Alternativen bei ADS

Autor: Tina 
Datum:   31.07.01

Erstmal einen schönen Abend an alle!Mein Name ist Tina und ich hae einen süßen(B)engel im alter von4.ADS wurde erst vor einigen Monaten diag.und nun bin ich auf der Suche nach Alternativen im Umgang mit ihm im Kiga,Freundeskreis etc.Ritalin halte ich in unserem Fall für ausgeschlossen.Das Buch "Keine Pillen für den Zappelphillip"hat mir schon sehr aus der Seele gesprochen.Nun hätte ich gern noch persönliche Erfahrungen oder Meinungen zu Alternativen gehört.Und mich darf jeder dutzen!!!Tina

Autor: Elisabeth (himmelblau) 
Datum:   31.07.01

Hi, Tina und Herr Dipl.-Psych. Schmidt! ( noch bin ich ja hier *g*)

Ich möchte nur, wo es einen so schönen eigenen Thread gibt mit passender Überschrift, meine Bitte an Sie, Herr Dipl.-Psych. Schmidt, die hier (irgendwo im Diskussionsfaden zu "Gibt es ein bisschen Add?") bereits steht, noch einmal wiederholen,
nämlich, dass Sie uns schildern, wie eine erfolgreiche Familientherapie im Falle eines "fälschlicherweise als Add-ler" diagnostizierten Kindes/Jugendlichen aussieht und ob Sie damit Erfahrungen haben, oder falls nicht, wie Sie vorgehen würden.
Ich könnte Ihre Motive, so vehement gegen die Diagnose "Add" ins Feld zu ziehen, nur dann verstehen, wenn sie z.B. auf der Ebene "medikamentöse Eingriffe sind fast immer völlig überflüssig oder schädlich" laufen würden - aber dann frag ich mich eben, warum Sie bis jetzt auf die Frage nach den Alternativen nach wie vor schweigen. Denn es kann ja kein ernstes Anliegen sein,
den Betroffenen (lassen wir jetzt einmal dahingestellt, wovon betroffen) ein erwiesenermaßen hochwirksames und relativ nebenwirkungsarmes Medikament, das für diese ausgesprochen hilfreich ist, zu versagen (das es übrigens bereits an die 60 Jahre gibt), ohne ihnen eine Alternative anzubieten und zumal es Hinweise dafür gibt, dass eine nicht-medikamentöse Behandlung einer medikamentösen unterlegen ist und immer wieder von Betroffenen selbst sowie deren Umgebung berichtet wird, dass sie erst dann von einer Therapie (welcher Form auch immer) profitieren konnten, als sie auch medikamentös behandelt wurden. Wenn das bei Familientherapie anders sein sollte, dann erläutern Sie das doch bitte!

Autor: Mimi 
Datum:   03.08.01

Elisabeth, das ist doch genau der Trick!

Ob es ADS als organische Störung gibt oder nicht, können Eltern in aller Regel gar nicht beurteilen.

Und natürlich wirken bei jedem Menschen, ob mit oder ohne ADS Anlagen und Umwelteinflüsse zusammen. Wie das im einzelnen geschieht, weiß ohnehin niemand genau.

Im Grunde ist das aber auch eine Frage, die Eltern und Betroffene nur am Rande interessiert. Sie haben ja konkrete Probleme und suchen Hilfe. Und diese Probleme sehen auch mit ADS noch recht unterschiedlich aus. Dementsprechend ist höchstwahrscheinlich auch nicht für alle Menschen die gleiche Therapie hilfreich.

Nur sehen Erziehungsberatungen und Familientherapien in der Praxis leider oft so aus: Den Eltern wird erklärt, dass ihr Kind einen ffamiliären Konflikt austrägt. Konflikte finden sich selbstverständlich immer, einfach weil sie menschlich sind. Muss erst intensiv nach dem Konflikt gesucht werden, ist eh alles klar, liegt er auf der Hand erst recht. Praktisch heißt das: Kinder alleinerziehender Elternteile fehlt immer der Vater und sie leiden darunter, dass die Eltern zu wenig Zeit haben. Leben die Eltern zusammen, ist es deren Aufgabe den "Konflikt" zu finden. Sind beide Eltern berufstätig, haben sie zuwenig Zeit für ihr Kind, ist die Mutter hausfrau, ist sie zu sehr auf das Kind fixiert. Das mag ja im Einzelfall hilfreich sein, aber es ist mindestens genauso frei geraten wie ein ADS-Verdacht.

Das Ganze wird dann garniert mit ein paar Binsenweisheiten: Uns wurde einmal ernsthaft erklärt, wir müssten unser schwer leidendes Kind eben akzeptieren wie es ist, ihm aber Grenzen setzen.

Wenn Erziehungsberatung und Familientherapie helfen, ist natürlich nichts dagegen zu sagen. Nur haben wir und die uns bekannten Eltern von ADS-Kindern das vor der ADS-Behandlung versucht.

Von solchen Ratschlägen hat niemand profitiert, den ich kenne. Die Lösung solcher wirklicher oder vermeintlicher Konflikte, hat keinem Kind, das ich kenne geholfen.

Die Berater, die ich kenne behaupten auch gar nicht, die Symptome lindern zu können. Die Kinder sollten lernen, dass das zu ihnen gehört. Das funktionierte zumindest bei uns nicht einmal in der dazugehörigen Gruppe, obwohl dort auch verhaltenstherapeutisch gearbeitet wurde. Es ist nicht im entferntesten daran zu denken, dass das Kind z.B. in eine Klassengemeinschaft integriert werden könnte ohne zum Außenseiter zu werden.

Dementsprechend stellt sich die Frage nach der Stigmatisierung auch gar nicht mehr. Ein Kind, das zwanghaft dummes Zeug redet, andere Kinder massiv beim Lernen und Spielen stört und selbstverständlich selbst beides nicht mehr kann, wird auf jeden Fall etikettiert.

Eine ADS-Behandlung konnte das extrem impulsive Verhalten und die Konzentrationsprobleme zumindest bei uns - und wohl auch bei vielen anderen - binnen Wochen fast beseitigen. Und wenn die vielen kleinen Dinge wie Vorlesen, gemeinsam Spielen, in den Zoo gehen ... wieder möglich sind, bessert sich natürlich auch das Familienklima.

Autor: Kim 
Datum:   03.08.01

Mimi,

wenn du meinst oder erfahren hast, eine Therapie bestehe aus Ratschlägen oder allgemeinen Plattheiten, dann hast du entweder die falschen Therapeuten erwischt oder dich zu wenig damit beschäftigt. Allerdings muß ich dir insofern "rechtgeben", da ich glaube, daß gute Therapeuten eher selten sind.

Binsenwahrheiten sind zwar wenig hilfreich, aber sie enthalten doch zumindest ein Korn Wahrheit.
Du schreibst: "Uns wurde einmal ernsthaft erklärt, wir müssten unser schwer leidendes Kind eben akzeptieren wie es ist, ihm aber Grenzen setzen."
Ich würde diesen Satz nicht so empört abwehren, wie du es zu tun scheinst. Denn was braucht ein Kind mehr als das Gefühl der bedingungslosen (!) Liebe von seiten seiner Eltern. Wir alle leiden mehr oder weniger auch noch als Erwachsene daran, daß wir selten so geliebt und akzeptiert wurden und werden, wie wir sind. Und da regt doch der Satz mal zum Nachdenken an, wieweit denn ihr euer Kind wirklich ganz akzeptiert auch mit den Schwierigkeiten. Daß darüberhinaus Hilfe für alle Beteiligten sinnvoll und notwendig sein kann, steht auf einem andern Blatt.
Auch noch eine kurze Anmerkung zur "Zeit", die du nebenbei zweimal erwähntest: ich halte es für eins der größten Probleme in den Familien, daß sich keine Zeit mehr genommen wird, nicht für die Kinder, nicht füreinander und nicht für sich selbst. Überleg mal selbst, wie oft und wie lange du dich AUSSCHLIEßLICH mit deinem Kind beschäftigst, ohne dabei etwas anderes nebenbei zu tun oder an den nächsten Termin zu denken oder dir andere Gedanken zu machen.

Noch kurz etwas zu anderen Therapien. Im Gegensatz zu deinen Erfahrungen kenne ich keine Familie, die ernsthaft eine Erziehungsberatung oder gar Familientherapie vor der Diagnose und anschließenden Ritalinbehandlung durchgeführt haben. Bei den Familien, die ich kenne, ist es so gewesen, daß die Eltern unter der Zappeligkeit, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeit der Kinder gelitten haben, Angst vor drohenden Schulschierigkeiten hatten, sie (die Eltern) haben von ADS gehört und sich dann erfolgreich auf die Suche nach einem Arzt gemacht, der entsprechend diagnostizierte und ihnen Ritalin verschrieben hat. Und eine begleitende Verhaltenstherapie ist in der Mehrzahl der Fälle auch erst nach über einem Jahr angestrebt worden, als die Eltern gemerkt haben, daß nur mit dem Ritalin noch nicht alle "Schwierigkeiten beseitigt" waren.
Deswegen halte ich die oft so einseitige Darstellung im Internet auch für gefährlich: es "verführt" die Eltern nämlich dazu, sich keine weiteren Gedanken zu machen und bei allen "ADS"-ähnlichen Problemen das Kind diagnostizieren zu lassen und mit Psychopharmaka zu behandeln. Eine Mutter sagte mir mal: "Was soll ich denn erst zum Psychologen gehen, das hilft ja doch nichts."
Und seien wir doch mal ganz ehrlich: Heutzutage wird jeder, der bei seinem Kind Schwierigkeiten der Konzentration, der Wahrnehmung, des Sozielverhaltens feststellt, einen Arzt finden, der ihm daraufhin "ADS" diagnostiziert.

Gruß von Kim

Autor: Hans-Reinhard Schmidt 
Datum:   03.08.01

Hallo Mimi,
nicht nur Eltern können in aller Regel nicht beurteilen, ob es ADS als organische Störung gibt, sondern auch die Fachleute nicht, wenn sie ehrlich sind. Dass das alles aber Betroffene nur am Rande interessiert, wie Sie meinen, halte ich einerseits für unrichtig und andererseits für ein Herunterspielen der oft verheerenden psychosozialen Auswirkungen der Diagnose ADS (früher MCD) im Alltag unserer Kinder und Familien. Eltern interessiert es aus meiner Erfahrung durchaus, ob Diagnosen, die Ihnen gegeben werden, einen seriösen wissenschaftlichen Hintergrund haben. Natürlich können sie es meist nicht beurteilen und müssen den Fachleuten deshalb vollkommen vertrauen können.Ich habe hier an anderer Stelle das Beispiel eines Kindes mit ADS-Diagnose erzählt, das sich auf den Kopf tippte und sagte: "Ich ticke hier oben nicht ganz richtig!" In Wirklichkeit war ein verheerender Krieg zwischen seinen Eltern die Ursache seiner Verhaltensstörungen.
Was Sie über Erziehungsberatungen und Familientherapien schreiben, ist ein (möglicherweise aus negativer persönlicher Erfahrung erwachsenes) Zerrbild. Ich weiss nicht, ob Sie "vom Fach" sind und es insgesamt beurteilen können. Ich bin einer der ersten Familientherapeuten im Rahmen einer Erziehungsberatungsstelle in Deutschland gewesen und kann die Situation (glaube ich) einigermaßen beurteilen. Den Eltern wird nicht einfach irgendwas "erklärt". Es werden stattdessen gemeinsam Vermutungen und Denkrichtungen entwickelt, die im Verlauf der Therapie von den Eltern und Kindern geprüft, verworfen oder als richtig und hilfreich erkannt werden. Wenn der Therapeut erklären würde, dass alles am fehlenden Vater liege und die Mutter das nicht nachvollziehen kann, dann nützt es der Mutter natürlich nicht viel. Entweder war es dann falsch oder die Mutter braucht noch mehr Belege dafür, das es stimmen könnte.
Ratschläge sind es eben nicht, wenn ich von Familientherapie und Erziehungsberatung spreche. Da haben Sie Recht, das würde niemandem groß helfen. Das wäre keine Psychotherapie.
Sie mögen persönlich niemanden kennen, der von Erziehungsberatung und Familientherapie profitiert hat. Wir befragen unsere Familien regelmäßig nach Abschluss der Behandlung anonym nach den Auswirkungen der Behandlung: in über 80 Prozent aller Fälle sagen die Familien, dass ihnen und ihrem Kind die Behandlung geholfen hat (ich kann Ihnen das gerne ausführlicher erläutern, hier aus Zeitgründen nur solch ein kurzer Hinweis auf unsere Katamnesen).
Wenn Sie abschließend von einer "ADS-Behandlung" sprechen, nehme ich eine Ritalin-Medikation an? Na, dass Ritalin wirkt, ob mit oder ohne ADS, scheint klar zu sein, nur: Alkohol wirkt auch immer. Das beweist aber nur, dass Alkohol wirkt, sonst nichts.
Oder was meinen Sie?
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

Autor: Mimi 
Datum:   01.08.01

Hallo Tina,

die Bücher von reinhard Voß sind eigentlich alle nicht schlecht, auch wenn Voß nichts von ADS hält.

Vierjährige bekommen in aller Regel ohnehin noch keine Medikamente, sofern sie nicht gerade aus dem Kiga zu fliegen drohen. Von einer einigermaßen sicheren Diagnose kann in diesem Alter noch keine Rede sein. Mach dir zunächst einmal keine allzu großen Sorgen, wenn du Glück hast, stellt sich später etwas viel harmloseres heraus. Ergotherapie gegen die verbreiteten Wahrnehmungsstörungen käme da eher in frage.

Ergo- und Psychotherapie reichen leider in den seltensten Fällen, wenn die Kinder wirklich ADS haben. Spätestens die Schule nennt Selbsthilfemechanismen von ADS-Kindern (Zappeln, nebenbei malen, manchmal sogar unerlaubtes Aufstehen usw. usw.) nur noch "unangemessenes Verhalten". Wenn Teilleistungsstörungen oder Agressionen dazukommen wird oft sogar mit der Sonderschule gedroht. Selbst in Voß-Büchern wird in solchen Fällen nicht von Medikamenten abgeraten. Das ist keine Grundsatzfrage.

Für euch stelllt sich die Frage nach Medikamenten momentan ja wahrscheinlich noch nicht.

Erziehungsberatung käme in Frage. Nützlich sind die Tipps in dem Buch "Wackelpeter und Trotzkopf".

Nur wird es dir leider aller Voraussicht anch nicht gelingen, das ADS zu beseitigen, oder die Institionen dazu zu bringen, das Kind mit seinem ADS zu akzepotieren.

Alles Gute.

Autor: Hans-Reinhard Schmidt 
Datum:   01.08.01

Hallo Tina,
herzlich willkommen! Was ich einfach nicht verstehen kann ist, wie jemand so verantwortungslos sein kann, bei einem 4jährigen Kind "ADS" zu diagnostizieren. Wer und wie hat denn diese Diagnose gemacht? Ich würde als Vater oder Mutter grundsätzlich an einer solchen Diagnose zweifeln und wirklich nach Alternativen suchen, die mir helfen, zu verstehen, was mit meinem Kind wirklich los sein könnte. Alternativen gibt es viele: es können vorübergehende Entwicklungskrisen sein, leichte frühkindliche Teilleistungsstörungen, reaktive (familiär bedingte) Verhaltensprobleme, andere Entwicklungsstörungen z.B. neurologischer Ursache, andere körperliche Erkrankungen, usw. usw.
Ich bin davon überzeugt, dass man die Diagnose "ADS" gegenwärtig grundsätzlich nicht braucht, weil

1. die derzeitige dünne Forschungslage in keiner Weise rechtfertigt, eine Diagnose mit einer solch gravierenden psychosozialen Reichweite (angeblich unheilbare Hirnfunktionsstörung) zu benutzen. Die Betroffenen werden dadurch praktisch lebenslang stigmatisiert, was nur zu verantworten wäre, wenn ADS wirklich unstrittig wissenschaftlich belegt wäre;

2. sie den Blick auf eine ganzheitliche (medizinische und psychologische) Sichtweise von Verhaltensschwierigkeiten versperrt und damit oft verhindert, dass effektive, aufdeckende psychotherapeutische Hilfestellung geleistet werden kann. (Kleines Beispiel zur Illustration: ein 9-jähriger Junge mit "ADS-Diagnose" (wie das schon klingt!) antwortete kürzlich auf meine Frage, was sein Problem sei, indem er sich an die Stirn tippte: "Ich ticke hier oben nicht richtig!" Ich allerdings fand, dass er durchaus richtig tickte, litt er doch seit Jahren am massiven Dauerkrieg zwischen seinen Eltern. Die Eltern gaben ihm Ritalin, anstatt ihren jahrelangen verheerenden Familienkrieg zu beenden).

Die Diagnose ADS richtet deshalb aus meiner Erfahrung mehr Schaden als Nutzen an. Alle bekannten Verhaltens- und Entwicklungsprobleme bei Kindern und Jugendlichen lassen sich auch ohne das ADS-Konzept diagnostizieren und behandeln. Das ADS-Konzept bringt hierbei keinerlei Fortschritt ein.

Es ist eine hochinteressante Frage, wieso sich trotzdem solch ein Konzept so breit machen kann, obwohl die wissenschaftlichen Belege dafür so dünn und die negativen psychosozialen Folgen seiner Anwendung so gravierend sind. Ein Bösewicht sagte neulich zu mir, ein möglicher Grund hierfür liege wohl auch darin, dass die Zahl unserer Kinderärzte stark gestiegen, die Zahl unserer Kinder aber immer mehr rückläufig sei. Da komme den Ärzten natürlich eine neue Krankheit sehr gelegen, wovon sollen sie sonst leben?
Oder was meinen Sie?
Mit Gruß, H.-R. Schmidt

Autor: Mimi 
Datum:   05.08.01

Hallo,

natürlich kann ich keine allgemeine Aussage über Erziehungsberatung und/oder Familientherapie machen. Unsere Erfahrungen waren verheerend und ich weiß zumindest, dass das kein Einzelfall war. Alle ADS-Familien, die ich kenne, haben zunächst andere Therapiemöglichkeiten ausprobiert, aber selbstverständlich ist auch das nicht repräsentativ. Dass eine ADS-Therapie aus weit mehr als nur Medikation besteht, wissen sie so gut wie ich. Es lohnt sich nicht darauf einzugehen.

Unserem Kind ging es ganz fürchterlich und jetzt geht es ihm besser. Das zählt ungeheuer viel.

Ich selbser leide im Frühjahr unter allergischem Asthma und brauche dann Kortison. Bei Ritalin ist es zumindest möglich, dass es das zugrundeliegende Problem löst, bei Kortison ist es ausgeschlossen, Abhängigkeiten sind bei beiden Medikamenten nahc menschlichem ermessen ausgeschlossen. Dennoch ermöglicht es mir zwischen März und Juni ein normales Leben. Der Vergleich gefällt mir wesentlich besser als die immergleichen Vergleiche zwischen Alkohol und Medikamenten.

Autor: Hans-Reinhard Schmidt 
Datum:   21.08.01

Hallo liebe Gäste,
eine sehr interessante wissenschaftliche Studie zum Thema wurde bereits an anderer Stelle erwähnt. Ich will sie hier noch einmal inhaltlich zusammenfassen, weil sie deutlich macht, dass es wirklich Alternativen gibt, die ohne Medikamente auskommen:

NEUES VOM ZAPPELPHILIPP: DIE THERAPIE BEI KINDERN MIT HYPERKINETISCHEN STÖRUNGEN (ADHD) AUF DER BASIS DER KOMMUNIKATIONS- UND SYSTEMTHEORIE

Von H. Bonney


Der Autor behandelte 46 Kinder im Alter von 6-11 Jahren, bei denen ADHD diagnostiziert worden war und deren Eltern eine empfohlene Medikation mit Ritalin/Medikinet ablehnten, oder die sich als Non-Responder auf pharmakologische und/oder diätetische Interventionen erwiesen hatten, mit einer mit der Kommunikationstheorie sowie der Systemtheorie begründeten Behandlungsmethode: Die Kinder wurden, bevor sie im Rahmen einer Kommunikation jeweils angesprochen wurden, immer erst körperlich berührt (am Arm , an der Hand, auf der Schulter, etc.). Die Kinder stellten daraufhin Blickkontakt mit dem Gegenüber her, und erst jetzt wurden sie angesprochen. Es zeigte sich, dass die Kinder daraufhin geordnet antworten konnten, während sie sonst auf rein verbale Ansprache hin gar nicht oder ausweichend reagiert hatten. (Man kann diese Vorgehensweise aus meiner Sicht noch besser mit der Bindungstheorie erklären: wenn man einen Säugling anspricht, erreicht man ihn viel besser, wenn man ihn dabei berührt, trägt, streichelt, schaukelt, kitzelt, mimisch oder stimmlich besonders ausdrucksvoll ist, etc).

Innerhalb von 9 Monaten hatten die Kinder im Durchschnitt 8 therapeutische Sitzungen, die Eltern wurden einbezogen. Es wurden keinerlei Medikamente eingesetzt. Das Vorgehen verbesserte die innerfamiliäre Kommunikation und damit die Familienbeziehungen.

Nach ca. 5 Jahren wurden die Kinder nachuntersucht: In über 80 Prozent waren die Kinder inzwischen unauffällig geworden, mehr als die Hälfte besuchte weiterführende Schulen.

Quelle: Prax. Kinderpsychol. Kinderpsychiat. 49: 285-299 (2000)