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Liebe Gäste!
I
n Italien hat sich sehr Erfreuliches getan. 371 Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen und aus 125 Institutionen mit  220 000 Mitgliedern haben inzwischen eine Anti-ADHS-Konsenserklärung signiert. Konferenz ADHS wird sich dafür einsetzen, dass auch in Deutschland eine solche Konsenserklärung beschlossen werden kann. Helfen Sie bitte mit! Wir werden demnächst einen entsprechenden Textvorschlag machen, an dem Sie mitarbeiten können und den wir dann zur Mitsignierung deutschlandweit verbreiten werden.

Hier der Text der italienischen Konsensus-Erklärung:

Die nationale Kampagne “Giù Le Mani Dai Bambini”® (Hände weg von den Kindern) hat die Unterzeichnung des “Internationalen Konsensus: ADHD und Missbrauch bei der Verschreibung von Psychopharmaka an Minderjährige” unter Fachleuten eingeleitet, um den Stand der Situation zu den kontrovers diskutierten Grundthemen festzustellen und den Betroffenen einen zuverlässigen Bezugsrahmen zu bieten. Personen, die qualifiziert sind, sich diesbezüglich zu äußern, können den Konsensus unterzeichnen, indem sie eine E-Mail an consensusadhd@giulemanidaibambini.org senden und ihre Einwilligung erteilen, dass ihr Name bei den Unterzeichnern genannt wird. Dabei geben sie möglichst auch die akademischen bzw. sonstigen Titel an, die dem Namen hinzuzusetzen sind, und eventuelle Internetadressen, die zu Biographien, Visitenkarten oder persönlichen Seiten führen. Den Aufruf können auch Vereine und Schulen unterzeichnen, die sich mit der mentalen Gesundheit beschäftigen. Das Organisationssekretariat behält sch vor, die Kongruenz der eingehenden Unterzeichnungsanträge zu überprüfen.”

Der Koordinator Dott. Claudio Ajmone

ADHD und Missbrauch bei der Verschreibung von Psychopharmaka an Minderjährige
(Januar 2005)

Einleitung

"Giù le mani dai bambini"® (Hände weg von den Kindern) ist die größte Kampagne für die Verteidigung des Rechts auf Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die je in Italien organisiert wurde, und im Vergleich zu analogen Initiativen in Europa zur Zeit die Kampagne mit der schnellsten Verbreitung. Die Kampagne hat zum Ziel, die Bevölkerung (Lehrer, Eltern, die Jugendlichen selbst usw.) umfassend und korrekt über das Thema des Missbrauchs bei der Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche zu informieren, denn mit über 11 Millionen Kindern, die allein in den USA chronisch von Amphetaminen abhängig sind, handelt es sich längst um einen wirklichen Notfall im Gesundheitssystem, der auch nach Italien importiert wird (für weitere Informationen lesen Sie bitte die Informationen auf unserer Website www.giulemanidaibambini.org ).

Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft des Staatlichen Rundfunks RAI – Radio Televisione Italiana. Sie wird vom Netzwerk der Krankenhausvolontäre gefördert, das Vereine und Stellen, die über 6 Millionen Italiener vertreten, in einem Ausschuss vereint. Berühmte Persönlichkeiten aus Unterhaltung und Wissenschaft haben sich dem Aufruf angeschlossen, von Ray Charles (der kürzlich verstarb) bis hin zu Beppe Grillo und vielen anderen, die im Abschnitt Testimonial auf unserer Website zu ersehen sind. Die Kampagne hat einen qualifizierten Wissenschaftsausschuss berufen und eine lange Reihe von Verbreitungsmaßnahmen im ganzen Landesgebiet eingeleitet.

Die Initiative ist gemeinnützig, überparteilich und nicht konfessionsgebunden. Das Informationsportal im Internet, das von unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern verwaltet wird, ist derzeit das umfangreichste und ausführlichste, das in Italien zu diesen Themen zur Verfügung steht. Das Syndrom mit der Bezeichnung “Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivitätsstörung” (ADHD) ist Gegenstand einer beeindruckenden Zahl von experimentellen Untersuchungen und wissenschaftlichen Studien. Die am meisten gewählte Lösung für die Behandlung dieser Störung ist bis heute die pharmakologische (Stimulantia, überwiegend, aber nicht nur auf der Basis von Amphetaminen), in sehr viel weniger signifikantem Maße folgen die klinische Pädagogik, die Psychotherapie und unabhängige soziale Maßnahmen.

Die finanziellen Ressourcen wurden im Wesentlichen auf die Forschung konzentriert – zum größten Teil nicht unabhängig, da sie mit Kapital der Hersteller selbst finanziert wird – die darauf abzielt, die vorgeblichen biologischen Ursachen der Störung sowie die Wirkungen der pharmakologischen Maßnahmen zu erarbeiten. Dabei werden Untersuchungen über die psychologischen, Umwelt- und gesellschaftlichen Ursachen sowie zu pädagogischen, psychotherapeutischen und unabhängigen sozialen Maßnahmen vernachlässigt.

Die verwendeten Versuchsmethoden und die Ergebnisse waren Gegenstand lebhafter Debatten und heißer Kontroversen seitens der Fachleute, in den letzten Jahren auch in den Medien und der Öffentlichkeit, und führten zu bis heute ungelösten Problemen. Die Aufmerksamkeit – und die Abwesenheit von Problemen emotionalen Charakters – sind die allgemeinen Voraussetzungen für jede Art des Lernens, und die Kennzeichnung einer Pathologie der Aufmerksamkeit und der Bewegung, die das Lernen behindert, stellt im Gegensatz dazu eine Kodierung dar, die dramatische Konsequenzen auf persönlicher, familiärer, schulischer und gesellschaftlicher Ebene hat.

Die Unterzeichner dieses Dokuments, namhafte Fachleute im klinischen und experimentellen Bereich, möchten mit geistiger Aufrichtigkeit und professioneller Kompetenz den gegenwärtigen Stand festhalten, auch im Lichte der jüngeren bzw. weniger bekannten wissenschaftlich akkreditierten Versuchsergebnisse sowie der vergangenen und gegenwärtigen akademischen Debatten, um Klarheit über ein sehr wichtiges Thema im Rahmen des Rechts auf Gesundheit der Minderjährigen zu schaffen, das die wissenschaftliche Gemeinschaft und die gesamte Zivilgesellschaft betrifft. Dabei wollen sie eine ethisch korrektere Methode der Herangehensweise an dieses Problem anregen, das seit einem halben Jahrhundert häufig unfruchtbaren Methoden zum Opfer fällt.

ADHD als Krankheit

Es ist konsolidierte Gewohnheit, ADHD – im Hinblick auf die primäre Kausalität – als “genetisch bestimmte Krankheit” zu definieren, wobei die psychosozialen Ursachen auf “geringere Mitursachen”, wenn nicht gar auf einfaches “Lackmuspapier” reduziert werden, die nur das zum Vorschein bringen können, was bereits auf genetischer Ebene bestimmt ist, und weder Zeitpunkt noch Art des Auftretens der Symptome beeinflussen können. Diesbezüglich muss betont werden, dass die direkte Kausalität von einem Gen oder einem Genpool bisher experimentell noch nicht bewiesen ist und dass kein biologischer Marker (Phänotyp) mit Sicherheit identifiziert ist.

Alle Untersuchungen an ein- und zweieiigen Zwillingen und an Geschwistern sind stark beeinträchtigt durch die nicht bewiesene Annahme, dass die Umgebung, in der die Kinder aufwuchsen, immer gleich sei. Dies ist faktisch unmöglich. Dazu sind die Ergebnisse solcher Untersuchungen von der Tatsache beeinträchtigt, dass die Gene die Proteinsynthese lenken, die wiederum von Umgebungsfaktoren wie Stress, Traumata, Mangel an elterlicher Zuwendung beeinflusst sind.

Die Präsenz dieser Art von Störung in den Stammbäumen ist per se kein wissenschaftlich akzeptabler Beweis für die genetische Valenz von ADHD, da die Variablen “Lernen durch Imitation” und “Lernen durch Konditionierung”, deren mächtige Auswirkungen bei der Ausbildung der Verhaltensweisen seit fast einem Jahrhundert experimentell jenseits aller legitimen Zweifel von der Lehre des Behaviorismus bewiesen wurden, nicht gebührend kontrolliert wurden.

In Bezug auf die jüngere und akkreditierte Untersuchung aus der Schule der organischen Psychiatrie «F. Xavier Castellanos et al., Developmental Trajectories of Brain Volume Abnormalities in Children and Adolescents With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder , Journal of the American Medical Association (JAMA 2002;288:1740-1748)», bemerken wir, dass Castellanos in einem Interview mit FRONTLINE vom 10. Oktober 2002 nach der Veröffentlichung dieser Studie auf die Frage des Interviewers

«Stehen wir kurz vor der Identifizierung eines biologischen Markers für ADHD?”» antwortet:

«Ich weiß es nicht, ich denke nicht, dass wir es wissen, bevor wir ihn nicht finden... wir würden gern einen biologischen Marker finden, wir würden gern eine objektive Bestätigung finden, irgend etwas, das uns bestätigt, wie viel wir von der Funktionsweise von ADHD verstanden haben. Das Problem ist, dass wir im Dunkeln tappen und nicht wissen, wohin uns die Suche führt. Meiner persönlichen Meinung nach werden wir noch die nächsten 3 bis 5 Jahre im Dunkeln tappen…»

Die These der Krankheit bleibt damit eine reine Hypothese, und die Verwendung von Termini wie «Krankheit» und «Geisteskrankheit» sind daher zum heutigen Stand auf wissenschaftlicher Ebene nicht legitim. ADHD ist im besten Falle eine einfache Reihung von disfunktionalen Verhaltensweisen, was zu wenig ist, um eine Krankheit zu kennzeichnen. Die ungenügende Definition dieser Symptom-Verhaltensweisen vom Standpunkt der Vorgehensweise aus macht es sogar unmöglich, ADHD klar als Psychopathologie zu konfigurieren. Auf der Basis der derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse läuft die Diagnose von ADHD Gefahr, von überwiegend wirtschaftlichen Motivationen gestützt zu werden und nicht auf den realen Vorteil des Kindes/Patienten abzuzielen.

Die Diagnostik von ADHD

Wie es den Darlegungen in Bezug auf die Auffassung als Krankheit entspricht, ist die verwendete Diagnostik sichtbar mangelhaft. Das Diagnosehandbuch der APA bemerkt in DSM-IV:

für «Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung» « ... gibt es keine Labortests, die als diagnostisch bestätigt sind.»

In dem Dokument «2000 American Academy of Pediatrics Annual Meeting Attention Deficit Hyperactivity Disorder: Current Diagnosis and Treatment, Mark L. Wolraich, MD», wird betont:

«Die Diagnose von ADHD bleibt an begrenzte diagnostische Kriterien gebunden. Die Diagnose hängt von der Beobachtung des Verhaltens der Kinder durch verschiedene Quellen ab, in erster Linie Eltern und Lehrer, die häufig voneinander abweichen und nicht über eine klare Methode verfügen, um diese Diskrepanzen zu lösen. Eine der Ursachen für die Diskrepanzen ist die Tatsache, dass die Verhaltensweisen von der Umgebung beeinflusst sind. Die Schulklasse könnte also andere Verhaltensweisen hervorrufen als die zu Hause beobachteten, außerdem sind die Berichte der Beobachtungen häufig subjektiv, da keine spezifischen Kompetenzen für die Verhaltensbeobachtung vorliegen und die Beobachter ihre persönliche Urteilsmethode anwenden müssen. Dazu werden die Kriterien unabhängig von Alter und Entwicklungsstand angesetzt, während das Verhalten der Kinder sich tatsächlich auch mit ihrem Entwicklungsstand ändert . »

Wenn man die Kommentare zu Versuchstests analysiert, mit denen die Fachleute die Aufmerksamkeit- und Hyperaktivitätsschwelle bestimmen, ergeben sich Daten, die uns dazu bringen, unsere Überzeugungen zu überdenken. Es zeigt sich, dass die Kinder in der Lage sind, den Aufgaben, die ihnen angenehm sind, Aufmerksamkeit zuzuwenden, während sie bei lernwichtigen Aufgaben, die in ihrer Wahrnehmung «weniger angenehm» sind, nicht dazu in der Lage sind. Es handelt sich daher um einen “Aufmerksamkeitsmangel in einem Kontext geringer Motivation” oder eine Kontext mit «Lernangst», sowie um «hyperaktive Verhaltensweisen» in einem familiären Kontext, in dem schwere Psychopathologien auftreten.

Es scheint mindestens diskutabel, ob all dies so einfach in eine Krankheit biologischer Art umgewandelt werden kann, während es evident erscheint, wie stark persönliche und soziale Dynamiken verschiedener Art impliziert sind, die bis heute von der wissenschaftlichen Untersuchung größtenteils vernachlässigt werden. Bei Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität wäre es notwendig, ein seriöses, standardisiertes medizinisches Screening und eine gründliche Analyse der sozialen Beziehungen der kleinen Patienten, ihres realen schulischen Lerngrades und der vielen anderen Faktoren durchzuführen, die eine Ursache für anormales Verhalten des Kindes darstellen können. Man muss daher schließen, dass die Diagnostik noch keine wissenschaftliche Legitimierung gefunden hat, die eine sichere Diagnose jenseits aller vernünftigen Zweifel zulässt.

Die pharmakologische Therapie und ihre Auswirkungen

Die Behandlung ist ein therapeutisches Verfahren, das die Ursachen behebt, die die Pathologie erzeugt haben, und so zur Heilung führt. Die Erleichterung und Beseitigung der Symptome mögen zwar wichtige Ereignisse sein, qualifizieren aber eine therapeutische Maßnahme nicht als Behandlung. Sowohl die Behandlung als auch die symptomatische Therapie müssen in jedem Fall die Wahrung der menschlichen Würde und der psychophysischen Integrität garantieren, eine Bedingung, die der Großteil der derzeit handelsüblichen Psychopharmaka nicht in der Lage ist zu garantieren. Es besteht kein Zweifel, dass diese pharmazeutischen Produkte Nebenwirkungen haben, auch schwere, die bis zum Tod des Patienten führen können.

Ihre Wirkung zeigt sich in der Unterdrückung der Symptome bei regelmäßiger Einnahme des Pharmakums. Die Unterbrechung der medikamentösen Behandlung lässt die Situation vor dem Zeitraum der regelmäßigen Einnahme wieder hervortreten. Aus diesem Grund ist die langfristige Verabreichung notwendig, auch wenn davon die Fachärzte und manchmal sogar die Herstellerfirmen selbst abraten.

In einem Dokument von Dezember 1999 «Long-Term Effects of Stimulant Medications on the Brain» erklärt das NIMH (National Institute of Mental Health):

«Stimulantia unterdrücken die Symptome von ADHD, behandeln aber die Störung nicht, und das führt dazu, dass Kinder, die mit ADHD etikettiert werden, häufig über viele Jahre mit Stimulantia behandelt werden…»

Die Therapie mit diesen pharmazeutischen Produkten verbessert die schulischen Leistungen der Kinder per se keineswegs, denn die Lernprozesse sind weitaus komplexer als das einfache “aufmerksam sein”. Professor Cesare Cornoldi, Ordinarius für Psychologie an der Universität Padua, bestätigt in Bezug auf die Verschreibung von Methylphenidat (Ritalin):

«Es sollte also daran erinnert werden, dass man positive Auswirkungen bei der Kontrolle der Impulsivität, der Hyperaktivität und der Aufmerksamkeit für die Verabreichungsdauer des Pharmakums verzeichnen kann; die Störungen im Lernen, im Betragen und die Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion erfordern dagegen Maßnahmen anderer Natur. Generell ist jedoch die pharmakologische Therapie chronisch, denn wenn die Einnahme des Medikaments unterbrochen wird – und keine Maßnahmen psychologischer und pädagogisch-didaktischer Art eintreten – neigt das Kind in kurzer Zeit dazu, die gleiche Symptomatik wieder aufzunehmen.» (Cesare Cornoldi, Iperattività e autoregolazione cognitiva, Erickson, 2001, S. 188).

1993 beauftragte das US-Ministerium für Bildung James M. Swanson, Leiter des ADHD-Studienzentrums an der Universität Kalifornien, Irvine (UCI), und bekannten Verfechter der biologischen These von ADHD, der den Einsatz von Psychopharmaka bei Minderjährigen unterstützt, mit einer Untersuchung, die den aktuellen Stand in Bezug auf die Wirksamkeit von Ritalin erweisen sollte. Es wurden 300 Zeitschriften (9000 Artikel) konsultiert, die einen Zeitraum von 55 Jahren Literatur abdeckten.

Die überaus enttäuschenden Ergebnisse waren Folgende:

1. Die langfristigen Vorteile wurden nicht experimentell überprüft.

2. Die kurzfristigen Vorteile der Stimulantia können nicht als dauerhafte Lösung für die chronischen Symptome von ADHD betrachtet werden.

3. Stimulantia können das Lernverhalten in einigen Fällen verbessern, in anderen aber auch schädigen.

4. In der Praxis können die verschriebenen Dosen zu hoch für die optimale Auswirkung auf das Lernverhalten und ihre Wirkungsdauer zu kurz für eine Änderung des schulischen Ergebnisses sein.

5. Es gibt keine großen Auswirkungen auf die Fähigkeiten und höhere geistige Prozesse. Eltern und Lehrer können keine signifikanten Verbesserungen beim Lernen, bei sportlichen oder sozialen Fähigkeiten oder dem Auffassen neuer Begriffe erwarten.

6. Es sind keine Verbesserungen bei den langfristigen Anpassungen festzustellen, Lehrer und Eltern dürfen unter diesem Profil keine Verbesserungen erwarten.

(Aus “ Talking Back To Ritalin ”, 2001, Peter R. Breggin)

Man kann daraus also schließen, dass Psychopharmaka die schulische Lernfähigkeit nicht verbessern, dass sie die vermeintliche Krankheit ADHD nicht heilen, sondern vielmehr auf die Symptome wirken und damit eine bessere soziale Akzeptanz der Kinder durch die Erwachsenen ermöglichen. Geringe Aufmerksamkeit wurde der Erforschung von psychopathologischen Niederschlägen gewidmet, die pharmakologische Behandlungen auf Kinder haben, und auch neue Moleküle, die als „Neuheit“ gehandelt werden und anscheinend nicht die Nebenwirkungen aufweisen, die für Stimulantia beklagt werden, sind in Wirklichkeit banale “Aufarbeitungen” von Psychopharmaka, die in der Vergangenheit für ihre schädlichen Nebenwirkungen mittel- bis langfristig traurige Bekanntheit erlangten. Die Fälle, die unter klinischem Profil Aufmerksamkeit verdienen – eine unbedeutende Minderheit – sollten vorrangig mit Instrumenten pädagogischer Natur behandelt werden (traditionelle und klinische Pädagogik), für die auch in Italien eine wirkliche Kodierung in Form von Standardprotokollen für gezielte spezifische Maßnahmen im Gang ist.

Neuinterpretation der Daten

In den letzten Jahren sind zahlreiche Studien aufgetaucht, die Korrelationen verschiedener Art mit ADHD erkennen. Es handelt sich um physische Pathologien, Reaktionen auf medizinische Therapien, Umweltbedingungen verschiedener Art und ungünstige Gravidität, Psychopathologien, die die Symptomatik von ADHD nachahmen können und dabei die gleichen diagnostischen Kriterien erreichen. Die Nosographie von ADHD führt in der Tat dazu, Ärzte vom Weg abzubringen: Sie unterlassen eine Untersuchung dieser Ursachen, was zu einem potenziell relevanten Schaden für die Gesundheit des Minderjährigen führt.

Wir dürfen nicht vergessen, dass lernen, still sitzen und aufmerksam sein in der Schule Konditionen sind, die von allen Kindern ein Opfer verlangen, das sich in unterschiedlicher Harmonie mit der Gaußschen Kurve löst, und dass die Variablen, die diese Variationen erklären können, so zahlreich sind, dass wir heute noch nicht in der Lage sind, die auszuwerten und klinische Urteile abzugeben.

Können all diese Korrelationen, die aufgetreten sind, als Ursachen neu interpretiert werden? Können wir annehmen, dass die Symptomatik von ADHD in Wirklichkeit eine aspezifische Konstellation von Symptomen ist, von Indikatoren für ein Unbehagen der Person, die auf die verschiedensten Ursachen verweisen?

Können wir die Nosographie von ADHD mit seiner ideologischen Bürde abschaffen, so wie es vor Jahren mit der Homosexualität geschah (die ursprünglich, wie allen bekannt ist, ebenso wie ADHD als Geisteskrankheit klassifiziert wurde)?

Dies ist die wahre Herausforderung, die wir vor uns haben: eine Hypothese, die die gesamte wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfordert, deren wir fähig sind, eine andere Art der Versuchsweise und ein ethisch neuer Ansatz für die Verwendung von Psychopharmaka an Kindern und Jugendlichen. Sie sollte stets von größter Vorsicht geprägt und als letztes Mittel in Extremfällen eingesetzt werden, damit die möglichen Gefahren eines Missbrauchs, die bei zahlreichen Gelegenheiten sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch von maßgeblichen Informationsquellen belegt sind, in breiten Maßstab verhütet und begrenzt werden.

Quelle und Unterzeichner

Café Holunder
März 2007


Forschung zu ADHS: Ein Epiphänomen

Stellen Sie sich bitte einmal folgende Forschungsstudie vor: Es werden Menschen miteinander verglichen, die häufig oder fast nie Fieber haben. Man findet heraus, dass diejenigen mit viel Fieber auch noch häufig an Halsschmerzen, Lungenentzündung und Appetitlosigkeit leiden, viel häufiger als diejenigen ohne Fieber. Und außerdem leben die Fiebrigen auch noch öfter in ärmlicheren, krankmachenderen Verhältnissen, haben feuchtere Wohnungen, leben ungesünder und werden ärztlich schlechter betreut.

Traurig, werden Sie sagen. Aber nichts Neues!

Dann reiben Sie sich aber verwundert die Augen, denn die Forscher interpretieren ihre Ergebnisse wie folgt: Es sei nun nämlich belegt, dass Fieber die Ursache für Halsschmerzen, Lungenentzündung und Appetitlosigkeit sei, und dass es ärmliche Lebensbedingungen und schlechtere medizinische Versorgung hervorbringe.

Dass Fieber aber nur ein begleitendes Symptom von z.B. viralen Infekten oder vielen anderen Krankheiten ist, aber keinesfalls deren Ursache, war ihnen ohnedies klar. Aber dass es nun auch noch für schlechte Umweltbedingungen verantwortlich sein soll, finden Sie mit Recht nun vollkommen absurd.

Aber genauso linksherum argumentieren viele ADHS-Forscher seit vielen Jahren. Nehmen wir als jüngstes Beispiel eine Studie, die sich mit ADHS und angeblich komorbiden Störungen im Zusammenhang mit Familienbedingungen und der Symptomstärke befasst. Hurtig u.a. finden hier heraus, dass Jugendliche "mit ADHS" häufiger Verhaltensstörungen, Depressionen, Drogenmissbrauch und oppositionelles Verhalten zeigen als solche "ohne ADHS". Jugendliche "mit ADHS plus weitere komorbide Störungen" zeigen eine stärkere ADHS-Symptomatik und stammen außerdem häufiger aus gestörten und armen Familien mit lebensunzufriedenen Müttern und desinteressierten Eltern. Und tatsächlich, die Forscher behaupten abschließend, dass ein starkes "ADHS" stärkere komorbide Störungen verursache und die Familie dieser Patienten in Folge dessen überfordert sei.

Dabei lassen sich die Ergebnisse doch wieder einmal viel einfacher und plausibler erklären: Je ungünstiger und entwicklungsstörender die familiäre Umwelt für ein Kind ist, umso stärker wird es Verhaltensschwierigkeiten entwickeln, darunter auch Unruhe, Impulsivität, Konzentrationsschwierigkeiten usw.

Was die ADHS-Forschung in weiten Bereichen zu einem Epiphänomen macht, ist ihre permanente Verwechslung von Ursache und Folge, zumindest die unzulässig einseitige kausale Interpretation ihrer Befunde. ADHS ist nicht wie ein viraler Infekt, sondern wie Fieber. Es ist bestenfalls ein vieldeutiges Symptomenbündel, hinter dem eine Vielfalt erst noch aufzuklärender Ursachen steckt.

Hurtig T, Ebeling H, Taanila A, Miettunen J, Smalley S, McGough J, Loo S, Jarvelin MR, Moilanen I.:
ADHD and comorbid disorders in relation to family environment and symptom severity.
Department of Public Health Science and General Practice, University of Oulu, P.O. Box 5000, Oulu, Finlan.
Eur Child Adolesc Psychiatry.2007 Mar 30
.

H.-R. Schmidt
April 2007


Neueste Studien belegen:
Radrennfahren komorbid zu ADHS

Methylphenidat (Ritalin, Medikinet u.a.) ist bekanntlich ein Amphetaminabkömmling. Solch Psychopharmaka werden grundsätzlich nur an Kranke bzw. Patienten ärztlicherseits verantwortungsvoll und nur nach strenger Indikationsstellung verordnet. Wie sich nun herausstellt, leiden sehr viele professionelle Radrennfahrer an ADHS und sind auf solche Medizin dringend angewiesen, um ihrem geliebten Sport nachkommen und mit Gesunden mithalten zu können. Da es von solchen Gesunden aber offensichtlich nur sehr wenige beim Radrennen gibt, folgt daraus eindeutig, dass Radrennen komorbid zu ADHS sein muss.

Als Beleg dienen die folgenden siegreichen Rennfahrer mit jeweiliger Angabe des Medikaments, das ihnen ärztlich verordnet zum Sieg verhalf:

1967: Jaques Anquetil (Amphetamine)
1969: Rudi Altig (Amphetamine)
1969: Eddi Merckx (Amphetamine)
1974: Walter Godefroot (Ritalin)
1980: Freddy Maertens (Amphetamine)
1989: Laurent Fignon (Amphetamine)
2002: Jan Ullrich (Amphetamine)
Quelle: DER SPIEGEL 18/07

Es ist wirklich beeindruckend, dass diese Helden trotz ihrer ADHS, aber dank der Medikamente im Sport solche Spitzenleistungen erreichen konnten!

Ulli
April 2007


Die aktuelle Ausgabe der Praxis für Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie ist hochinteressant. Alle Beiträge befassen sich mit ADHS aus psychodynamischer Sicht. Hier das

Editorial

Arbeiten zur ADHS wurden in dieser Zeitschrift bereits mehrfach publiziert, zuletzt im Themenheft 5/2006. Dort standen biologische und verhaltenstherapeutische Aspekte im Vordergrund ebenso wie ätiologische Fragen und neuere Interventionsansätze. Die Notwendigkeit, das Störungsbild der ADHS auch aus psychodynamischer Perspektive zu behandeln, wurde damals bereits angekündigt und wird mit diesem Heft eingelöst.

Die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung hat eine Prävalenz zwischen 4 und 7%. Tatsächlich wird die Diagnose jedoch weit häufiger gestellt. Offenbar ist die Bereitschaft groß, unruhigen oder unaufmerksamen Kindern in Schulen und in Arztpraxen die Diagnose einer ADHS zu attestieren. Der Griff zu Methylphenidat liegt vor allem deshalb nahe, weil Methylphenidat ein — dem Betäubungsmittelgesetz unterliegendes — hoch wirksames Psychopharmakon ist, das unruhige, unaufmerksame Kinder unaufwändig zur Ruhe bringt.

Das Störungsbild mit seiner Symptomtrias Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität ist bei psychodynamisch orientierten Kinderpsychiatern und -psychotherapeuten umstritten. Es trennt biologisch und psychodynamisch orientierte Therapeuten in zwei Lager. Dabei werden teilweise alte Kontroversen neu aufgelegt, etwa die Streitfrage um die Bedeutung von nature und nurture, von Anlage und Umwelt, für die Entwicklung, aber auch konträre Positionen im Hinblick auf die Frage nach geeigneten therapeutischen Maßnahmen.

Von psychodynamischer Seite wurden von Anfang an plausible Erklärungsansätze für das unruhige, unaufmerksame und schwierige Verhalten der Kinder angeboten. Allerdings haben sich psychodynamisch orientierte Kinderpsychiater und -psychotherapeuten nur punktuell explizit und gezielt mit der ADHS befasst, stellt es sich aus psychodynamischer Sicht doch kaum als umschriebenes Störungsbild dar. Damit wurde die ADHS gleichsam einem biologischen Reduktionismus überlassen. Befunde etwa zu frühen Mutter-Kind-Interaktionen und ihrer Bedeutung für die Entstehung dieses Störungsbildes wurden folgerichtig vernachlässigt.

Breite klinische Erfahrungen sprechen dafür, dass die psychodynamische Psychotherapie bei ADHS-Kindern beeindruckend effektiv ist. Allerdings basieren diese Befunde bislang alleine auf klinischem Erfahrungswissen. In der ambulanten Versorgung werden etwa 20% der Kinder mit einer ADHS-Diagnose von psychodynamisch orientierten Psychotherapeuten behandelt. In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie spiegelt sich das in keiner Weise wider. Systematische wissenschaftliche Untersuchungen zur Effektivität von psychodynamischer Psychotherapie bei ADHS stehen bislang noch aus. Hier besteht zweifellos Nachholbedarf. Erste Untersuchungen sind inzwischen angelaufen (siehe dazu in diesem Heft den Beitrag von Frau Leuzinger-Bohleber.)

Der psychodynamisch orientierte Kinderpsychiater und -psychotherapeut sieht sich in der Auseinandersetzung mit dem Störungsbild der ADHS gleich mehreren Problemen gegenüber, von denen einige in diesem Themenheft aufgegriffen werden Was ist von einer Diagnose zu halten, die äußerst impressionistisch anmutet? Was bedeutet es für ein Kind, wenn es lediglich mit Methylphenidat behandelt wird, während seine Innenwelt, seine Erfahrungen und seelischen Nöte eliminiert oder zumindest behandelt werden, als gäbe es sie nicht? Was hat es mit der Komorbidität bei diesem Störungsbild auf sich? Ist eine Typisierung von Kindern mit ADHS möglich? Wie lässt sich das Bild der ADHS mithilfe psychodynamischer Ansätze verstehen? Kinder, bei denen eine ADHS diagnostiziert wurde, haben besondere Probleme mit der Wahrnehmung und Regulierung von Affekten sowie deren sprachlicher Kategorisierung: Ihre Fähigkeiten zu mentalisieren sind eingeschränkt. Das erfordert spezifische therapeutische Strategien. An Fallbeispielen wird in diesem Heft anschaulich, wie Kinder mit Hilfe einer psychodynamischen Psychotherapie Entwicklungen nehmen können, unter denen sich die ADHS-Symptomatik verliert. Zudem können Risikokinder mit Hilfe eines psychodynamisch orientierten präventiven Ansatzes frühzeitig so gefördert werden, dass sie eine positive Entwicklung nehmen.

Mit den in diesem Themenheft zusammengetragenen Arbeiten ist ein Anfang gemacht, der die Bedeutung psychodynamischer Ansätze in Diagnostik und Therapie der ADHS unterstreicht. Der bereits erreichte Kenntnis- und Wissensstand kann zuversichtlich stimmen.

Annette Streeck-Fischer

Quelle: Prax. Kinderpsychol. Kinderpsychiat. 56: 275 — 276 (2007), ISSN 0032-7034 © Vandenhoeck & Ruprecht 2007

Preiser
Mai 2007


ADHS-Konsenserklärung
Hier finden Sie unseren Entwurf für eine gemeinsame ADHS-Konsenserklärung. Bitte arbeiten Sie daran mit, schicken Sie Kritik, Verbesserungen und Ergänzungen. Anschließend werden wir ihn zu Ihrer Mitzeichnung auslegen.

ADHS-KONSENSERKLÄRUNG

Café Holunder
Mai 2007


Hyperaktive Kinder im Pillenrausch
Der Verbrauch des Betäubungsmittels Methylphenidat, das zumeist hyperaktiven Grundschülern verabreicht wird, hat sich abermals dramatisch erhöht. Das geht aus der neuesten, noch unveröffentlichten Statistik des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hervor: Wurden 1993 noch 34 Kilogramm verbraucht, waren es im vergangenen Jahr 1221 Kilogramm - eine Steigerung um 3591 Prozent.

Methylphenidat ist ein Psychopharmakon und in Produkten wie Ritalin, Medikinet oder Concerta enthalten. Es wird zunehmend Kindern verschrieben, denen Ärzte die umstrittene Diagnose "Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom" (ADS und auch ADHS) bescheinigen. Annette Streeck-Fischer, Chefärztin für Kinder-und Jugendpsychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Tiefenbrunn, warnt: "Etliche Kinder werden sechs bis acht Jahre lang mit Methylphenidat behandelt und erhalten niemals eine psychotherapeutische Begleittherapie."

In den vergangenen Jahren sind weitere Methylphenidat-Produkte auf den Markt gekommen. Die Pillenschwemme geht offenbar auf systematisches Marketing unter Kinderärzten zurück. Der aktuelle "Arzneiverordnungs-Report" warnt "vor der Verordnung überhöhter Dosen sowie laxer lndikationsstellung". Aufklärungsbedürftig seien "häufiger aufgetretene optische Halluzinationen, plötzliche Todesfälle und nicht-tödliche kardiovaskuläre Ereignisse".

Quelle: DER SPIEGEL 22/2007, S. 136


Uni Tübingen belegt:
"ADHS" durch Psychotherapie heilbar

In Würzburg tagte bis zum 5.6.2007 der 1. Internationale Kongress zu ADHS. Ca. 1000 Fachleute saßen hier tagelang zusammen und gaben ein merkwürdig deprimierendes Bild der Wissenschaft von "ADHS" ab. ADHS sei eine "zumindest bei einigen Kindern" (?!) hirnfunktionell bedingte Krankheit, die "mindestens" (!?) zu 50 % genetisch bedingt sei und "mindestens" (!?) 6 Prozent unserer Kinder befalle, wurde mal wieder frei von der Leber weg über den Daumen gepeilt. Wissenschaftlich kritisches Denken gab es nicht. Das hätte den Sponsoren aus der Pharmaindustrie wahrscheinlich auch kaum gefallen. Stattdessen polemiserte Scientology lautstark vor dem Tagungsgelände und führte die berechtigte Kritik am gegenwärtigen ADHS-Wissenschaftsbetrieb leider wieder ad absurdum. Den Kongressveranstaltern war das wahrscheinlich nicht wirklich unangenehm, lässt sich doch damit auch in Zukunft jedwede Kritik ganz einfach in diese bekannte Ecke abschieben.

Ute Strehl von der Universität Tübingen schoss einen der vielen Vögel ab, indem sie angeblich belegen konnte, dass sie mit Neurofeedback "das Gehirn der Kinder verändert" habe (so Strehl heute im Deutschlandfunk), so dass ADHS nicht mehr diagnostizierbar war.

ADHS also nichtmedikamentös heilbar?

Was für ADHS-Anhänger auf den ersten Blick so sensationell klingen mag, ist bei genauer Betrachtung wieder einmal nur Altbekanntes. Frau Strehl hat lediglich einen weiteren Beleg für die längst bekannte Erkenntnis geliefert, dass Psycho- bzw. Verhaltenstherapie Verhalten mitsamt der ihm entsprechenden Hirnfunktionen beeinflussen und ändern kann. Das hat schon der alte Freud geglaubt, aber die neurobiologische Verifizierung leider nicht mehr erleben können. Mit einer genetisch bedingten Hirnfunktionsstörung namens ADHS hat das aber überhaupt nichts zu tun. Es bedeutet lediglich, dass "ADHS" gelernt, also umweltbedingt ist, und dass es demzufolge auch wieder verlernt und mittels Psychotherapie geheilt werden kann.

Wen dies wundert, den wundert gar nichts mehr.

Colmar
Juni 2007


ADS: Eskalation oder Dialog
Freitag, 12. Oktober 2007 Universität Koblenz

Kinder, Eltern, Lehrer… stärken

Zum 60. Geburtstag von Reinhard Voß
Zum 70. Geburtstag von Hans von Lüpke

http://www.ads-kritik.de/Voss.htm

 


ADHS, die Gene und die Sonne

Es wird immer wieder behauptet, ADHS sei stark genetisch bedingt. Man hat ja auch schon ein paar Gene gefunden, die am sogenannten ADHS-Verhalten (was immer das genau sein mag) irgendwie beteiligt sein sollen. Solche Belege werden dann immer gern ins Feld geführt, wenn es gilt, Umwelt- und Erziehungseinflüsse bei der Entstehung von ADHS zu bestreiten. ADHS sei eine vererbbare, genetisch bedingte Hirnfunktionsstörung, wird damit gerne belegt.

Aber stimmt das? Kann man das wirklich aus solchen Studien schließen?

Natürlich nicht! Zunächst belegen solche genetischen Studien lediglich eine irgendwie geartete Beteiligung einiger Gene an ungenau beschriebenem und unspezifischem menschlichen Verhalten. Ein Beleg für eine Krankheit, schon gar eine hirnfunktionelle, ist damit nicht erbracht. Schließlich sind z.B. die blaue Augenfarbe oder rote Haare auch genetisch bedingt, aber deshalb keine Krankheiten (was bei roten Haaren schon mal anders gedeutet wurde). Dass es Menschen gibt, die diese sog. ADHS-Gene haben, ohne an ADHS zu "erkranken", und dass es unter den ADHSlern überwiegend Menschen mit vielen "life-events" gibt belegt deutlich den eigentlich auslösenden Umweltfaktor.

In Wirklichkeit ist es also mal wieder wohl eher so, dass sich die Genausstattung des Menschen langfristig den Umweltbedingungen anpasst (Stichworte: Epigenetik, Neuroplastizität, Genexpression). Das umgekehrte funktioniert ja weniger. Ursache für genetische Anpassungen und dann auch Verhalten sind also letztlich Umweltverhältnisse, nicht Gene. Letztere sind dann nur Garanten für bleibende Anpassungen, jedenfalls für die Dauer ihrer Passung mit der Umwelt.

Ein schönes Beispiel hierfür wird hier berichtet. Die Hautfarben von Menschen weltweit weisen teils erhebliche Unterschiede auf, doch aus genetischer Sicht sind die Abweichungen dabei eher gering. Die genetischen Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Herkunft sind äußerst klein. Die Varianz im Erbgut der Afrikaner ist zum Beispiel viel größer als die Unterschiede zwischen Afrikanern und Europäern. Es ist nicht nur politisch gefährlich, sondern auch biologisch unsinnig von menschlichen Rassen zu reden. Das haben Forschungsergebnisse der Molekulargenetik aus den letzten zehn Jahren eindeutig gezeigt. Die Gene für menschliche Hautfarben haben sich dabei jeweils als Reaktion auf die Sonneneinstrahlung (also ein Umweltfaktor ) verändert bzw. durch Mutation und Selektion entwickelt. Wenn man dann also heute 5 Gene findet, die die Hautfarbe bestimmen, dann sind diese Gene erst durch unterschiedliche Sonneneinstrahlung entstanden. Die Sonne hat also die Hautfarben gemacht, die Gene vermitteln dabei nur und sorgen für die nötige generationsübergreifende Speicherung und Weitergabe solcher Lerneffekte.

Genauso stelle ich mir das bei sowas wie ADHS vor. ADHS ist umweltbedingt, die Gene sorgen nur für die nötige Daueranpassung.

Colmar
Juni 2007


Macht "Ritalin" doch süchtig?

Von interessierten Kreisen wird derzeit gern verbreitet, dass die Frage, ob Methylphenidat süchtig mache, endgültig mit Nein zu beantworten sei: In der Tat gab es eine Reihe wissenschaftlicher Studien, die zeigten, dass angeblich von ADHS betroffene Menschen, die nicht mit Methylphenidat behandelt wurden, ein etwas höheres Risiko zu späterer Drogenabhängigkeit aufwiesen als mit dem Psychopharmakum behandelte Patienten oder angeblich Gesunde. Methylphenidat verhindere sogar spätere Drogensucht, wurde daraus geschlossen (1, 2).

Dass bei all diesen Studien unzulässige Kausalitäten zwischen Drogensucht und Verhalten á la ADHS hergestellt wurden, sei hier erneut betont. Ob einer Drogensucht ein ADHS zugrundeliegt oder die Drogensucht nicht vielmehr Verhaltensstörungen á la ADHS hervorbringt, ist in Wahrheit ungeklärt.

Davon einmal abgesehen waren diese Studien aber methodisch eher bescheiden und ihr Wert deshalb zweifelhaft. Sie verwendeten meistens Selbstauskünfte der befragten Personen, die bekanntlich subjektiv verfälscht sein können. Hin und wieder ergab sich sogar der Verdacht methodischer Manipulation: Die allgemein bekannten kritischen Einwände gegen eine lobbygesteuerte Praxis wissenschaftlicher Veröffentlichungen im Pharmabereich müssen außerdem gerade hier ernst genommen werden (3,4,5).

Eine aktuelle Forschungsstudie um die uns gut bekannte Nora Volkow (7) herum zeigt, dass die Dinge doch komplizierter sind, als bisher behauptet (6). Die Forscher untersuchten die Auswirkungen langfristiger oraler Methylphenidatgabe auf Kokainsucht und striatale Dopamin-D2-Rezeptoren im Tierversuch. Sie fanden, dass bei längerfristiger Behandlung im Jugendalter die Neigung zur Kokainsucht im Erwachsenenalter abnahm, während die Verfügbarkeit der dopaminären D2-Rezeptoren über das Normalmaß der Kontrollgruppe hinaus anwuchs. Während in der Kontrollgruppe die D2-Verfügbarkeit mit wachsendem Alter abnahm, stieg sie in den behandelten Gruppen mit der Behandlungsdauer an. Bei kurzfristiger Behandlung zeigte sich allerdings eine unter das Normalmaß absinkende D2-Verfügbarkeit.

Da man inzwischen aus anderen Studien von Volkow u.a. weiß, dass eine niedrige D2-Rezeptorenzahl bei Mensch und Tier mit erhöhter Neigung zur Drogensucht einhergehen könnte (8), befürchten die Autoren denn auch zu recht, dass sich bei entsprechender Behandlungsdauer in entsprechendem Behandlungsalter eine erhöhte Neigung zur Drogensucht im Erwachsenenalter entwickeln könnte.

Ob "Ritalin" also süchtig macht oder nicht, muss demnach in Zukunft differenzierter betrachtet werden als bisher. Behandlungsdauer und Lebensalter des Patienten spielen eine Rolle. Weitere Forschung wird das genauer klären müssen.

Es ist aber jedenfalls zu früh, so sorglos zu sein.

1 Macht "Ritalin" süchtig?
2
Pädiatrics
3
Wird hier unter den Teppich gekehrt?
4
Hahn
5
Ärzte im Dunkeln gelassen
6
Volkow1
7
Wir waren höllisch überrascht
8
Volkow

H.-R. Schmidt
Juli 2007


3 Jahre später:
Behandlung mit Methylphenidat ("Ritalin") bleibt nicht ohne Folgen

Dass "Ritalin" therapeutisch keine nennenswerten positiven Langzeiteffekte hat, haben wir hier schon ausgeführt, auch dass es spätere Delinquenz keineswegs verhindert (Seifenblase Ritalin). Ob es spätere Drogensucht wirklich verhindert, wie seit der sogenannten MTA-Studie gerne behauptet wird, erscheint nach neuen Erkenntnissen ebenfalls wieder zweifelhaft (Macht Ritalin doch süchtig?) Und dass die mit diesem Psychopharmakum dauerbehandelten Kinder u.a. Wachstumsstörungen zeigen, war hier in unserem Café Holunder auch schon wiederholt Thema (Ritalin verlangsamt das Wachstum, Ritalin verlangsamt das Wachstum). Besonders Befunde, die hirnverändernde Auswirkungen belegen, sind besorgniserregend (Ritalin verändert das Gehirn, Amphetamin zerstört Hirnnerven).

Deshalb bestätigt unsere Sorge, verwundert uns aber nicht sonderlich, was das Deutsche Ärztblatt in diesen Tagen berichtet: Die Versuchspersonen der MTA-Studie wurden 3 Jahre später erneut untersucht. Und wieder zeigte sich, dass Methylphenidat irreversible Wachstumsstörungen und Gewichtsverluste bewirkt und spätere Drogensucht und Kriminalität nicht verringert. Mehr als 27 Prozent der behandelten Kinder wurden später delinquent, mehr als 17 Prozent bekamen Drogenprobleme, Werte, die diejenigen einer unbehandelten Normalgruppe um 400 bzw. 200 Prozent überstiegen.

H.-R. Schmidt
Juli 2007


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