehr nach dem "Warum" eines Verhaltens, nach seinem Sinn in einer phänomenalen, subjektrelativen Welt gefragt. Statt eines therapeutischen Dialogs zwischen Erwachsenem und Kind wird das Kind zum bloßen Diagnose- und Medikationsobjekt. Der Tenor dieses wichtigen und den ADHS-Diskurs sehr bereichernden Buches kommt in einem anschließenden Zitat auf Seite 135 treffend zum Ausdruck:

"Und erforscht die Tiefen eures Wissens nicht mit Messstock und Senkschnur. Denn das Ich ist ein Meer, grenzenlos und unermesslich." (Khalil Ghibran)

Matthias Wenke : ADHS: Diagnose statt Verständnis? Wie eine Krankheit gemacht wird. Eine phänomenologische Kritik. Brandes & Apsel 2006.

Hans-Reinhard Schmidt
12.10.2006

Dieses Buch wurde in unsere Liste ADHS-kritischer Bücher aufgenommen.


Das war zu befürchten:
Psychopharmaka schon für Vorschulkinder

Der volksweite und internationale Psychopharmaka-Einsatz wird immer hemmungsloser. In den USA wurde jüngst die sog. PAT-Studie (Preschool ADHD Treatment Study) veröffentlicht, in der der Methylphendateinsatz bei über 300 Vorschulkindern ab 3 Jahren (!) ausprobiert wurde, natürlich mit Erfolg. Ritalin wirkt schließlich (fast) immer. Vorausgegangen war bei den Kindern eine angeblich fehlgeschlagene Verhaltenstherapie. Wer vom Fach ist, weiß allerdings, dass eine Verhaltenstherapie bei Kleinkindern sowieso nicht erfolgreich sein kann, denn eine in diesem frühen Alter allein aufs Kind reduzierte Verhaltensdressur bei oft massiven, aber unveränderten familiären und umweltbezogenen Störfaktoren ist ebenso sinnvoll wie Verhaltenstherapie bei einer unruhigen Maus im Laufrad ihres engen Käfigs.

Die erheblichen und erschreckenden Nebenwirkungen, die auftraten, werden wieder mal eher beiläufig erwähnt. Nebenwirkungen sind eben offenbar Nebensache. Schlafstörungen, Appetitverlust, Verstimmungen wie Nervosität oder Beunruhigungen sowie häufiges Nesteln an der Haut sollen Eltern einfach in Kauf nehmen, wenn es darum geht, ihre angeblich anstrengenden Kleinkinder chemisch ruhig zu stellen. Vor allem aber die erschreckenden Wachstums- und Gewichtsstörungen, die die über ein Jahr mit Psychopharmaka traktierten Kinder entwickelten, werden skandalös verharmlost.

J. Swanson und 17 weitere Forscher untersuchten 140 Kinder ab 4 Jahren aus dieser PAT-Studie und stellen fest, dass das Wachstum der behandelten Kinder um 20 Prozent, und die Gewichtszunahme sogar um 55 Prozent unter den Erwartungswerten der Kontrollgruppe zurückgeblieben waren. Ist es nicht einfach unfassbar, was hier vor den Augen der Öffentlichkeit für Menschenversuche mit kleinen Kindern unter dem Vorwand wissenschaftlicher Forschung betrieben werden? Gerade in einem Lebensalter, in dem psychosoziale Prävention besonders erfolgversprechend wäre, werden kleine Kinder mit Psychopharmaka ruhiggestellt, ohne etwas an ihren oft sehr entwicklungsstörenden Umweltbedingungen zu ändern.

Und schon bald werden auch bei uns wieder Ärzte, sog. Fachleute und begeisterte Eltern zugreifen, wenn die Pharmaindustrie Tabletten fürs angebliche Glücklichsein auch bei Kleinkindern anbietet.

Es fehlt nur noch die große Verbrauchergruppe der Senioren. Zur Einnerung an meinen diesbezüglichen Beitrag vor 4 Jahren:

ADHD bei Senioren!

Wie die Forschungsgruppe um MetroGoldwynMayer, Hollywood, mit einer extrem prospektiven, dreifachblinden und CHAAD-überfinanzierten Studie herausgefunden hat, fängt ADS mindestens im Säuglingsalter an, dauert bis ins Erwachsenenalter und -jetzt kommt´s- befällt auch die meisten Senioren! In einer Stichprobe von 24643 Senioren mit dem Durchschnittsalter von 82 Jahren, die sich daran erinnern konnten, bereits als Säuglinge ADS gehabt zu haben, zeigte sich, dass 92 Prozent von ihnen unverändert eindeutige Symptome zeigten (u.a. zwanghaftes Tangotanzen um Mitternacht, oppositionelles Verhalten im Altersheim sowie zwangloses Gelächter bei Trauerfeiern). Über die Langzeitauswirkungen von Methylphenidat bei Senioren liegen naturgemäß noch keine Ergebnisse vor.
Einmal ADS: Immer ADS!
Medindia
Ärzteblatt

Preiser
18.10.2006


ADHS: Wie häufig gibt´s das?

Die Kernfrage, ob es ADHS als eigenständiges Störungsbild überhaupt gibt, ist bei sorgfältiger wissenschaftlicher Analyse nach wie vor ungeklärt. Auch die wichtige Frage, wie häufig diese angebliche Krankheit überhaupt vorkommt, ist in Wahrheit nicht beantwortbar.

Angesichts der grundsätzlichen Unklarheit des Syndroms ADS / ADHS verwundert es nicht, dass seine Häufigkeit (Prävalenz) in der Literatur höchst unterschiedlich angegeben wird. In den überwiegend anglo-amerikanischen Studien finden sich extreme Schwankungen in der Prävalenzschätzung von 4% bis 26%! Einige Studien gehen in Deutschland für die Altersgruppe von 5-18 Jahren von einer Häufigkeit von 2,5% - 6% aus. Im Mittel schätzt man derzeit ca. 5 % betroffene Schulkinder. Dieser Prävalenzwert ist jedoch - trotz seiner erheblichen gesundheitspolitischen Bedeutung – bislang wissenschaftlich nicht abgesichert. Was sind die Gründe dafür, dass das Vorkommen der derzeit meistgestellten psychiatrischen Kinderdiagnose so unklar ist und lediglich auf fragwürdigen Schätzungen beruht?

Skounti, Philalithis und Galanakis sind dieser Frage in einer Metaanalyse nachgegangen. Sie haben alle internationalen ADHS-Prävalenzstudien seit 1992 ausgewertet und kommen zum Ergebnis, dass außer dem Alter und Geschlecht der untersuchten Kinder auch die angewendete Diagnostik eine Rolle spielt: Wenn der DSM-IV-Diagnoseschlüssel angewendet wurde, gab es mehr Fälle als bei Anwendung des DSM-III. Auch sonst spielen die ganz unterschiedlichen Informationsquellen, die bei der Diagnostik herangezogen werden, eine große Rolle. Wechselnde Stichprobenzusammensetzung,. verschiedene methodische Forschungsansätze, ethnische und kulturelle Unterschiede sowie unterschiedliche diagnostische Kriterien führen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen der Prävalenzangaben. Die Autoren schließen deshalb, dass aus den derzeit vorliegenden internationalen Studien keine verlässliche Prävalenzrate für ADHS abgeleitet werden kann, solange die Diagnostik und die Forschung so unstandardisiert verläuft, wie derzeit.

Wenn man also irgendwo Behauptungen über die Prävalenz von ADHS liest (wie z.B. beim BV-AH, der dem Leser einreden will, es gebe 3 - 8 % ADHS-Kinder), sollte man wissen, dass es sich um meist interessengeleitete Schätzungen ohne jeden seriösen wissenschaftlichen Gehalt handelt.

Boris Holthusen
1.11.2006


ADHS und Kreativität
Ein Mythos und seine Entzauberung

Ein alter und bei vielen liebgewordener ADHS-Mythos lautet, ADHS-Kinder seien auffallend oft besonders kreativ. Auf Internetseiten, die über ADHS auch sonst meist hanebüchenen Unsinn verbreiten, wird dies im Brustton der Selbstverständlichkeit völlig unkritisch kolportiert, z.B. beim abstrusen TOKOL oder beim medizinisch daherkommenden netdoktor. Auch auf Pharmaseiten wie bei Janssen wird dies behauptet, und dass dann die notorische Cordula Neuhaus ebenfalls in dieses populärwissenschaftliche Horn bläst, verwundert niemanden mehr (C. Neuhaus: Das hyperaktive Kind, Ravensburger 1999, S. 42). Künstler werden aufhorchen: Kreativität wird häufig sogar als typisches ADHS-Symptom dargestellt. Sind Künstler also krank? Beängstigende Assoziationen an Zeiten entarteter Kunst kommen auf.

Der kritische Zeitgenosse, der nach wissenschaftlichen Belegen für die These einer Korrelation von ADHS und Kreativität sucht, erlebt wieder einmal eine herbe Ernüchterung: Er findet nichts Rechtes, was geeignet wäre. Auf welche Forschungsergebnisse also berufen sich all die halbseidenen, selbsternannten ADHS-Fachleute bei dieser nirgends hinterfragten Behauptung eigentlich? Diese und andere kritische Fragen zu ADHS darf man ihnen leider nirgends öffentlich stellen. Mangels überzeugender Antworten reagieren sie meist beleidigend-impulsiv, ignorieren den Frager oder schieben ihn in die bekannte Scientologen-Ecke. So dünnhäutig sie ob ihres Argumentationsmangels geworden sind, so trotzig haben sie sich in ihre ADHS-Wagenburgen verbarrikadiert.

Healey D. und Rucklidge JJ. sind nun einmal dieser Frage der Verbindung von ADHS und Kreativität wissenschaftlich nachgegangen. Sie haben Kinder miteinander verglichen, die entweder nur die Diagnose ADHS hatten (also als nicht kreativ galten), neben der Diagnose auch noch als besonders kreativ galten oder nur kreativ waren (also ohne ADHS-Diagnose), sowie eine Kontrollgruppe.

Und was kam dabei heraus? Zwar zeigten sich 40 % der kreativen Kinder als lebendig, aufgeweckt, teils unkonzentriert und impulsiv, aber bei keinem einzigen der besonders kreativen Kinder konnte die Diagnose ADHS bestätigt werden.

Wen wundert`s? Kreative Menschen sind immer schon besonders unruhig-unkonventionell, impulsiv, "anders", originell eben, charismatisch, genialisch. Aber ADHS haben sie nicht! Und das ist gut so!

ADHS und Kreativität haben also rein gar nichts miteinander zu tun.

Boris
22.11.2006


Ursache fürs Rauchen entdeckt
Es ist genau wie bei ADHS

Es ist ja bekanntlich wissenschaftlich eindeutig belegt, dass die Ursache für ADHS im menschlichen Gehirn liegt. Das Gehirn ist z.B. kleiner als normal und verursacht deshalb so komisches ADHS-Verhalten. Und nun hat die Wissenschaft endlich die Ursache fürs Rauchen gefunden: sie liegt auch im Gehirn! Auch bei Rauchern ist das Gehirn kleiner als normal. Genau wie bei ADHS wird dabei eine genetische Ursache vermutet. Wie das Schrumpfhirn es allerdings anstellt, den Trieb zum Rauchen auszulösen, wollen die Wissenschaftler nun als nächstes ergründen. Wir sagen das Forschungsergebnis hier schon mal voraus: Raucher leiden in Wahrheit alle an ADHS!

Wir sind schon mal gespannt...

Ulli
26.11.2006


TDSD:
Die Tränendrüsen-Sekretions-
Dysfunktion

Stellen Sie sich bitte einmal vor, ihr geliebter Lebenspartner würde sterben. Sie trauern sehr intensiv und weinen selbstverständlich auch ziemlich häufig. Sie möchten sich gerne einige Tage krank schreiben lassen, um die schlimmste Zeit des Verlustes zu überstehen und wieder zu sich zu kommen. Ein Bekannter empfiehlt Ihnen einen Arzt, der sich "mit Sowas" auskennt. Sie lassen sich einen Termin geben.

Besagter Arzt weiß nichts von Ihrem Trauerfall und fragt Sie auch nicht nach Ihrem Lebenshintergrund. Er sieht aber Ihre Tränen und äußert spontan die Vermutung, dass Sie an der sogenannten "Tränendrüsensekretionsdysfunktion", kurz TDSD, leiden würden. Das sei eine neurochemische Dysbalance im Gehirn mit Auswirkungen auf die kontraktile Muskulatur der glandula lacrimalis. Mit Hilfe eines kurzen Fragebogens zu ihrem Tränenabsonderungsverhalten könne man die Diagnose relativ sicher stellen.

Sie sind schockiert, protestieren, erzählen von ihrer Trauer und würden am liebsten das Sprechzimmer verlassen, doch der Arzt teilt ihnen im sonoren Ton des Experten mit, dass es geradezu typisch für TDSD -Betroffene sei, dass diese ihre Erkrankung nicht selbst erkennen und beurteilen könnten, weil ihr Urteilsvermögen durch eben diese stark getrübt sei. Hirnphysiologische Untersuchungen hätten die biochemischen Mechanismen für die verstärkte Absonderung von elektrolythaltiger Augenrandflüssigkeit vollständig aufgeklärt, so dass ein psychogener Hintergrund für die TDSD ganz auszuschließen sei. So etwas wie "Trauer" sei ein Volksglaube und völlig unwissenschaftlich. TDSD komme ja auch bei Menschen in anderen Lebenssituationen vor und nicht jeder, der einen Angehörigen verliert, reagiere mit TDSD-Verhalten. Wahrscheinlich gebe es auch ein TDSD -Gen, doziert der Fachmann weiter, vor allem bei Frauen sei das wohl sehr häufig. Und unbehandelt würde diese Krankheit immer gefährlicher, es drohten großes Unglück, gesellschaftliche Ächtung oder Depressionen bis hin zum Suizid. Aber, tröstet er Sie sogleich, die moderne Medizin sei heute bereits so weit, dass Gene kein Schicksal mehr sein müssten, und schreibt Ihnen ein teures, unter das Betäubungsmittelgesetz fallendes Medikament auf, das Sie ab jetzt für einige Jahre dreimal täglich zu nehmen hätten, das würde die lästige und für die Gesellschaft ja auch untragbare "Tränendrüsensekretionsdysfunktion" abstellen, indem es angeblich die neuronalen Prozesse im Gehirn "korrigiere", so dass ihre Augen trocken bleiben und sie wieder "richtig" funktionieren.

Wenn Sie sich bis hierher nicht in ihrer Selbstgewissheit haben irritieren lassen, dann werden Sie wahrscheinlich aufstehen, den Kopf schütteln, die Praxis verlassen, das Rezept in die nächste Mülltonne werfen, sich von Freunden trösten und helfen lassen und einfach weiter weinen, bis Ihre Trauerzeit um ist – auch ohne Arzt und Krankschreibung.

Diese kurze Geschichte illustriert ziemlich genau die Vorgänge, mit denen man Millionen von Kindern, die sich irritierend, unruhig oder den Erwartungen und Wünschen ihrer Erzieher zuwider benehmen, das "Aufmerksamkeitsdefizithyperkinesesyndrom", kurz "ADHS" zuschreibt. Auch dieses "ADHS" klingt irgendwie wissenschaftlich und es werden exakt dieselben biologischen Behauptungen über das Verhalten von lästigen, unkontrollierbaren und irritierenden Kindern in die Welt gesetzt, wie ich sie hier für die hypothetische "Tränendrüsendysfunktion" konstruiert habe. Inzwischen haben diese vier Buchstaben "ADHS" sich zu einem beängstigend erfolgreichen Kulturprodukt entwickelt, das ein verbreitetes Bedürfnis nach Bannung von Hilflosigkeit in eine handliche Formel zu stillen scheint, um das herum sich ganze Wissenschaftszweige, Diagnose- und Selektionsinstitutionen, ein profitabler pharmazeutischer Markt und Selbsthilfeorganisationen mit den dazugehörigen selbstblinden Publikationen gebildet haben - und zwei polare Lager der Auseinandersetzung, die sich praktisch unversöhnlich gegenüberstehen.

In der Struktur des medizinischen Diskurses erkennt man das folgende immer gleiche Muster mit austauschbaren Bausteinen:

  1. Die Patienten bzw. Kinder werden entmündigt, also von ihrem Verhalten getrennt und dieses wird zu einem biologischen Prozess ohne Subjekt umgedeutet.
  2. Sinnhaftes Verhalten wird seiner Entstehungsgeschichte, seines Kontextes und damit seines Sinnes beraubt. Man zwingt den Blick fort von der existenziellen Lebenssituation.
  3. Es wird ein neuer Begriff für die Irritation geschaffen, der – gerade als formelartige Abkürzung – den Eindruck erweckt, er beschreibe irgendetwas "Substanzielles", das man "haben" kann, etwa so, als habe man ein Gift im Blut oder man habe womöglich "falsche Gene".
  4. Die Patienten bzw. Kinder werden mit dieser quasipsychiatrischen Diagnose standardisiert, kategorisiert und stigmatisiert, mit irreversiblen Folgen für weitere therapeutische Entscheidungen und teilweise verheerenden Konsequenzen für die Identitätsentwicklung.
  5. Angst wird erzeugt. Es wird suggeriert, dasss die soeben geschaffene Krankheit eine Bedrohung für das Kind und die ganze Gesellschaft darstellt, und dass hohe Kosten entstehen.
  6. Es wird ein Ausweg aus der Angst präsentiert: ein mehr oder weniger teures Medikament, das aber als der am meisten ökonomische Weg der Wahl dargestellt wird. Die Werbemaschine läuft an und fast sämtliche Aufklärung kommt nur noch von der medizinisch-pharmazeutischen Seite.

Für die Medizin bzw. Biologie wird ein Deutungsmonopol behauptet, alternative Theorien werden nicht berücksichtigt und Kritiker als unwissenschaftlich denunziert. Die Patienten werden für unfähig erklärt, ihren eigenen Zustand zu beurteilen oder zu verändern.

Die konstruierte Diagnose wird zum Selbstläufer. Allein dadurch, dass etwas neu bezeichnet wird, gewinnt es handlungsleitende Existenz für Institutionen und Menschen. Factum valet oder "die normative Kraft des Faktischen". Die Institutionalisierung der "Diagnose" läuft jetzt wie geschmiert von alleine: sie ist Bestandteil der Lehrbücher, Kongresse, von Forschungsapparaten, Studiengängen, der Medizinausbildung, selbst der Ausbildung von Pädagogen und Therapeuten. Wer jetzt noch zu den Kritikern gehört, wird denunziert, er wird in die "esoterische" Ecke verwiesen, ihm wird womöglich unterstellt, selber "krank" zu sein oder er wird z.B. mit gefürchteten Sekten in Verbindung gebracht, kurz: ein Exklusionsprozess greift, getrieben von einer sich selbst als Verteidigung der "richtigen Wissenschaft" verstehenden Abwehr. Die "diskursive Polizei" (Foucault) hat gründlich aufgeräumt - nicht weil sie die Wahrheit verteidigt hat, sondern weil sie Interessen durchgesetzt und ein dazu passendes Kulturprodukt konstruiert, vermarktet, immunisiert und sanktionierbar gemacht hat.

Matthias Wenke
13.12.2006


KONFERENZ ADHS

"ADHS: Eine der größten Kontroversen in der Geschichte des Fachgebiets Kinder- und Jugendpsychiatrie", sagt zu Recht Peter Riedesser (1).

Leider spielt sich diese Kontroverse immer mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Immer häufiger verkümmert der eigentlich fruchtbare öffentliche Diskurs zu unkritischer, einseitig schulmedizinisch ausgerichteter und Pharma-gesponserter Darstellung, die Eltern, Lehrer und Erzieherinnen vorschnell auf eine biologistische Sicht kindlichen Verhaltens lenkt und sowohl die eigene Beteiligung am kindlichen Seelenleben und Verhalten, als auch das introspektive, empathische Verstehen der wirklichen Nöte unserer Kinder aus dem Blickfeld verliert.   Unsere "Schnellfeuer-Kultur" (DeGrandpre, 2) verändert das Bewusstsein auch unserer Kinder und fordert ihren Preis, auch mit der zunehmenden Einnahme von Psychpharmaka. Eine ganze Generation wird krankgeschrieben, denn ADHS ist genau die "Krankheit", die in diese Kultur passt.   Mit der zunehmend einseitig-biologistischen Sicht und Behandlung der seelischen Nöte unserer Kinder wird immer mehr von ihnen eine verstehende, die wirklichen psychischen Hintergünde und systemischen Zusammenhänge ihrer Nöte und Störungen ernstnehmende gesellschaftliche Verantwortlichkeit vorenthalten - ein weithin ausgeblendeter Skandal.  Offensichtlich hat man wohl lieber kranke als unglückliche Kinder (Wenke, 3). 

KONFERENZ ADHS
WAS IST DAS?

WER IST DAS?

WAS WILL DIESE KONFERENZ?
 

Konferenz ADHS
ist ein freier und unabhängiger Internet-Zusammenschluss von engagierten Zeitgenossen, die die gegenwärtige Entwicklung unserer Kinder im Zusammenhang mit ADHS - dem sog. Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom - mit Sorge verfolgen. Die Sorge bezieht sich nicht nur auf die erschreckend zunehmende Medikation mit einschlägigen Psychopharmaka, sondern vor allem auch auf die zugrunde liegende Auffassung eines unreflektierten Verhaltensbiologismus und einer dazu passenden wissenschaftlich fragwürdigen nosologischen Entität bzw. "Krankheit" namens ADHS.  
Konferenz ADHS
steht für alle Mitmenschen offen, die diese Sorge teilen und mitwirken möchten, seien sie Einzelpersonen, Eltern, Lehrer, Erzieher, Fachleute oder Wissenschaftler. Ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben. Eine Mitgliedschaft kann jederzeit frei begonnen oder beendet werden.  
Konferenz ADHS arbeitet nicht-kommerziell und sowohl finanziell als auch fachlich unabhängig. Die Konferenz steht in keiner irgendwie gearteten Verbindung mit anderen Vereinigungen, Gruppierungen, Sekten, Kirchen oder Wirtschaftsunternehmen.  
Konferenz ADHS
besteht aus einem Kuratorium und freien Mitgliedern.  Mitglied kann jedermann/frau werden.  
Konferenz ADHS zielt auf eine ADHS-kritische Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ab. Sie will die allgemeine, aber auch die gesundheits- und sozialpolitische Öffentlichkeit mit Pressemitteilungen, fachlichen Stellungnahmen, Informationen, Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und Entwicklungen, mit Symposien und Vorträgen kritisch informieren, das gegenwärtige schulmedizinische ADHS-Konstrukt kritisch hinterfragen und  der einseitigen Biologisierung kindlichen Verhaltens entgegenwirken.  
Konferenz ADHS
bietet allen Mitgliedern eine Mailing-Liste zum Austausch, zur Ideensammlung, Information und Initiativenplanung. Entscheidungen über das öffentliche Tätigwerden der Konferenz trifft jeweils das Kuratorium. 
 

KONFERENZ ADHS

(1) P. Riedesser in: Leuzinger-Bohleber/Brandl/Hüther (Hg.): ADHS - Frühprävention statt Medika- lisierung. Vandenhoeck&Ruprecht 2006
(2) R. DeGrandpre: Die Ritalingesellschaft. Beltz 2002

(3) M. Wenke: ADHS: Diagnose statt Verständnis? Brandes&Apsel 2006

Café Holunder 2/2007


Ein Kaktus ohne Stacheln?
Gibt´s sowas denn? Ja, zehntausendfach jeden Tag!

Lernen Sie Ernst Böse kennen. Wenn Sie auf den Cartoon klicken, blicken Sie tiefer...

 

 

 


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